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Die BR Volleys sind wieder Deutscher Meister.
© IMAGO/Matthias Koch

Historischer Erfolg: BR Volleys küren sich nach dramatischer Aufholjagd wieder zum Meister

Die Berliner sind das erste deutsche Volleyballteam, das sich nach einem 0:2-Serienrückstand im Finale noch den Titel holt.

Von Inga Hofmann

Timothée Carle nahm Anlauf, sprang so hoch er konnte und hämmerte den Ball mitten in den gegnerischen Block, sodass er abprallte und ins Aus flog. Als er realisierte, dass er soeben den Matchball verwandelt und seinem Team den Sieg gebracht hatte, stürmten auch schon seine Teamkollegen aufs Spielfeld und fielen sich in die Arme. Gemeinsam feierten sie den zwölften Sieg der Deutsche Meisterschaft. Im fünften Finalspiel hatten sie sich schließlich mit 3:1 (25:20; 19:25; 25:23; 25:22) gegen den VfB Friedrichshafen durchgesetzt.

Dabei sah es anfangs der Serie gar nicht so aus, als würden sie erneut Meister werden: In den ersten beiden Duellen hatten sie große Schwierigkeiten sich zu behaupten und kassierten gleich zwei Niederlagen in Folge. Am Ende gelang den BR Volleys aber doch noch eine kleine Sensation: Zum ersten Mal in der Geschichte des Deutschen Volleyballs drehten sie einen 0:2-Rückstand in einer Finalserie und krönten sich zum Meister

„Geh’ nicht vorsichtig in diese gute Nacht“, hatte Nehemiah Mote bereits vor dem Spiel auf Instagram gefordert und dazu ein Foto von sich gepostet, wie er von Feuerwerk begleitet in die Halle läuft und dabei herausfordernd zur Decke blickt. Dies war auch die Energie, die die Volleys in ihr letztes Spiel in dieser Saison nahmen: Von Beginn an wirkten sie kämpferisch, bejubelten jeden Punkt und feuerten sich gegenseitig an. Unterstützt wurden sie dabei von 8553 Zuschauenden – einem neuen Saisonrekord -, die Lärm mit Klatschpappen und Pauken machten. Sogar die Oberränge, die die Volleys zum zweiten Mal öffneten, waren proppenvoll.

Den Volleys war der Druck, unter dem sie standen, von Beginn an deutlich anzumerken. Einige Aufschläge gingen daneben und Diagonalangreifer Benjamin Patch hatte Probleme, gegen den Block der Häfler durchzukommen. Dann fanden die Berliner besser ins Spiel, vor allem Carle hämmerte einen Ball nach dem nächsten ins gegnerische Feld.

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Marek Sotola macht den Unterschied

Aber die Häfler machten es ihnen nicht leicht und setzten sich im zweiten Satz früh ab. Besonders im Block hatten die Volleys Schwierigkeiten, was auch damit zusammenhing, dass Mittelblocker Jeffrey Jendryk sich zu Beginn der Finalserie verletzt hatte und Georg Klein einspringen musste, der seine Karriere eigentlich schon an den Nagel gehängt hatte.

Dass die Volleys den dritten Satz gewannen, war vor allem einem entscheidenden Akteur zu verdanken: Marek Sotola, der für Patch kam und in jeder Hinsicht überzeugte. Er verstärkte den Block, kam mit seinen Angriffen bestens durch und zeigte eine spektakuläre Rettungsaktion nach der anderen. In diesem Satz kochten auch die Emotionen zunehmend hoch und es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen, denn beide Teams wussten: Wer diesen Satz holt, hat das Momentum auf seiner Seite. So war es eine kleine Vorentscheidung für die Berliner, als Carle schließlich den Satzball verwandelte.

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Im letzten Satz war die Stimmung dann endgültig auf ihrer Seite und nachdem Carle den Matchball verwandelt hatte, war auch Geschäftsführer Kaweh Niroomand die Freude deutlich anzusehen: Er reckte die Fäuste in die Luft und stimmte in den Fangesang ein. „Vom Niveau war das die beste Finalserie der letzten Jahre“, sagte er. Dass es den Volleys am Ende noch gelang, die Serie zu drehen, führt er maßgeblich auf die starke Bank und die vielen Wechselmöglichkeiten zurück. Besonders freute er sich über die vielen Zuschauende. „Das ist unglaublich. An solchen Abenden sieht man, was für einen tollen Sport wir haben. In anderen Städten wird das häufig immer noch zu wenig honoriert.“

Auch Sotola wirkte zutiefst beeindruckend von der Stimmung. „Ich habe keine Worte dafür. Ich habe noch nie vor 8000 Menschen Volleyball gespielt. Es ist großartig und etwas ganz Besonderes. Ich bin einfach unfassbar glücklich, dass wir doch noch gewonnen haben, obwohl wir 0:2 zurücklagen.“

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