• Bundestrainer vor dem DFB: Joachim Löw – lange nur durchschnittlich erfolgreich

Bundestrainer vor dem DFB : Joachim Löw – lange nur durchschnittlich erfolgreich

Eher zufällig wurde der heutige Bundestrainer 2004 Assistent von Jürgen Klinsmann beim DFB. Nach guten Jahren in Stuttgart tingelte Joachim Löw eher glücklos von Verein zu Verein.

Glücklos: Joachim Löw Ende der 90er als Trainer von Fenerbahce Istanbul im Trainingslager im Schwarzwald.
Glücklos: Joachim Löw Ende der 90er als Trainer von Fenerbahce Istanbul im Trainingslager im Schwarzwald.Foto: Imago/Heuberger

Der 23. Juni 2004 ist ein wegweisender Tag für den deutschen Fußball. Die Nationalmannschaft verliert bei der Europameisterschaft in Portugal sang- und klanglos 1:2 gegen Tschechien. Es ist für 14 Jahre das letzte Mal, dass die DFB-Elf in der Vorrunde eines großen Turniers scheitert – und das letzte Länderspiel ohne Joachim Löw auf der Bank, erst als Assistent von Jürgen Klinsmann, seit 2006 als Chef. Die Serie ohne Vorrundenaus ist bekanntlich gerissen, ein Länderspiel ohne Löw wird es aber auf absehbare Zeit weiter nicht geben. Das Wort Bundestrainer ist schon fast so fest mit Löw verschmolzen wie sein Spitzname Jogi.

Für den 58 Jahre alten Schwarzwälder ist der Job beim DFB, zu dem er 2004 eher zufällig kam, das beste, was ihm passieren konnte. Wie in seiner Spielerkarriere war er als Trainer lange nur durchschnittlich erfolgreich. Dabei begann seine Laufbahn an der Seitenlinie durchaus vielversprechend. Nach einer kurzen Zeit als Spielertrainer in der dritten Schweizer Liga wurde Löw 1995 Assistent und ein Jahr später Cheftrainer beim VfB Stuttgart. Das magische Dreieck aus Krassimir Balakow, Giovane Elber und Fredi Bobic zauberte die Schwaben zum DFB-Pokalsieg. Ein Jahr später führte Löw den VfB dann sogar bis ins Europapokalfinale. Den Stuttgartern war das nicht genug, der Trainer musste 1998 gehen – nach zwei Jahren, länger arbeitete er bei keinem Verein.

Sowohl für den VfB als auch für Löw ging es nach der Trennung erst mal bergab. Zwar fand Löw sofort einen neuen Job – und mit Fenerbahce Istanbul sogar einen sehr renommierten –, sportlich glücklich wurde er in der türkischen Metropole aber nicht. Im Uefa-Cup scheiterte sein Team in der ersten Runde am späteren Titelträger aus Parma, und nach Platz drei in der Meisterschaft endete sein Engagement am Bosporus schon nach einer Saison.

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Löw bleibt: "Eine riskante Entscheidung"
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Baden-Württemberg, Türkei, Baden-Württemberg, Türkei. So ging es weiter. Beim Karlsruher SC, bei dem er auch als Spieler kurz aktiv gewesen war, sprang Löw im Oktober 1999 in der Zweiten Liga ein und hinterließ nur schlechte Erinnerungen. Nach nur 18 Spielen wurde er im April schon wieder entlassen, der KSC stieg in die Regionalliga ab. Ähnlich lief es bei Adanaspor: Zwar trat Löw dieses Mal nach wenigen Monaten aus freien Stücken zurück, doch auch für den südtürkischen Klub endete die Saison mit dem Abstieg.

Obwohl Löw mittlerweile den Fußballlehrer gemacht hatte – in einem Lehrgang mit Jürgen Klinsmann, welch’ glückliche Fügung – war er auf dem deutschen Markt kaum noch vermittelbar. So zog es ihn nach Österreich, erst zum FC Tirol Innsbruck und nach dessen Insolvenz zu Austria Wien. Dort wurde Löw im Frühjahr 2004 entlassen. Dann kam der 23. Juni und Deutschland scheiterte bei der Europameisterschaft schon in der Vorrunde. Rudi Völler trat zurück, Jürgen Klinsmann rief an – der Rest ist Geschichte.

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