• Alba Berlin startet in die Vorbereitung: „Associate Headcoach“? Israel Gonzalez ist gleich voll gefragt

Alba Berlin startet in die Vorbereitung : „Associate Headcoach“? Israel Gonzalez ist gleich voll gefragt

Alba Berlin startet in eine ungewöhnliche Saisonvorbereitung – mit einem Trainer in neuer Rolle. Im Kader ist eine Personalie noch ungeklärt.

Leonard Brandbeck
Der Dirigent: Associate Headcoach Israel Gonzalez bekommt bei Alba Berlin noch mehr Verantwortung.
Der Dirigent: Associate Headcoach Israel Gonzalez bekommt bei Alba Berlin noch mehr Verantwortung.Foto: BBL-Foto/Imago

Was genau ist eigentlich ein „Associate Headcoach“? Auftritt Himar Ojeda, Sportdirektor von Alba Berlin: „Associate Headcoach ist ein Posten, der in Europa noch sehr neu ist, aber den es in der NBA bereits länger gibt. Es ist ein Coach, der in bestimmten Situationen die Leitung übernimmt, zum Beispiel in einem Spiel, in dem der Headcoach technische Fouls bekommen hat. In der NBA ist es ein Posten, der sich mehr auf das eigene Team konzentriert als auf den Gegner und das Scouting.“

So viel zur allgemeingültigen Definition. Und was bedeutet das nun konkret bezogen auf die Berliner, die den bisherigen Assistenztrainer Israel Gonzalez im Zuge der Vertragsverlängerung von Cheftrainer Aito Garcia Reneses zuletzt auf genau diesen Posten gehievt haben?

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„Das hängt von den Umständen ab. Auf Israel wird ein größerer Umfang an Entscheidungen und Zuständigkeiten entfallen. Er wird also noch mehr Aufgaben eines Cheftrainers übernehmen. Und am Ende wird es Situationen geben, in denen er einmal ein Spiel oder ein Training selbst leiten wird.“

Dass Meistercoach Reneses angesichts seiner inzwischen 73 Lebensjahre ein wenig kürzer treten könnte, so er sich denn auch noch eine vierte Saison bei den Berlinern zumutet, hatte Sportdirektor Ojeda bereits vor der Vertragsverlängerung angekündigt. Möglich ist, dass sich Reneses die eine oder andere Auswärtsfahrt sparen wird, um auf der Europatournee zwischen Vechta, Villeurbanne und Vitoria nicht allzu schnell in einen Reisekoller zu verfallen.

Gonzalez wird dann anstelle von Reneses übernehmen. Die Beförderung des 45-jährigen Assistenten gehe aber über die reine Vertreterrolle hinaus, betont Ojeda: „Das wird nicht nur von Belang sein, wenn Aito fehlt. Es kann auch passieren, dass Aito bei einem Spiel oder Training einen Schritt zur Seite macht und sich dann so verhält, als wäre er der Associate Headcoach.“

Alba Berlins Abgänge im Sommer 2020

  • Stefan Peno (Aufbau; Vechta, Deutschland / Leihe)
  • Martin Hermannsson (Aufbau; Valencia BC, Spanien)
  • Makai Mason (Aufbau; Basquet Manresa, Spanien)
  • Kenneth Ogbe (Aufbau/Flügel; Bamberg, Deutschland)
  • Rokas Giedraitis (Flügel; Baskonia Vitoria-Gasteiz, Spanien)
  • Tyler Cavanaugh (Flügel; Teneriffa, Spanien)
  • Landry Nnoko (Center; Roter Stern Belgrad, Serbien)

Inwieweit sich Reneses, der das Spiel offenbar auch nach über einem halben Jahrhundert noch so liebt wie eh und je, den Vorzügen seiner Altersteilzeit dann auch tatsächlich hingeben wird, das wird sich aber erst im Verlauf der Saison zeigen. „Wir wissen es noch nicht genau, weil es sehr innovativ ist“, sagt Ojeda.

