Bilanz der Spiele in Pyeongchang : Legt Olympia und Paralympics zusammen!

Um mehr von der verdienten Aufmerksamkeit zu bekommen, gibt es für die Paralympics eine Lösung. Ein Kommentar.

Ann-Katrin Hipp
Spektakulärer Spitzensport. Aber was Athleten wie Norwegens Jesper Pedersen leisten, könnte der Öffentlichkeit noch viel mehr gezeigt werden.
Spektakulärer Spitzensport. Aber was Athleten wie Norwegens Jesper Pedersen leisten, könnte der Öffentlichkeit noch viel mehr...Foto: Simon Bruty/AFP PHOTO/OIS/IOC

Der paralympische Sport kann nicht nur Leben verändern, sondern auch die Welt. Das hatte der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees, Andrew Parsons, bei der Eröffnungsfeier der Spiele in Pyeongchang gesagt. Die Messlatte lag damit hoch, der Blick richtete sich neben dem Sport auf Gesellschaft und Politik: Als Friedensspiele sollten die Paralympics Nord- und Südkorea einander näher bringen. Als Botschafter der Inklusion, wie in den anderen Jahren zuvor, die Gesellschaft im Gastgeberland öffnen.

Der kleine Bruder der Olympischen Spiele wird dahin geschleppt, wo der große seinen sportlichen Glanzauftritt hat. Und da soll er dann eben wirken. Diesmal in einem Land, in dem der „National Human Rights Commission of Korea“ zufolge mehr als die Hälfte aller Diskriminierungsbeschwerden explizit Menschen mit Behinderung betreffen.

Wandel durchs Dabeisein

Natürlich ist der gesellschaftliche Wert der Paralympics nicht kleinzureden. Mehr als 330.000 Tickets wurden in Südkorea für die Wettkämpfe verkauft – Paralympics-Rekord. Die Organisatoren hatten sich entschieden, die Preise zu senken, um das Publikum in die Stadien zu locken. Mit Erfolg. Schulklassen, Familien, Senioren, Menschen mit und ohne Behinderung: Alle waren zusammen, alle waren eins und die Spiele ein großen Fest. Neben Maskottchen Bandabi im Mittelpunkt: Die Athleten, die sich in der Wahrnehmung vieler zu sportlichen Helden wandelten. Im Zuge der Londoner Spiele haben Studien zufolge zwei Drittel ihre Haltung gegenüber Menschen mit Behinderung verändert. Auch wer in Pyeongchang dabei war, wurde bewegt, wird die inklusive Botschaft womöglich im Herzen und in die Welt tragen. Wandel durchs Dabeisein. Parsons Worte werden so Wirklichkeit.

Gleichzeitig bleiben die Paralympics das Event nach den „eigentlichen Spielen“, werden das Image einer zweitklassigen Sportveranstaltung mit Melde- und Chronistenpflicht nicht los. Während Olympia rund um die Uhr im koreanischen Fernsehen übertragen wurde, zeigten die Sender nur kleine Highlights der Paralympics. International ergab sich ein ähnliches Bild. Wer nicht grade in Pyeongchang dabei war, hat wenig mitbekommen.

Weit weg von medialer Gleichberechtigung

Was es braucht, ist eine sportliche Aufwertung der Spiele. Die mediale Gleichberechtigung, die Wahrnehmung der Athleten als Leistungssportler. Der Behindertensport hat sich längst professionalisiert. Es geht nicht mehr nur um Teilhabe, sondern um Wettkämpfe und Erfolge, um Bronze, Silber und Gold.

Damit das noch mehr anerkannt und gewürdigt wird, steht immer wieder die Überlegung im Raum, die Olympischen und Paralympischen Spiele zusammenzulegen, die Wettkämpfe von Nichtbehinderten und Behinderten parallel stattfinden zu lassen. In derselben Arena, vor demselben Publikum. Auch wenn es auf den ersten Blick wie ein organisatorischer Alptraum erscheint, so wäre es doch ein starkes Zeichen sportlicher Anerkennung. Ja, die Athleten sind Botschafter der Inklusion – aber vor allem sind sie Spitzensportler.

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