• Anstrengender Journalist nach Champions-League-Endspiel: Ein absoluter Fragen-Wahnsinn

Anstrengender Journalist nach Champions-League-Endspiel : Ein absoluter Fragen-Wahnsinn

Nach dem Champions-League-Finale stellte ein Journalist eine Frage in sechs verschiedenen Variationen an Pernille Harder. Ein Kommentar.

Pernille Harder im Interview.
Pernille Harder im Interview.Foto: Screenshot BT Sport

Fehler sind menschlich. Es kann passieren, dass ein Berichterstatter inhaltlich daneben liegt. Wie etwa der junge Reporter von "Bild TV", der am Sonnabend auf der Berliner Corona-Demo vor einer Gruppe von Menschen stand, die "Hare Krishna" sangen und dann in sein Mikrophon jubelte: Die Leute würden gerade einen "Harry Krischna" feiern. Aber den Harry, den kenne er nicht. "Muss vor meiner Zeit gewesen sein".

Das war ein absoluter Höhepunkt in Sachen unfreiwilliger Komik. Denn den "Harry", den muss man gar nicht nicht persönlich kennen, um zu wissen, wer er war. Aber lassen wir das und widmen uns dem Reporterauftritt des Sonntages: Gäbe es einen Preis für komprimierte mediale Penetranz, sie würde in diesem Jahr an einen Kollegen des britischen Sportfernsehsender "BT Sport" gehen.

Der Mann schaffte es, Kapitänin Pernille Harder nach dem Champions-League-Endspiel der Wolfsburgerinnen gegen Olympique Lyon gleich sechs Mal zu fragen, ob sie in der nächsten Saison denn nun beim FC Chelsea spiele. Und das gelang dem Mann – Weltrekord – binnen 33 Sekunden!

Können Sie bestätigen, dass dies Ihr letztes Spiel für Wolfsburg war? Also können Sie es nicht? Ihre Fans wollen es bestimmt wissen?! Warum nicht? Also sagen Sie es am Dienstag? Was gefällt Ihnen an der englischen Liga? Eine Frage in sechs Varianten, ein absoluter Fragen-Wahnsinn, den die dänische Weltklassespielerin Pernille Harder nach der bitteren Niederlage ihrer Mannschaft gegen die Französinnen und ihrem womöglich letzten Spiel für den VfL Wolfsburg (aber lassen wir das) etwas verlegen aber auch etwas genervt weglächelte.

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Muss das wirklich sein, war die Jagd nach der (im Ja-Fall eher wenig überraschenden) Vollzugsmeldung in dem Moment wichtiger als eine ordentliche Analyse des gerade erst beendeten Spiel? Warum sollte so eine Spielerin das in so einem Moment sagen, kurz vor dem Gang in die Kabine zu den frustriert dort kauernden Mitspielerinnen? So nach dem Motto: Leider verloren. Aber übrigens Mädels, ich bin dann mal weg und ziehe nach London.

Haben die Fußballerinnen, längst nicht mit so viel Schmerzensgeld zugeballert wie ihre Kollegen im Männerfußball, nicht das Recht in so einem Moment erst einmal Luft zu holen? Anscheinend nicht, dem übereifrigen Kollegen mit dem Hang zum Monothematismus sei aber gesagt: Am Dienstag wird Pernille Harder sicher verkünden, dass sie zum FC Chelsea wechselt. Aber das ist ja an sich schon bekannt.

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