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Brillante Leistungen beim Afrika-Cup: Weit weg von Liverpool ist Mo Salah bester Dinge
Nach einer unerfreulichen Zeit bei seinem Klub lächelt der Superstar des ägyptischen Teams derzeit fast durchgängig. Verwirklicht er sich endlich seinen großen Traum?
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Wer in diesen Tagen eine Kamera auf Mo Salah richtet, fängt oft ein großes Lächeln ein. Der 33 Jahre alte Ägypter grinst gerade so ziemlich überall: beim Instagram-Selfie in der Kabine, beim Fernsehinterview, und natürlich auch auf dem Platz, wenn er schon wieder ein spätes, entscheidendes Tor beim Afrika-Cup erzielt hat.
Er lächelt, anders gesagt, erstaunlich viel. Zumindest für jemanden, der gerade einen der größten Shitstorms seines Fußballerlebens hinter sich gebracht hat und nun vor den vielleicht wichtigsten Spielen seiner Karriere steht.
Für Salah steht bei diesem Afrika-Cup viel auf dem Spiel. Im Viertelfinale gegen die Elfenbeinküste am Sonnabend (20 Uhr live bei Dazn) geht es einerseits um die Träume einer ganzen Nation, andererseits um ihn selbst. Und um das letzte große Ziel einer großen Sportlerkarriere und den einzig noch fehlenden Lorbeer in der Krone des „Ägyptischen Königs“.
Es ist kurios: Ägypten ist mit sieben Titeln Rekordsieger des Afrika-Cups und hatte vor allem in den späten 2000er Jahren eine Dauerkarte für das Siegerpodium. Salah wurde 2011 zum Nationalspieler und ist nun neben dem legendären Mohammed El Khatib der wohl größte Spieler der ägyptischen Fußballgeschichte. Da scheint es nur logisch, dass er sein Land eines Tages auch selbst zum Titel führt.
Doch es kam bisher nicht so. In den vergangenen 15 Jahren hat Salah die Champions League gewonnen, ist zweimal englischer Meister geworden und wurde zweimal Afrikas Fußballer. Den Afrika-Cup konnte er in vier Versuchen aber nie gewinnen.
Zweimal verlor er mit Ägypten im Finale, das zweite Mal im Elfmeterschießen gegen Senegal und seinen Liverpooler Sturmkollegen Sadio Mané. 2019 kam das Aus beim Heimturnier früh, mit einer Niederlage im Achtelfinale gegen Südafrika.
Beim Afrika Cup im Jahr 2024 verletzte sich Mo Salah
Beim Anlauf 2024 verletzte sich Salah im zweiten Spiel, für sein Team war im Viertelfinale Schluss. Nun ist er zum fünften Mal dabei. Und auch, wenn es wohl noch nicht die letzte Chance ist, wird der Druck langsam immer größer.
Dabei fiel dieses Turnier für Salah auf einen ungünstigen Zeitpunkt. Anfang Dezember, nur wenige Wochen vor der Abreise nach Marokko, hatte der Stürmer mit einem brisanten Interview bei seinem Verein FC Liverpool für Ärger gesorgt. Es drohte plötzlich ein unwürdiges Ende seiner langen Zeit bei den Reds und eine Menge Nebengeräusche für ihn und seine Kollegen beim Afrika-Cup.
Wir kämpfen für unser Land und alle geben ihr Bestes, wie man heute gesehen hat.
Mo Salah nach dem Sieg gegen Benin
Aber anstatt davon abgelenkt zu sein, wirkt Salah in Marokko wie befreit, und schleppt eine unperfekte ägyptische Mannschaft fast im Alleingang durch das Turnier. Im ersten Spiel traf er zum erlösenden 2:1 in der Nachspielzeit gegen Simbabwe.
Ein paar Tage später schoss er den entscheidenden Elfmeter beim 1:0 gegen Südafrika und am Montag machte er im Achtelfinale gegen Benin mit dem späten 3:1 in der Verlängerung den Deckel auf einen erneuten Arbeitssieg.
Die Chancen seiner Mannschaft spielt er jedoch weiterhin runter. Salah hat in der Hinsicht zu viele schlechte Erfahrungen gemacht, um vorzeitig vom Titel zu sprechen. Nach dem Sieg gegen Benin beanspruchte er für sich und sein Team sogar ausdrücklich die Außenseiterrolle. „Ich glaube überhaupt nicht, dass wir Mitfavoriten um den Titel sind“, sagte er. „Wir haben junge Spieler, von denen die meisten in Ägypten spielen. Aber wir kämpfen für unser Land und alle geben ihr Bestes, wie man heute gesehen hat.“
Ob das gezielte Untertreibung oder doch eher kalter Realismus ist, wird sich zeigen. Mit dem Titelverteidiger Elfenbeinküste wartet auf jeden Fall die größte Herausforderung bisher. Und womöglich wird das Lächeln am Samstagabend schon wieder weg sein. Gleichzeitig gilt: Mit einem glücklichen Mo Salah ist immer alles möglich.
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