„Chaotisches Umfeld“ : Der Kampf bei Tennis Borussia ist zu Ende – fürs Erste

Es geht auch ruhig bei TeBe. Bei der Mitgliederversammlung läuft am Dienstag alles in normalen Bahnen. Doch auch von „eklatanten Versäumnissen“ ist die Rede.

Ein bisschen Chaos. Brombosch muss bei TeBe Ordnung schaffen.
Ein bisschen Chaos. Brombosch muss bei TeBe Ordnung schaffen.Foto: Gregor Fischer/dpa

Die Mitgliederversammlung bei Tennis Borussia hat gerade erst begonnen, da fängt es bereits deutlich vernehmbar an zu knistern. Das liegt daran, dass Mitglieder die Stimmzettel und -karten hervorholen, die in knisternden Butterbrottüten stecken. Sonst geht es an diesem Abend in einem Jugendclub in Charlottenburg, nach allem, was in den vergangenen Monaten passiert ist, erstaunlich ruhig zu. Ein einziger Änderungsantrag ist vorab eingegangen. In die Tagesordnung solle zusätzlich aufgenommen werden, dass während der Versammlung die Vereinshymne gespielt werde. Der Antrag wird mit großer Mehrheit angenommen.

„Wir hoffen auf einen fairen Verlauf“, sagt Günter Brombosch, seit Ende Juli Vorsitzender des Berliner Fußball-Oberligisten, zu den 142 anwesenden Mitgliedern. „Wir sollten uns mit Respekt begegnen.“ In der Tat verläuft der Abend ganz anders als die Mitgliederversammlung im Januar, als der damalige Vorstand um Jens Redlich die vereinsinterne Opposition ausschaltete. Zwischenzeitlich ging es so hitzig zu, dass sogar die Polizei gerufen werden musste.

In der Aussprache am Dienstag gibt es nur zwei Wortmeldungen. Das erste Mitglied spricht Redlich und seinen Mitstreitern ein ausdrückliches Lob aus. Er tut dies ohne erkennbare Reaktion des Auditoriums, das der alten Führung zu großen Teilen eher kritisch gegenüber eingestellt ist.

Der Kampf ist fürs Erste zu Ende – spätestens nachdem Redlich am Montag erklärt hat, er strebe nicht in sein altes Amt zurück. Der frühere Vorstandsvorsitzende, immerhin noch Hauptsponsor des Vereins, fehlt am Dienstag ebenso wie der ehemalige Geschäftsführer Andreas Voigt. Jörg Zimmermann, letztes verbliebenes Mitglied des alten Vorstands, hatte tags zuvor mitgeteilt, dass er nicht an der Mitgliederversammlung teilnehmen werde. Und auch der Ältestenrat, der sich in der Vergangenheit deutlich auf Redlichs Seite geschlagen hatte, boykottiert die Veranstaltung. Es gibt sogar Gerüchte, dass die abgesetzte Führung im Hintergrund an einer Wiederherstellung der alten Zustände arbeitet.

Immerhin bleibt ihr am Dienstag ein wenig schmeichelhafter Bericht der Aufsichtsratsvorsitzenden Franziska Hoffmann erspart. Ihre Ausführungen konterkarieren das Bild, dass der frühere Vorstand ein Garant für Professionalität gewesen sei. Hoffmann wirft Redlich und seinen Mitstreitern „eklatante Versäumnisse“ vor. Nach dem Machtwechsel Ende Juli habe man auf der Geschäftsstelle mehrere richterliche Mahnbescheide vorgefunden und Verträge mit zum Teil widersprüchlichen Inhalten; Kassenbücher hätten gefehlt, und ein Abschluss für das Geschäftsjahr 2017/18 liegt laut der neuen Führung bisher auch nicht vor.

Redlich und seine Unterstützer fehlen bei der Versammlung

Günter Brombosch bestätigt, dass man „in ein chaotisches Umfeld“ hineingeraten sei. Der ersten Mannschaft habe sogar der Ausschluss aus der Oberliga gedroht, weil der Klub Verbandsabgaben nicht gezahlt habe; zudem müsse TeBe einen sechsstelligen Betrag an die Berufsgenossenschaft nachzahlen. Noch immer, so Franziska Hoffmann, habe man sich keinen kompletten Überblick verschaffen können. Aber, so sagt es ihr Aufsichtsratskollege Christian Gaebler: „Es besteht keine akute Gefahr mehr.“

Hoffmann und Gaebler waren die treibenden Kräfte hinter dem Machtwechsel. Beide werden fast einstimmig entlastet, beide werden anschließend erneut in den Aufsichtsrat gewählt. Gaebler erhält die meisten Stimmen, Hoffmann die zweitmeisten.

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