Brutaler Check im Eishockey : Steven Pinizzotto und die unnötige Eskalation

Ein überharter Check des Münchners Steven Pinizzotto regt Eishockey-Deutschland auf. Dabei hätte es gar nicht so weit kommen müssen. Ein Kommentar.

Steven Pinizzotto von Red Bull München.
Steven Pinizzotto von Red Bull München.Foto: dpa

Die Szene erregt derzeit ganz Eishockey-Deutschland. Steven Pinizzotto, ligaweit gefürchteter Eishockeyrüpel von Meister EHC München, hat mal wieder zugeschlagen und den Mannheimer Nationalspieler Matthias Plachta mit einem brutalen Ellbogencheck gegen den Kopf übel zugerichtet. Noch schlimmer als der Foul war anschließend das Verhalten von Pinizzotto, der so tat als wäre nichts geschehen und gleich noch eine Schlägerei anzetteln wollte.

Im Eishockey werden Gesellen wie Steven Pinizzotto Enforcer genannt, zu deutsch: Vollstrecker. Sie sind vor allem dafür da, gegnerische Topspieler aus dem Verkehr zu ziehen – notfalls mit unerlaubten Mitteln. Inzwischen gibt es von dieser Sorte Profis nicht mehr so viele auf dem Eis, es wird mehr Wert auf Technik, Taktik und Spielverständnis gelegt. Aber einige Exemplare aus der Gruppe der Enforcer haben überlebt.

Nun stellen sich viele Zuschauer die Frage, wie soll die Deutsche Eishockey- Liga (DEL) mit dem Check von Pinizzotto umgehen? Der Ruf nach einer langen Sperre ist nicht nur aus Mannheim deutlich vernehmbar. Die ganze Aufregung würde allerdings deutlich weniger laut ausfallen, wenn die Schiedsrichter am Donnerstag in München das Regelwerk konsequent befolgt und den Übeltäter vom Eis gestellt hätten.

Der Videobeweis ist nicht zu Ende gedacht

Doch die Unparteiischen hatten die Szene nicht richtig gesehen, anders ist nicht zu verstehen, warum Pinizzotto wegen der eigentlichen Aktion gar nicht bestraft wurde. Erst nachdem der anschließend noch fröhlich weiter provozierte, wanderte er auf die Strafbank.

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Szenen wie diese machen deutlich, dass der Einsatz von technischen Hilfsmitteln im Eishockey vielleicht noch nicht zu Ende gedacht ist. Den Videobeweis gibt es bisher nur, um zu überprüfen, ob ein Tor korrekt erzielt wurde. Dafür leistet sich die DEL in den Play-offs einen Serienmanager. Warum kann der nicht auch einschreiten, wenn offensichtliche Fehler begangen wurden? Zeitlupen vom Foul Pinizzottos gab es unmittelbar nach dessen Check. Ein Eingreifen von außen hätte eine weitere Eskalation verhindern können – und vielleicht auch dafür gesorgt, dass Vollstrecker im Eishockey endgültig aussterben.

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