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Stefan Kuntz will gegen „Bild“-Bericht vorgehen: Sexuelle Belästigung als Grund für überraschenden Rückzug als HSV-Sportchef?
Der HSV führt den Rückzug seines Sportchefs auf private Gründe zurück. Ein Medienbericht nennt jedoch interne Vorwürfe, die für den früheren Nationalspieler heikel sind. Das will der so nicht gelten lassen.
Stand:
Der unerwartete Abschied von Stefan Kuntz als Sportvorstand des Hamburger SV zum Jahreswechsel steht möglicherweise im Zusammenhang mit internen Vorwürfen. Offiziell nennt der Verein weiterhin „persönliche familiäre Gründe“.
Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung soll jedoch bereits Anfang Dezember eine Mitarbeiterin den Aufsichtsrat informiert haben, sie habe sich durch Äußerungen von Kuntz sexuell belästigt gefühlt. Mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen sollen dies bestätigt haben.
Der Aufsichtsrat habe daraufhin eine externe Kanzlei beauftragt, die die Hinweise prüfte. Im Zuge der Befragungen sei eine zweite Mitarbeiterin genannt worden, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben soll. Beide Frauen hätten laut Umfeld des Vereins als glaubwürdig gegolten. Inzwischen gebe es Hinweise auf weitere Betroffene, schreibt die Zeitung.
Kurz nach Eingang der ersten Meldung soll Kuntz Anzeige gegen Unbekannt wegen Stalkings erstattet haben. Nach seinen Angaben habe er seit dem Sommer anonyme Nachrichten erhalten, die ihn beunruhigt hätten. In der Woche vor dem letzten HSV‑Spiel des Jahres soll ein Teil des Aufsichtsrats Kuntz mit den Vorwürfen konfrontiert haben.
Kuntz bestreitet die Vorwürfe und schaltet Anwälte ein
Ein für die folgende Woche vorgesehenes Gespräch habe laut Klubseite nicht stattgefunden, weil sein Anwalt den Termin abgesagt habe. Aus dem Umfeld des Managers heißt es hingegen, ihm sei keine Gelegenheit gegeben worden, sich zu äußern.
Am Sonntag hat sich Kuntz nun selbst öffentlich geäußert. In einem Statement auf seinem Instagram‑Profil erklärte er, die Anschuldigungen träfen ihn „hart“, zugleich wies er sie „entschieden“ zurück. Die Vorwürfe seien seiner Darstellung nach „falsch“. Er habe „im Sinne meiner Familie und aller mir nahestehenden Personen“ Anwälte eingeschaltet, die gegen aus seiner Sicht unbegründete Anschuldigungen und Vorverurteilungen vorgehen sollen.
Der heute 63 Jahre alte Kuntz war als Spieler Deutscher Meister, Pokalsieger und Europameister. Später arbeitete er unter anderem als Vorstandsvorsitzender in Kaiserslautern und gewann als Trainer der deutschen U21 zwei EM‑Titel. Nach einer Station als Nationalcoach der Türkei wechselte er 2024 zum HSV. Unter seiner sportlichen Leitung gelang dem Klub die Rückkehr in die Bundesliga.
Die vereinsinternen Prüfungen sollen laut „Bild“ fortgesetzt werden. Der HSV verweist weiterhin auf die offizielle Begründung und äußert sich zu internen Vorgängen nicht. (Tsp)
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