• Auch Fenerbahce tut sich schwer: Wie Alba Berlins Verteidigung Gegner aus dem Tritt bringt

Auch Fenerbahce tut sich schwer : Wie Alba Berlins Verteidigung Gegner aus dem Tritt bringt

Eigentlich hat Alba Berlin den Ruf eines Offensiv-Teams. Doch auch defensiv kann das Team Spiele prägen – dafür sorgt ein waghalsiges Konzept.

Leonard Brandbeck
Eng am Mann: Johannes Thiemann (links) und Alba Berlin können auch defensiv unangenehm sein.
Eng am Mann: Johannes Thiemann (links) und Alba Berlin können auch defensiv unangenehm sein.Foto: Andreas Gora/dpa

Einen falschen Eindruck wollte Kenneth Ogbe am Ende des nächsten eindrücklichen Euroleague-Abends in der Arena am Ostbahnhof dann doch nicht entstehen lassen: „Nach dem Spiel fühlt es sich jetzt komplett scheiße an“, machte Alba Berlins Flügelspieler deutlich.

So etwas wie eine gedrückte Verliererstimmung war nach der knappen 70:74-Niederlage am Donnerstagabend gegen Fenerbahce Istanbul schließlich nicht zu spüren unter den Berliner Spielern und Verantwortlichen – und in der Halle selbst roch es wegen der mehr als 3000 feiernden Gästefans ohnehin kaum nach Heimniederlage.

Die nächsten Spiele von Alba Berlin

  • Sonntag, 02.02.: Oldenburg (A – BBL)
  • Dienstag, 04.02.: Olimpia Mailand (A – Euroleague)
  • Donnerstag, 06.02.: Real Madrid (H – Euroleague)
  • Sonntag, 09.02.: Göttingen (H – BBL)
  • Dienstag, 11.02.: Ulm (A – BBL)

Es war wieder eine dieser Partien gegen ein Euroleague-Topteam gewesen, in der Alba ein gutes Spiel machte, lange Zeit mindestens auf Augenhöhe spielte, um dann am Ende gegen ein individuell besser besetztes und abgebrühteres Team doch den Kürzeren zu ziehen.

Das können die Berliner mittlerweile gut einschätzen, die Enttäuschung über solche Niederlagen hält sich deshalb mehr oder weniger in Grenzen. „Wenn wir mit dieser Intensität und diesem Fokus spielen, werde ich nicht sagen, dass wir es schlecht gemacht haben“, erklärte Trainer Aito Garcia Reneses.

Auch Kenneth Ogbe wirkte vor seinem Griff in die Vokabeltoilette eigentlich recht fidel, und das aus nachvollziehbaren Gründen: Immerhin hatte ihm Coach Reneses nach zuletzt eher schwierigen Wochen mit wenig Spielzeit gegen Fenerbahce viel Vertrauen geschenkt. Nach nur drei Minuten war er bereits auf das Parkett beordert worden – mit dem Spezialauftrag, Fenerbahces Euroleague-Star und Topscorer Nando De Colo zu verteidigen, der gleich zu Beginn zweimal Marcus Eriksson abgekocht hatte.

Seine Ideen: Trainer Aito Garcia Reneses ist der Kopf hinter Alba Berlins Defensivkonzept.
Seine Ideen: Trainer Aito Garcia Reneses ist der Kopf hinter Alba Berlins Defensivkonzept.Foto: Andreas Gora/dpa

„Ich habe mein Bestes gegeben, bin rumgerannt wie ein Verrückter und habe versucht zu schauen, dass er nicht so viele Körbe macht“, sagte Ogbe. Das gelang ihm in knapp 16 Minuten Spielzeit gut, De Colo erzielte nur noch fünf Punkte. Leidtragender davon war Kapitän Niels Giffey, der – obwohl vollkommen spielfit – nur etwa zwei Minuten auf dem Feld stand.

Überhaupt zeigten die Berliner, wie gut sie inzwischen in der Lage sind, auch Spiele über ihre Defensive zu prägen – ein Aspekt, der angesichts von Albas furiosem Tempo-Basketball in der Offensive manchmal ein wenig verkannt wird. Knapp 84 Punkte erzielen die Berliner pro Spiel, der fünftbeste Wert in der Euroleague, sie lassen aber mit fast 86 Punkten pro Partie auch die zweitmeisten Zähler zu. In Albas Spielen ist meist Vollgas angesagt.

Ein Blick auf die Statistik zeigt jedoch, dass Alba auch dann gut fährt, wenn die Spiele ein bisschen gemächlicher verlaufen: Bei fünf der sieben gewonnenen Euroleague-Partien dieser Saison hielt Alba den Gegner in der regulären Spielzeit bei 80 oder weniger Punkten. Nur gegen München und nun gegen Fenerbahce reichte das nicht zum Sieg.

Die Berliner sind in der Lage, ihr Tempo anzupassen. „Damit können wir umgehen, das ist kein Problem“, sagt Marco Baldi. Verteidigen und Angreifen, „wir können beides“, betont der Manager.

Alba Berlins beste Defensivleistungen in der Euroleague

  • 16. Spieltag: Alba Berlin – Baskonia Vitoria-Gasteiz 81:57 (Sieg)
  • 11. Spieltag: Alba Berlin – Zalgiris Kaunas 69:62 (Sieg)
  • 01. Spieltag: Alba Berlin – Zenit St. Petersburg 85:65 (Sieg)
  • 14. Spieltag: Alba Berlin – Bayern München 72:72; 76:77 n.V. (Niederlage)
  • 22. Spieltag: Alba Berlin – Fenerbahce Istanbul 70:74 (Niederlage)
  • 17. Spieltag: Roter Stern Belgrad – Alba Berlin 79:79; 85:94 n.V. (Sieg)
  • 09. Spieltag: Alba Berlin – Roter Stern Belgrad 93:80 (Sieg)

Albas waghalsiges Defensivkonzept hat schon den einen oder anderen Gegner aus dem Tritt gebracht: Die Gegenspieler werden situativ gedoppelt, Teamkollegen eilen häufig zur Hilfe, und die großen Spieler zieht es dabei weit nach draußen – das soll Ballgewinne und Schnellangriffe ermöglichen, kann aber auch rasch im Chaos enden.

Deshalb braucht es Spielverständnis, schnelle Rotationen und vor allem viele spontane Absprachen. „Wir haben gut kommuniziert auf dem Feld“, befand Kenneth Ogbe nach dem Spiel gegen Fenerbahce. „Als ich auf dem Feld war, hatte ich das Gefühl, dass wir viel gesprochen haben und einfach mit viel Energie gespielt haben.“

Auch die Zonenverteidigung streut Trainer Reneses gerne ein, wenn die Gegner von außen nicht gut treffen. Albas Defensiv-Philosophie macht damit besonders den Teams Probleme, die offensiv eher schematisch agieren. Als letzte Rettung bleibt ihnen dann oft nur die individuelle Klasse. Doch an der mangelt es in der Euroleague eben auch nicht.

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