• Alba Berlin in den Play-offs: Luke Sikma: „Berlin fühlt sich an wie mein Zuhause“

Alba Berlin in den Play-offs : Luke Sikma: „Berlin fühlt sich an wie mein Zuhause“

An diesem Samstag startet Alba gegen Oldenburg in die Play-offs. MVP Luke Sikma spricht im Interview über seine Ziele – und die Ratschläge seines berühmten Vaters.

Luke Sikma trifft mit Alba Berlin in den Play-offs auf Oldenburg.
Luke Sikma trifft mit Alba Berlin in den Play-offs auf Oldenburg.Foto: imago/Andreas Gora

Herr Sikma, Sie sind jetzt seit zehn Monaten in Berlin. Wie gefällt es Ihnen hier?

Ich liebe Berlin. Ich war schon vor drei Jahren für ein paar Tage hier und war begeistert. Es erinnert mich sehr an meine Heimatstadt Seattle. Berlin hat so viel Geschichte, so viele Museen und Parks. Hier gibt es immer etwas zu tun und nach diesen zehn Monaten hier fühlt es sich langsam wie mein Zuhause an.

Gibt es auch etwas, was Sie an der Stadt stört?

Die Leute beschweren sich ja immer über das Wetter, aber in Seattle regnet es noch mehr als hier, auch wenn es dort etwas wärmer ist. Der Verkehr stört schon. In der Innenstadt kann es mit dem Auto schon mal ziemlich lange dauern.

Es hat nicht lange gedauert, bis Sie bei Alba Berlin angekommen sind. In Ihrer ersten Saison hier wurden Sie gleich zum besten Spieler der Liga geehrt. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Für mich ist der MVP-Award eine Auszeichnung für unser gesamtes Team. Wir waren das ganze Jahr auf Platz zwei und haben tollen Basketball gespielt. Dass ich überhaupt ein Kandidat war, zeigt, was wir als Team und als Klub für eine gute Arbeit gemacht haben.

Sind Sie in Deutschland unterfordert?

Nein. Es gibt hier sehr viele gute Teams und Spieler. Ich komme aus der spanischen Liga, die ja traditionell eine der stärksten in Europa ist, aber ich bin sehr froh über die Erfahrung, die ich hier mache.

Wenn man Sie spielen sieht, fragt man sich, warum es nicht für die NBA gereicht hat? Sie hatten sich 2011 nach dem College zum NBA-Draft angemeldet.

Beim NBA-Draft spielen viele Faktoren eine Rolle. Ich bin für meine Position etwas kleiner als die meisten Spieler in der NBA und nicht ganz so athletisch. Das Ende meines letzten College-Jahres war nicht so besonders. Ich habe nicht erwartet, gedraftet zu werden. Der Basketball in Europa passt besser zu meinem Stil und ich habe mich in den vergangenen sieben Jahren immer weiterentwickelt. Es ist alles gut so, wie es ist.

Ihr Vater Jack hat es in die NBA geschafft. Er war sogar ein prägender Spieler der Liga, NBA-Champion 1979 und siebenfacher All-Star. War es ein Türöffner oder eine Bürde, sein Sohn zu sein?

Als Kind spürt man da schon Druck, wenn die Leute sagen: Hey, das ist der Sohn von Jack Sikma. Aber er hat mir nie besonderen Druck gemacht oder sich nach Spielen aufgeregt. Er hat mich von Anfang an unterstützt und je älter und besser ich wurde, desto unwichtiger wurde es, wessen Sohn ich bin. Ich habe mir meinen eigenen Namen gemacht und mittlerweile ist es nur noch eine coole Geschichte, die ich erzählen kann und auf die ich sehr stolz bin.

Wann haben Sie als Kind gemerkt, was für eine große Nummer er war?

Als ich anfing, mit meinem Vater zu Spielen der Seattle Supersonics zu gehen, haben ihn viele nach Autogrammen gefragt. Da habe ich langsam gemerkt, dass nicht jeder Vater so etwas erreicht hat. Sein Trikot dort unter dem Hallendach zu sehen, hat mich sehr stolz gemacht.

Ihr Vater hat erzählt, dass ihm Ihre Mutter verboten hat, mehr als 30 Sekunden über Ihre Spiele zu reden. Wie kam es dazu?

Ja, das haben meine Eltern damals eingeführt. Als ich noch klein war, sollte diese Absprache regeln, wie sehr er mich vor oder nach dem Spiel coachen durfte. Er musste alles, was er mir sagen wollte, sehr gut zusammenfassen. Mittlerweile halten wir uns nicht mehr an die Regel und machen manchmal Witze darüber.

Sie scheinen auf dem Feld immer den Überblick zu haben. Ist diese Fähigkeit vererbt?

Nein, das hat sich so entwickelt. Ich versuche immer zu überblicken, was auf dem Feld abläuft. Als ich jünger und noch nicht so groß war, habe ich als Guard gespielt. Dabei habe ich viel gelernt und einige dieser Fähigkeiten haben mir dann sehr geholfen, als ich auf die größeren Positionen gewechselt bin.

Sie sind extrem vielseitig und scheinen immer das zu tun, was das Team braucht. Woher kommt diese Stärke?

Ich nehme mir nicht konkret vor, heute punkte ich viel. Das Spiel kann sich so schnell drehen und da sind immer andere Dinge wichtig. Mal rebounde ich viel, mal bringe ich meine Mitspieler ins Spiel.

Im ersten Saisondrittel haben Sie kaum Dreipunktewürfe versucht, dann gelang ihnen aber meist eine hohe Trefferquote. War das eine bewusste Entscheidung, häufiger von außen zu werfen?

Ich habe schon immer an meinem Distanzwurf gearbeitet und mich dabei über die Jahre entwickelt. Letztes Jahr in Valencia habe ich nicht gut von der Dreierlinie geworfen, aber hier hat mich das Coaching-Team immer wieder ermutigt. Ich hatte dann ein paar Spiele, in denen ich gut getroffen und den Rhythmus gefunden habe.

Sie haben die Hauptrunde als Zweiter abgeschlossen. Was ist das Ziel für die Play-offs?

Die Ziele sind dieselben wie vorher. Wir wollen jeden Tag besser werden und unseren Basketball spielen. Bisher hat sich diese Einstellung für uns sehr gut ausgezahlt. Jetzt zu sagen, wir wollen den Titel gewinnen, bringt nichts. In den Play-offs wollen alle ihre Chance nutzen. Hoffentlich werden wir Ende Juni die Meisterschaft feiern können, aber jetzt geht es nur um Spiel eins am Samstag gegen Oldenburg.

Aufgezeichnet von Julian Graeber.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!