Bahnrad-WM in Berlin : Warum der Spitzensport dem Senat viel Geld wert ist

Ende Februar beginnt in Berlin die Bahnrad-WM. Der Senat bezuschusst das mit zwei Millionen Euro und findet, dass das gut angelegtes Geld ist.

Sie haben was zu sagen: Sportsenator Andreas Geisel (rechts) mit BDR-Präsident Rudolf Scharping (links) und Pressesprecher Thomas Juschus.
Sie haben was zu sagen: Sportsenator Andreas Geisel (rechts) mit BDR-Präsident Rudolf Scharping (links) und Pressesprecher Thomas...Foto: Andreas Gora/dpa

Es findet sich ja immer jemand, der in ein Maskottchen-Kostüm steigt. Das war auch am Montag so. „Tracky“ begrüßte die Besucher einer Presserunde anlässlich der Bahnrad-Weltmeisterschaften in Berlin. Vom 26. Februar bis zum 1. März finden die Wettkämpfe im Velodrom statt. Trackys Träger hat es dabei besonders schwer. Trackys Kopf ist überdimensioniert, zudem war am Montag auch im besten Fall nicht zu erkennen, aus welchen Augen der Mensch hinter Tracky herausblicken soll.

Aber diese Thematik müssen Tracky und sein Träger wohl unter sich ausmachen. Am Montag spielte sie jedenfalls keine Rolle. Dafür war die Gästeliste zu prominent und das Thema zu wichtig. Die Bahnrad-WM in Berlin ist ein gewichtiges sportliches Ereignis und, wie der anwesende Berliner Innen- und Sportsenator Andreas Geisel anmerkte, „die einzige WM in diesem Jahr in Berlin“.

Der Senat investiert zwei Millionen Euro

Das verpflichtet offenbar. Denn Geisel verriet, dass der Senat üppige zwei Millionen Euro für die Bahnrad-WM zur Verfügung stellt. „Wir wollen eine Sporthauptstadt sein“, gab der SPD-Politiker am Montag die Losung aus. Doch zwei Millionen Euro für den Sport sind – auch wenn das außerhalb der Hauptstadt kaum jemand glaubt – selbst für die Berliner viel Geld. Deshalb ergänzte Geisel, dass das gut angelegtes Geld sei. „Wenn ich überlege, wie dadurch in der Welt über Berlin berichtet wird, ist das ein gutes Geschäft“, sagte er.

Ob es das wirklich ist, werden die fünf Wettkampftage zeigen. Gegen ein gutes Geschäft für Berlin spricht das mangelnde Interesse an der Veranstaltung durch die Öffentlich-Rechtlichen. Olympiasiegerin Kristina Vogel wird während der WM als TV-Expertin für das ZDF tätig sein. Sie zeigte sich am Montag enttäuscht darüber, dass der Sender nur am Sonntag von 14 bis 17 Uhr live von der Bahnrad-WM berichten würde.

Gegen ein gutes Geschäft spricht auch die Erfahrung der letzten beiden Radsport-Großveranstaltungen im Velodrom. Sowohl die Bahnrad-EM 2017 als auch der Weltcup ein Jahr später waren mäßig bis schlecht besucht.

Es geht auch um die Olympia-Qualifikation

Trotzdem kann Geisels Rechnung noch aufgehen. So sei der Vorverkauf für die WM noch während und vor allem nach dem jüngst zu Ende gegangenen Berliner Sechstagerennen „nach oben geschnellt“, berichtete Burckhard Bremer, der Projektleiter des Organisationskomitees der Bahnrad-WM.

Aus sportlicher Sicht verwundert das Zuschauerinteresse keineswegs. Es geht um viel. In jeweils zehn Disziplinen werden bei Männern und Frauen Medaillen an den fünf Wettkampftagen vergeben. Doch mehr noch als um Medaillen kämpfen die Fahrer um wichtige Punkte für die Olympia-Qualifikation.

Werbetrommler. Die Veranstalter um Kristina Vogel (vorne) hoffen auf privates Interesse.
Werbetrommler. Die Veranstalter um Kristina Vogel (vorne) hoffen auf privates Interesse.Foto: Tsp

„Darauf liegt der Fokus“, sagte der deutsche Top-Sprinter Stefan Bötticher. Außerdem ist die WM ein Art Generalprobe für den Saisonhöhepunkt Olympische Spiele. Im Velodrom können die Fahrer noch einmal testen, wie weit sie unter härtesten Wettkampfbedingungen sind.

Für etwas Ärger im Vorfeld hatte der Umstand gesorgt, dass die Radrennsportler erst wenige Tage vor Beginn der WM auf der Bahn im Velodrom trainieren können. Das Problem sind – wenn man so will – „10 Jahre Mega Sause mit ATC und Cascada“. So nämlich lautet der Programmpunkt am 15. Februar im Velodrom.

Erst danach können die Umbauarbeiten für die Bahnrad-WM beginnen. Für OK-Projektleiter Bremer kein Problem. „Wir haben vier Tage Trainingszeit vor der WM. Viele Fahrer kennen das“, betonte er. Das Velodrom sei nun einmal eine Veranstaltungslocation, in der nicht nur Sport stattfinde. „Wir sind sehr dankbar, dass wir das Velodrom nutzen dürfen“, sagte Bremer und blickte in Richtung des Berliner Senators, der ihm lächelnd zunickte.

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