Bundesliga-Saisonvorschau (11) : Ängste statt Euphorie bei Eintracht Frankfurt

Pokalsieger Eintracht Frankfurt musste nicht nur Erfolgstrainer Niko Kovac abgeben. Die Vorbereitung verlief rumpelig, die Fans befürchten Schlimmes.

Tobias Finger
Justierungsbedarf bei Eintracht Frankfurt: Unter der Ägide von Adi Hütter läuft noch längst nicht alles rund.
Justierungsbedarf bei Eintracht Frankfurt: Unter der Ägide von Adi Hütter läuft noch längst nicht alles rund.Thomas Frey/dpa

Am 24. August startet die Fußball-Bundesliga in die neue Saison. In unserer Serie testen wir die Vereine. Heute Teil 11: Eintracht Frankfurt.

Was hat sich verbessert?

Wenig bis gar nichts. Nach dem Pokalsieg und der damit verbundenen Qualifikation für die Europa League stand die Eintracht einmal mehr vor einem Neuanfang. Als gelungen kann der bislang nicht bezeichnet werden. Frankfurt hat in Mascarell, Wolf, Boateng und Hradecky vier Führungsspieler der letzten Saison verloren. Und Trainer Niko Kovac ist auch weg. Die Neuzugänge, inklusive des neuen Coaches Adi Hütter und seiner offensiven Spielweise, konnten in der Vorbereitung nicht überzeugen (drei Niederlagen in sechs Spielen). Im Supercup gegen den FC Bayern mit Ex-Trainer Kovac (0:5) wurden die Probleme der Frankfurter besonders deutlich: keine Abstimmung auf dem Platz, keine defensive Stabilität, kein Tempo im Mittelfeld, kein funktionierendes System. Aber nach der letzten Saison konnte es eigentlich auch nur schlechter werden.

Wer sind die Neuen?

Viele, die dem Team noch nicht weiterhelfen können. Auch das zeigte sich im Supercup. Lucas Torró im defensiven Mittelfeld, der von Real Madrid kam, und Frederik Rönnow, vorher Bröndby IF, im Tor waren die einzigen beiden Neuzugänge im Kader. Und sie konnten nicht überzeugen. Torró lief häufig nur hinterher und konnte im Spielaufbau keine Akzente setzen. Rönnow verursachte quasi das 0:2, sah beim 0:4 nicht gut aus und war seinen Vorderleuten auch sonst kein sicherer Rückhalt. Daneben holte die Eintracht Stürmer Goncalo Paciencia, Zehner Chico Geraldes, Innenverteidiger Evan N’Dicka, Ersatztorwart Felix Wiedwald und Ex-HSV-Spieler Nicolai Müller. Hütter sagt: „Die neuen Spieler müssen sich noch an das Tempo und das Spiel gewöhnen. Sie sind noch nicht soweit.“ Dass es ein Problem gibt, wenn unangefochtenes Stammpersonal abgegeben und dafür Perspektivspieler geholt werden, hätte bei der Eintracht allerdings vorher klar sein müssen. Nachdem Hütter auch noch einige Spieler in so etwas wie die berüchtigte Hoffenheimer „Trainingsgruppe zwei“ versetzt hat, schreit der Kader förmlich nach weiteren Neuzugängen.

Wer hat das Sagen?

Adi Hütter heißt der neue starke Mann auf der Trainerbank. Der Österreicher war vor seinem Wechsel hierzulande nur den Wenigsten bekannt. In Bern hingegen ist er ein Held, die Fans des BSC Young Boys nennen ihn „Trainergott“ seit er den Klub letztes Jahr zur ersten Meisterschaft seit 32 Jahren führte. Hütter steht für unbedingten Offensivfußball und geschlossenes Angriffspressing. Eigentlich genau das Richtige für die Eintracht, die sich nach der letzten Saison auch spielerisch weiterentwickeln wollte. Blöd nur, dass es bislang nicht funktioniert. Das liegt aber nicht unbedingt an Hütter. Viel mehr fehlen die richtigen Spieler. Auf den Außenbahnen, die für das Spiel mit Flügelfokus so wichtig sind, kommt Ante Rebic und dann ganz lange nichts. In der Mittelfeldzentrale fehlen schnelle und laufstarke Spieler für die Umschaltmomente und die defensive Absicherung – ungefährlich ist Hütters Angriffsfokus nämlich auch nicht. Wer die Ansagen auf dem Platz macht, ist ebenfalls nicht klar. Nach dem Abgang von Boateng fehlt einer, der das Pressing koordiniert und an dem sich die jungen Spieler aufrichten können. Hinzu kommt, dass der Vertrag von Alex Meier nicht verlängert wurde und die Verantwortlichen Mannschaft und Fans damit ihrer absoluten Identifikationsfigur beraubten.

Was erwarten die Fans?

Klar, der Pokalsieg bleibt unvergesslich, doch die zunehmende Sorge über die tatsächliche Stärke des Teams bedroht die Euphorie. Viele Fans sehen die Dreifachbelastung aus Liga, Pokal und Europa League mit dem aktuellen Kader als Gefahr. Der Blick geht also eher nach unten. Das höchste der Gefühle wäre für die meisten eine sorgenfreie Saison mit schönen Auswärtsfahrten in Europa. Positiv stimmt viele nur noch der überraschende Verbleib von Vizeweltmeister Ante Rebic.

Was ist in dieser Saison möglich?

Möglich? Gesichertes Mittelfeld in der Liga und das Überstehen der Gruppenphase im Europapokal. Je weiter der Lauf in der Europa League geht, desto schwerer wird es aber potentiell auch in der Liga. Realistisch? Untere Tabellenhälfte und Aus in der Gruppenphase – Stand jetzt. Denn noch sind ein paar Tage Zeit bis zum Ligastart. Und eine Saison wie die von Köln in der vorigen Saison – überraschend in den Europapokal gekommen, Dreifachbelastung und Umbruch nicht verkraftet, abgestiegen – will wirklich keiner sehen.

Und sonst?

Das Transferfenster ist noch zwei Wochen geöffnet, es kann sich also noch etwas tun. Und es muss sich noch etwas tun. Wenn die Verantwortlichen den Supercup analysieren, werden auch sie nicht um die Erkenntnis herumkommen, dass es mit diesem Kader in Bundesliga und Europa schwer wird. Keine weiteren Verstärkungen zu holen, wäre schlichtweg fahrlässig.

Bisher erschienen: 1. FC NürnbergFortuna Düsseldorf, VfL Wolfsburg, SC Freiburg, FSV Mainz 05, Hannover 96, FC Augsburg, Werder Bremen. Hertha BSC, Borussia Mönchengladbach. Nächste Folge: VfB Stuttgart.

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