• 8:7 nach Elfmeterschießen: Hertha gewinnt dramatisches Spiel gegen Dynamo Dresden

8:7 nach Elfmeterschießen : Hertha gewinnt dramatisches Spiel gegen Dynamo Dresden

Was für ein Spiel, was für ein Spielfilm. Hertha rettet sich in letzter Sekunde ins Elfmeterschießen und zieht nach einem 8:7-Sieg ins Pokal-Achtelfinale ein.

Stefan Hermanns
Ellenbogen ausfahren. Hertha (Szene mit Dodi Lukebakio) liegt gegen Zweitligist Dynamo Dresden zurück.
Ellenbogen ausfahren. Hertha (Szene mit Dodi Lukebakio) liegt gegen Zweitligist Dynamo Dresden zurück.Foto: imago

Dieses Spiel war eine Herausforderung für alle Sinne: Es war so laut, wie es 70 429 Zuschauer nur sein können. Es roch wie auf der Sonnenallee am Neujahrsmorgen um kurz vor halb drei, weil die Fans von Dynamo Dresden mit dem Anpfiff begannen, Pyrotechnik zu zünden und bis zum Schlusspfiff quasi nicht aufhörten. Fürs Auge wurde in der zweiten Runde des DFB-Pokals zwischen Hertha BSC und Dresden auch einiges geboten. Und selbst die Nerven wurden arg strapaziert – vor allem die der Berliner.

Hertha geriet vor der Pause in Rückstand, schien das Spiel gedreht zu haben, kassierte in der 90. Minute den Ausgleich zum 2:2. In der Verlängerung kassierten die Berliner das 2:3 durch Luka Stor. Aber in der 120. Minute traf Jordan Torunarigha zum Ausgleich. Nach Elfmeterschießen setzte sich Hertha mit 8:7 (3:3, 2:2, 0:1) gegen den Vorletzten der Zweiten Liga durch.

Torunarigha rettet Hertha in die Verlängerung

Es war ein irres Spiel, und das gesamte Ambiente hatte etwas vom Pokalfinale, dem Traum aller Herthaner, der noch weiterlebt. Es standen sich zwei nahezu gleich große Fangruppen gegenüber, die sich schon vor dem Anpfiff ein hörenswertes Battle lieferten. Die westliche Hälfte des Olympiastadions sah aus, als hätte Vincent van Gogh noch mal ein paar Sonnenblumenfelder gemalt. „Alle in Gelb“, lautete das Dresdner Motto, an das sich die meisten der rund 35 000 Anhänger auch gehalten hatten.

Trotz des deutlichen tabellarischen Abstands war es auch auf dem Rasen ein recht ausgeglichenes Duell. Die Berliner begannen dominant, hatten zunächst viel Ballbesitz und die ersten Chancen. Nachdem Dresdens Torhüter Kevin Broll einen Schuss von Marius Wolf nach vorne hatte prallen lassen, löffelte Salomon Kalou den Ball aus fünf Metern über die Latte.

Gleich darauf leitete der Ivorer die nächste gute Gelegenheit ein: Kalou setzte sich auf der linken Seite durch, passte in die Mitte, doch Dodi Lukebakio verpasste. Wenig später scheiterte Javairo Dilrosun nach einem Solo parallel zur Strafraumlinie an Broll. Zu diesem Zeitpunkt sah es nach einer klaren Angelegenheit für den Favoriten aus. Doch Dynamo wurde mutiger, bemühte sich erfolgreich um ansehnlichen Fußball und kam nun auch zu Chancen.
Die erste wurde begünstigt durch einen dramatischen Fehlpass von Rechtsverteidiger Wolf, der Moussa Koné den Ball genau in den Fuß spielte. Dresdens Stürmer hatte nur noch Torhüter Thomas Kraft vor sich, setzte den Ball aber am Tor vorbei. Noch in derselben Minute hatte Hertha erneut Glück, als Bryan Hamalainen im Berliner Strafraum frei zum Schuss kam, der Ball aber, noch leicht abgefälscht, ins Toraus flog.

Auch der Ex-Herthaner Patrick Ebert traf

Hertha hätte also gewarnt sein können. Stattdessen ließ sich die Mannschaft nach einem eigenen Eckball auf geradezu amateurhafte Weise auskontern. Wolf folgte dem Ball anstelle seines Gegenspielers Koné, so dass der schließlich frei vor Kraft auftauchte und den Ball an ihm vorbei zum 1:0 für den Außenseiter ins Netz stupste. Ein Schrei wie ein Donner hallte durch die Arena - lauter als jeder Böller, den die Gästefans am Abend zündeten.

Was Wolf vor dem 0:1 in der Defensive verschuldet hatte, machte er nach der Pause in der Offensive wieder wett. Nach einer Kombination über Plattenhardt, Kalou und Duda hatte er auf der rechten Seite erstaunlich viel Platz. Wolf brachte den Ball mit Wucht in die Mitte, fand dort Lukebakio, der zum Ausgleich traf.

Die Berliner machten nun ernst: Sie spielten schneller, zielstrebiger und ließen Dynamo eine Zeitlang kaum zur Ruhe kommen. Dilrosun vergab die große Chance zur Führung, als der den Ball aus fünf Metern an die Unterkante der Latte köpfte; kurz darauf traf Kalou mit seinem Schuss den Pfosten. Hertha benötigte viel Geduld, ging fünf Minuten vor dem Ende durch einen von Ondrej Duda verwandelten Foulelfmeter (Kreuzer an Lukebakio) in Führung und kassierte in letzter Minute doch noch den Ausgleich. Nachdem Niklas Stark Koné im Strafraum abgeräumt hatte, erzielte Patrick Ebert, ebenfalls per Elfmeter, das 2:2. Es folgte das 2:3, das 3:3 und das Elfmeterschießen. Irgendwie passte das zu diesem Spiel.

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