Die Berliner hoffen jedoch auch auf Erkenntnisse, wie es einmal weitergehen könnte, wenn Reneses sich in Rente verabschiedet. Gonzalez hat für gleich zwei Jahre bei Alba unterschrieben. „Wenn Israel sich so weiterentwickelt, wie wir es erwarten, wird er natürlich ein aussichtsreicher Kandidat sein, den Cheftrainerposten nach Aito zu übernehmen“, sagt Ojeda.

Nah dran: Albas Sportdirektor Himar Ojeda hatte diesen Sommer wieder viel zu tun.
Nah dran: Albas Sportdirektor Himar Ojeda hatte diesen Sommer wieder viel zu tun.Foto: Tom Weller/dpa

Aber bei Reneses weiß man ja ohnehin nie. Aktuell weilt der Trainer noch in Spanien, um ein paar medizinische Routineuntersuchungen hinter sich zu bringen. Ende nächster Woche erwartet ihn Ojeda zurück in Berlin. Sein Kollege Gonzalez wird seinen neuen Pflichten als Associate Headcoach also bereits in den kommenden Tagen umfassend nachkommen und wie in der vergangenen Saison den Einstieg ins Teamtraining organisieren.

Bis Sonntag sollten alle Spieler in Berlin eintreffen. Und auch wenn der eine oder andere Spieler aus einem Risikogebiet kommt, erwartet Sportdirektor Ojeda keine Probleme für den Start der Vorbereitung. Einige Spieler trainieren ohnehin schon wieder vor Ort in kleinen Gruppen. Nun wird erst einmal fleißig auf Coronavirus, Gesundheit und Fitness getestet, bevor Ende der Woche das erste Teamtraining geplant ist.

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Inmitten der Pandemie erwartet Alba jedenfalls eine Vorbereitung, von der niemand weiß, was sich erwarten lässt. „Ich habe eigentlich bestimmte Ansätze für eine Vorbereitung, aber dieses Jahr kann ich keine davon umsetzen“, sagt Ojeda. Testspiele sind bislang nicht vereinbart, und auch ins Ausland wird das Team aller Voraussicht nach nicht verreisen. „Es wird eine ungewöhnliche Vorbereitung für uns“, betont der Sportdirektor.

Immerhin: Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren kann Alba die Vorbereitung mit dem gesamten Kader absolvieren und muss nicht auf die Nationalspieler warten. „Der Kern des Teams steht“, sagt Ojeda. Zu den bislang fünf Neuverpflichtungen könnte höchstens noch eine weitere hinzukommen. Abhängig ist das von der Personalie Kresimir Nikic.

Alba Berlins Zugänge im Sommer 2020

  • Jayson Granger (Aufbau; Baskonia Vitoria-Gasteiz, Spanien)
  • Maodo Lô (Aufbau; Bayern München, Deutschland)
  • Louis Olinde (Flügel; Bamberg, Deutschland)
  • Simone Fontecchio (Flügel; Pallacanestro Reggiana, Italien)
  • Ben Lammers (Center; Bilbao Basket, Spanien)

Alba eruiert zurzeit, ob der Center fest in den Profikader rückt oder noch einmal verliehen wird, um mehr Spielzeit auf hohem Niveau zu sammeln. In den vergangenen Jahren spielte Nikic mit einer Doppellizenz auch für den Kooperationspartner Lok Bernau in Liga drei. „Über diesen Status ist er inzwischen hinaus“, sagt Ojeda. Ob Nikic bleibt, hängt von den Leihoptionen ab, aber auch von den Alternativen auf dem Spielermarkt.

Mit 15 Akteuren geht Alba dann in die neue Saison, zwei weniger als in der vergangenen Spielzeit. Auch das ist eine Folge der Coronakrise. Gut möglich also, dass die Berliner im Laufe der kommenden Monate nicht nur auf der Trainerposition noch mehr Flexibilität zeigen müssen.

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