Bundesverdienstkreuz für Hajo Seppelt : Rückhalt ist wichtiger als Boykott

Für seine Recherchen zu Dopingskandalen wurde Journalist Hajo Seppelt von Bundespräsident Steinmeier ausgezeichnet. Eine wichtige Geste kurz vor der WM in Russland. Ein Kommentar.

Markus Lücker
Tropfen statt klotzen.
Tropfen statt klotzen.Foto: DPA/Karl-Josef Hildenbrand

Wahrscheinlich wird es mal in irgendeiner Schublade landen, vielleicht im Keller, vielleicht in einer Kiste auf dem Dachboden. Aber eine Woche vor Beginn der Fußball-WM ist das Bundesverdienstkreuz an Sportjournalist Hajo Seppelt ein Politikum.

Seppelt hat mit seinen Recherchen maßgeblich dazu beigetragen, ein staatlich unterstütztes Dopingsystem in Russland aufzudecken. Wenn ihn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nun für ebendiese Leistungen auszeichnet, lässt das zumindest hoffen.

Nicht auf große politische Gesten, auf leere Ehrenplätze für Kanzlerin und Minister bei den Spielen der deutschen Nationalmannschaft. Selbst wenn sich Merkel die Option offenhalten sollte, bereits vor einem noch weit entfernten Finalspiel abzureisen, langfristig bewegen wird das niemanden.

Der frühere Bundespräsident Gauck weigerte sich 2014, zu den Olympischen Winterspielen in Sotschi anzureisen. Der Durchschnitts-Sportfan erinnert sich daran jedoch nicht und auch über den Sport hinaus interessiert diese Aktion heute keinen mehr. Boykotts durch Politiker können zwar wertvoll sein und Debatten anstoßen, die Hauptarbeit und die persönliche Gefahr liegen jedoch bei anderen. Bei Menschen aus der Zivilbevölkerung: Aktivisten, Journalisten, Juristen, Wissenschaftler.

Engagement auch nach der WM

Wichtiger als politische Gesten ist der anhaltende Rückhalt für Akteure, deren Engagement gegen Korruption, Doping und Unrecht nicht nach einzelnen Großevents wieder aufhört. Jene, für die die Arbeit auch nach der WM noch weitergehen wird.

Das gilt sowohl für Seppelt, als auch für den Biochemiker und Dopingexperten Wilhelm Schänzer, die für Transparency International arbeitende Juristin Sylvia Schenk und den Präsidenten des Tischtennis-Weltverbandes Thomas Weikert. Alle wurden sie am Donnerstag ausgezeichnet.

Transparenz, Ethos und ein Klima der Offenheit seien die besten Mittel, um die Werte des Sports zu schützen, sagte Steinmeier bei der Verleihung. Als Politiker hilft es aber auch, den Menschen wie Seppelt mal ermutigend auf den Rücken zu klopfen und zu sagen: "Gut gemacht, weiter so."

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