Bayern in der Krise : Münchner Weltuntergang

Ein schockierter Uli Hoeneß sucht nach dem Remis gegen Düsseldorf nach Gründen für die Misere. Trainer Koavc bleiben womöglich nur noch Tage im Amt.

Traf doppelt, konnte sich aber nicht so recht freuen: Thomas Müller
Traf doppelt, konnte sich aber nicht so recht freuen: Thomas MüllerFoto: dpa/Matthias Balk

Der Ernst der Lage manifestierte sich in den entschlossenen Schritten der Vereinsoberen. Uli Hoeneß verschwand als Erster hinter der riesigen Tür, die ins Innerste der Münchner Arena führte, ein paar Meter dahinter kam Karl-Heinz Rummenigge. Der Rest der Führungsriege des FC Bayern, die an guten Tagen nach Abpfiff gemeinsam der Mannschaft ihre Aufwartung machen, fehlte am Samstag.

Aber es war ja auch kein guter Tag für den deutschen Rekordmeister, wieder einmal. Das 3:3 gegen Fortuna Düsseldorf, den Tabellenvorletzten, war auch für die Verantwortlichen zu viel nach den vielen nicht so guten Tagen in den vergangenen Monaten. „Das, was heute passiert ist, ist absolut nicht akzeptabel“, sagte Präsident Hoeneß.

"Ich habe gedacht, die Welt geht unter"

Der Besuch in der Kabine war am Samstag deshalb reine Chefsache. Und der dauerte länger als sonst, viel länger. Erst als der letzte Münchner Spieler verschwunden war, tauchte Hoeneß wieder auf. Vorstandschef Rummenigge wählte einen anderen Weg aus dem Stadion und überließ dem Präsidenten die Öffentlichkeitsarbeit. Der verzichtete an diesem für die Zukunft des Vereins womöglich nicht ganz unbedeutenden Tag auf Polemik und Häme, sondern blieb sachlich.

Womöglich auch, weil er sich von dem Schock noch nicht erholt hatte. Zweimal führten die Bayern mit zwei Toren Vorsprung, und doch reichten die Treffer von Niklas Süle und zweimal Thomas Müller nicht, um das erste Bundesliga-Heimspiel seit Mitte September zu gewinnen. Als Fortunas Dodi Lukebakio in der Nachspielzeit seinen dritten Treffer und damit den Ausgleich erzielte, war Hoeneß „völlig down“, wie er erzählte. „Ich habe gedacht, die Welt geht unter.“

Für den FC Bayern sind neun Punkte Rückstand auf den Tabellenführer und eine Platzierung jenseits der Champions-League-Ränge so etwas wie ein Untergangsszenario, zumal die Beteiligten erkennen müssen, dass eine Ära vorbei ist. Sogar Hoeneß, der noch vor ein paar Wochen die Tabelle entgegen aller Mathematik-Regeln schöngerechnet hatte: „Tatsache ist, dass wir natürlich eine schwierige Ausgangsposition für den Rest der Saison sehen.“ Man müsse sich, sagte er, Gedanken machen, „wie wir aus dieser Situation das Beste machen“.

Kovac bekommt eine Gnadenfrist bis Dienstag

Das klingt nicht gut für Trainer Niko Kovac, dessen Entlassung laut Präsident „im Moment überhaupt kein Thema“ sei. Dass die Betonung auf den ersten beiden Wörtern liegt, zeigte Hoeneß' Wiederholung des Satzes: „Im Moment ist es kein Thema.“ Zum einen womöglich, weil die Verantwortlichen damit einräumen müssten, mit ihrer Einschätzung falsch gelegen zu haben, ein durchaus talentierter, aber noch junger Trainer, könne sich im Münchner Starensemble behaupten. Zudem fehlt die Alternative – und Jupp Heynckes wird ganz sicher nicht mehr einspringen.

Zum anderen spielen die Bayern Dienstag bereits wieder in der Champions League, und weil sich die Mannschaft gegen Benfica Lissabon sogar eine knappe Niederlage erlauben kann, um trotzdem ins Achtelfinale einzuziehen, wäre eine Hauruck-Entlassung wohl mit mehr Risiko verbunden als Kovac noch ein Spiel auf der Bank zu lassen. Hoeneß gab dem Coach deshalb eine Drei-Tages-Jobgarantie. Gegen die Portugiesen „wird unser Trainer sicherlich Niko Kovac sein“. Aber die Zeit bis dahin werde man nutzen, „um herauszufinden, was da los ist, dass wir so einen schlechten Fußball spielen, einen uninspirierten und vor allem einen Fußball ohne Selbstvertrauen“, verkündete Hoeneß.

Längst hat sich herumgesprochen, dass der Trainer wohl kein sehr großes Vertrauen mehr in der Mannschaft genießt. Aber die Probleme, die die Münchner seit Ende September mitschleppen, sind nicht allein am Trainer festzumachen, wie Hoeneß findet. Er sah von den Spielern „dilettantische Fehler“, die er aus Slapstick-Filmen kenne, zum Beispiel das erste Gegentor, bei dem vor allem Jerome Boateng das vom Präsidenten zitierte Genre bediente.

„Es war hanebüchen, was da passiert ist.“ Die Patzer der Mannschaft sind das Resultat einer Verunsicherung, für die Kovac vielleicht nicht alleine verantwortlich ist. Aber er weiß offenbar auch nicht, wie er sie beheben könnte. Das Experiment Kovac wird wohl noch in dieser Woche beendet.

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