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Gleich ist er drin. Travis Mulock (rechts) auf dem Weg zum 6:5.

© dpa

Spiel für die Geschichte: Die Eisbären können heute Meister werden

In Mannheim wurde am Sonntag schon die Meisterschaft der Adler gefeiert - zu früh, wie sich zeigte. Die Eisbären drehten ein eigentlich verlorenes Spiel noch und stehen nun selbst kurz vor dem Titelgewinn.

Eine Meisterfeier erfordert Logistik im Vorfeld. So war in der Mannheimer Arena alles vorbereitet am Sonntag. Rot-weiß-blau sollte das Konfetti durch die Halle regnen, nachdem die Adler Mannheim die Eisbären im vierten Finalspiel um die Deutsche Eishockeymeisterschaft bezwungen hatten. Der Silberpokal stand schon bereit. Die Adler führten schließlich eine knappe Viertelstunde vor Schluss 5:2, ihre Anhänger auf den Rängen priesen den neuen Meister, besangen die Mannheimer Machtübernahme im deutschen Eishockey.

Eine Stunde später wurde dann der Pokal von einem Mitarbeiter der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) aus der Halle getragen und eingepackt, auf zur Reise nach Berlin. Die Eisbären hatten etwas geschafft, was im vierten Spiel einer Finalserie in der Geschichte der Liga noch keinem Klub gelungen war, der so in der Bredouille stand wie sie am Sonntag. 3:5, 4:5, 5:5 und dann das Tor, das das fünfte und alles entscheidende Endspiel am Dienstag in Berlin (19.30 Uhr, live auf Sky) erst möglich machte: Torschütze Travis Mulock konnte nach dem Spiel vor Glücksgefühlen kaum an sich halten. Immer wieder musste er beschreiben, wie er den Puck zum entscheidenden Treffer an Mannheims Torwart Fred Brathwaite vorbeigeschoben hatte. Ja, es sei „das wichtigste Tor seines Lebens“ gewesen, sagte der 26-jährige Deutsch-Kanadier strahlend.

Zur überschwänglichen Freude über den Sieg der Mannschaft kam bei Mulock auch noch die persönliche Erleichterung: Am Freitagabend war er nach der 1:2-Heimniederlage im dritten Finalspiel gegen die Adler noch mit Schuldgefühlen vom Eis gegangen: Mit einem Fehler hatte er den Konter zum Ausgleichstreffer der Mannheimer erst möglich gemacht. „Ich habe es verpatzt“, sagte Mulock, „frustriert und niedergeschlagen“ sei er hinterher gewesen. Aber nun das Tor in einem unglaublichen vierten Finalspiel. „Es hat mich richtig aufgebaut, dass ich der Mannschaft heute helfen konnte“, sagte er. „Wir sind alle total begeistert.“

Die Eisbären sorgten in Spiel vier für die wahnsinnigste Viertelstunde der Saison

Mulock setzte den Schlusspunkt einer grandiosen Eishockeypartie, eines Spiels, über das die Anhänger der Liga auch noch in vielen Jahren sprechen werden – egal, wer nun am Dienstag Meister wird. Als Craig MacDonald in der 46. Minute das 5:2 für Mannheim erzielte, habe er schon gedacht: „Oh, nein“, sagte Mulock. Aber der überschwängliche Jubel, als James Sharrow nur zehn Sekunden später auf 3:5 verkürzte, offenbarte, dass sich sein Team noch längst nicht aufgegeben hatte. „Wir waren das ganze Spiel über besser als die Mannheimer“, sagt Mulock.

Ihr Selbstbewusstsein trug die Eisbären durch die wahnsinnigste Viertelstunde der Saison. Angreifer Mads Christensen sagte: „Ich wusste zwischendurch gar nicht mehr, wie es überhaupt stand.“ Travis Mulock meinte: „Das ging bang, bang, bang.“ Der Druck habe auf den Mannheimer Spielern gelastet, die auf der Bank bereits den Titelgewinn gefeiert hatten. „Ich habe solche Situationen schon erlebt und weiß, wie frustrierend es ist, wenn der Gegner so zurückkommt“, sagte Mulock. Sein Kollege Stefan Ustorf, der in Mannheim verletzt zuschaute, sagte, es gäbe eben „keine Situation mehr, die dieses Team überfordern könnte“.

Die Frage, wie sehr die Mannheimer geschockt sind, wollte ihr Trainer Harold Kreis nicht zulassen. „Wir hätten gerne einen anderen Ausgang gehabt, kein Zweifel“, sagte er. „Aber ich werde nicht zulassen, dass irgendjemand in der Kabine den Kopf zu lange hängen lässt.“ Sonst könnten die Eisbären, die in Mannheim viel Selbstbewusstsein gewonnen haben, die Adler überrennen. Travis Mulock sagt: „Wir müssen genau so weiterspielen wie im letzten Drittel am Sonntag.“ Dann sollte der Pokal zum sechsten Mal an die Eisbären gehen. Einen Konfettiregen wird es in diesem Fall selbstverständlich auch geben – in Rot, Blau und Weiß. Die Klubfarben teilen sich Adler und Eisbären nämlich, genauso wie den Titel DEL-Rekordmeister – den aber nur noch bis Dienstag.

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