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Leserdebatte: Darf Hertha noch hoffen?

Hier nennen wir fünf Gründe, warum für Hertha noch Hoffnung auf den Klassenerhalt besteht - und bitten Sie, liebe Leser, um Ihre Meinung: Bleibt Berlin erstklassig oder ist Hertha nicht mehr zu retten? Diskutieren Sie mit!

Hertha BSC erlebt in dieser Phase der Saison die ganze Wucht des Abstiegskampfes. Dem Sieg in Mainz folgte eine Woche später die Niederlage gegen Wolfsburg. Solche Schwankungen sind schwer zu ertragen – allerdings auch alles andere als ungewöhnlich. Wer so weit unten in der Tabelle der Fußball-Bundesliga steht, kann nicht erwarten, dass er seine Spiele in Serie gewinnt. „Die Situation ist natürlich ernst“, sagt Manager Michael Preetz, „aber sie ist nicht aussichtslos.“ Wir nennen fünf Gründe, warum Hertha noch auf den Klassenerhalt hoffen darf.

Das Restprogramm: Der FC Augsburg ist gerade so etwas wie die Mannschaft der Stunde in der Bundesliga. Seit sechs Spielen ist der Aufsteiger ungeschlagen, seit Anfang November hat er kein Heimspiel mehr verloren, und in elf Rückrundenspielen hat er schon so viele Punkte geholt wie in der gesamten Hinserie. Der Traum vom Klassenerhalt wird immer realer. Nur Trainer Jos Luhukay hat sich vor einer Woche, nach dem Sieg gegen den Konkurrenten Köln, als Mahner betätigt: „Wir sind noch lange nicht durch. Unser Restprogramm ist extrem schwer.“ An diesem Wochenende müssen die Augsburger zu den Bayern. Danach heißen die Gegner Stuttgart, Wolfsburg, Schalke und Mönchengladbach, die alle noch in den Europapokal wollen, ehe es für den FCA am letzten Spieltag zum Hamburger SV geht. Den 1. FC Köln, der einen Platz und zwei Punkte vor Hertha liegt, trifft es kaum weniger hart. Die Berliner hingegen haben zwar noch drei schwere Auswärtsspiele (Gladbach, Leverkusen, Schalke), empfangen im eigenen Stadion aber noch die Konkurrenten Freiburg und Kaiserslautern sowie am letzten Spieltag die TSG Hoffenheim, für die es dann um nichts mehr gehen sollte. Doch so tröstlich das Restprogramm für Hertha auch sein mag – man sollte sich nicht allein darauf verlassen. „Wir brauchen gar nicht woanders hinzuschauen“, sagt Trainer Otto Rehhagel. „Rechnen zählt für mich nicht.“

Das Spielsystem: Lucien Favre, der Trainer von Borussia Mönchengladbach, kennt die Berliner aus alter Verbundenheit ein bisschen besser als den Rest der Konkurrenz. Trotzdem sagt der Schweizer vor dem heutigen Duell mit seinem früheren Arbeitgeber (18.30 Uhr, live im Ticker bei Tagesspiegel.de): „Ich weiß nicht, wie Hertha spielen wird.“ Ganz so geheimnisvoll ist die Sache allerdings auch nicht. Die Berliner haben nach Wochen des Suchens zu ihrem System aus der Vorrunde zurückgefunden. Aus einer tiefen und dichten Verteidigung suchen sie über Konter den Erfolg. Auch die Zeiten personeller Experimente sind vorbei. Umso ärgerlicher ist es, dass Christoph Janker heute wegen muskulärer Probleme ausfällt. Sebastian Neumann, Felix Bastians oder Peter Niemeyer könnten für ihn in die Innenverteidigung rücken.

Noch mehr Gründe, die für Hertha sprechen

Das Trainerteam: Am Wochenende, als Manager Preetz sich außerstande sah, einen Kommentar zur bitteren Niederlage gegen Wolfsburg abzugeben, war Otto Rehhagel ganz allein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Der Trainer erledigte die Aufgabe mit der ganzen Ruhe seiner 73 Lebensjahre. Rehhagel, nicht gerade für überbordende Auskunftsfreude bekannt, war damit der einzige Herthaner, der überhaupt sprach. Dass er auch in schwerer Zeit Haltung bewahrt, war einer der Gründe, warum Hertha Rehhagel aus dem Ruhestand befreit hat. Viel wichtiger aber ist, dass das Trainerteam inzwischen eine Arbeitsteilung gefunden zu haben scheint, in der die Stärken aller Beteiligten am besten zur Geltung kommen. In Rehhagels Schatten macht offensichtlich vor allem Co-Trainer René Tretschok einen fachlich guten Job. „Die Mannschaft war gegen Mainz und Wolfsburg top vorbereitet und top eingestellt“, sagt Preetz. Der Mainzer Powerfußball wurde – nach wackligem Beginn – weitgehend zum Erliegen gebracht, und gegen die hoch verteidigenden Wolfsburger kam Hertha zu Chancen en masse. „Alles, was wir uns im Training erarbeitet haben, hat in den Spielen auch gegriffen“, sagt Preetz. In dieser Woche soll verschärft der Torschuss geübt worden sein.

Das Offensivspiel: Wer tief im Abstiegskampf steckt, neigt dazu, in allem erst einmal das Negative zu sehen. Nach dieser Sichtweise hat Hertha beim 1:4 gegen Wolfsburg neben dem Problem in der Defensive nun auch noch eins im Sturm dazu bekommen. Trotz bester Gelegenheiten trafen die Berliner nur ein einziges Mal. Man kann die Sache aber auch anders sehen. „Das Positive, was wir mitnehmen, ist, dass sich die Jungs diese Chancen erarbeitet haben“, sagt Preetz. Denn so viele Gelegenheiten „haben wir lange nicht gehabt“. Eine Wiederholung dürfte sich gegen die bekannt defensivstarken Gladbacher etwas schwieriger gestalten. Manager Preetz fände es trotzdem falsch, „mit Angst an die Aufgabe heranzugehen“.

Der 1. FC Köln: Ohne Worte.

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