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Die Rückkehr des Erfolgstrainers: Urs Fischer bleibt Urs Fischer – und will die Emotionen ausblenden
Am Samstag kehrt Urs Fischer zum ersten Mal als Mainzer Trainer an die Alte Försterei zurück. Mit dem 1. FC Union verbindet ihn eine Beziehung, die weit über das Sportliche hinausgeht.
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Wer sich vor dem großen Wiedersehen mit dem 1. FC Union am Samstag (15.30 Uhr, Sky) gefragt haben sollte, ob sich Urs Fischer seit der Trennung im November 2023 verändert hat, dem sei die Pressekonferenz von Mainz 05 am vergangenen Donnerstag ans Herz gelegt.
Natürlich ging es dort auch um die Rückkehr ins Stadion An der Alten Försterei. Und natürlich reagierte der 59 Jahre alte Trainer in typischer Urs-Fischer-Manier.
„Ich komme an den Ort zurück, an dem ich fünfeinhalb Jahre tätig war“, gab Fischer mit ernster Miene einen kleinen Einblick in sein Innenleben. In dieser Zeit sei eine Verbindung entstanden, etwas Authentisches, und selbstverständlich berühre ihn die Rückkehr. Nach der dritten Frage zu seiner Union-Vergangenheit wurde es dem Schweizer aber bereits zu viel. „Ich würde gerne aufhören, darüber zu reden, was gewesen ist, über das Nostalgische. In diesen 95 Minuten geht es um Fußball.“
Dazu passt auch die Information von Unions Stadionsprecher Christian Arbeit. Vor Anpfiff werde es keine Zeremonie geben für Fischer, wie es sonst üblich ist mit verdienten Rückkehrern. „Wir waren im Austausch mit Urs und Mainz, und respektieren den Wunsch, die sportliche Situation von Mainz sehr ernst zu nehmen.“ Es ist halt kein Freundschaftsspiel, sondern ein Duell um Punkte, die Mainz als Tabellenletzter dringend braucht.
So sehr sich Fischer aber den Fokus auf das Sportliche wünscht, so klar ist, dass es ganz sicher kein normales Spiel wird. Dafür war seine Zeit in Berlin zu besonders, dafür hat er rund um die Alte Försterei zu viel ausgelöst. Aufstieg, Europapokalqualifikation, Champions League – Fischer hat Union von einem mittelmäßigen Zweitligisten zu einem festen Bestandteil der Bundesliga gemacht.

© dpa/Torsten Silz
Die Fans verabschiedeten den Trainer und seinen Assistenten Markus Hoffmann vor zwei Jahren mit einer eindrucksvollen Choreo. „Danke Urs & Hoffi“ war in großen Lettern auf der Waldseite zu lesen. „Diese Entwicklung miterleben zu dürfen, Jahr für Jahr, das vergisst man nicht“, sagte Fischer im vergangenen Sommer im Interview mit dem Tagesspiegel.
Der 1. FC Union und Urs Fischer – das war eine Verbindung wie aus dem Märchen. Sportlich verhalf er Union zu neuen Höhen, doch auch menschlich passte es. Hier der Verein aus Berlin-Köpenick, der manchmal eigenwillig ist und sich in einer Wagenburg einigelt. Dort der Trainer aus Zürich, der gerne im Hintergrund bleibt und sportliche Informationen besser hütet als die Schweizer ihr Bankgeheimnis.
Die Landschaft und das Wasser haben eine unglaublich beruhigende Wirkung.
Urs Fischer über sein Hobby, das Angeln.
Wenn man sich nicht in seinem inneren Zirkel befindet, ist es schwer, einen Zugang zu Urs Fischer zu bekommen. Über private Angelegenheiten spricht er kaum, fragt man, warum er Spieler A und nicht Spieler B aufgestellt hat, antwortet er oft: „Weil der Trainer sich so entschieden hat.“ Doch es gibt auch Themen, bei denen sich der Schweizer öffnet.
Zum Beispiel beim Angeln, seinem liebsten Hobby. Mit Co-Trainer Hoffmann ist er dafür in seiner Berliner Zeit gerne ins Umland gefahren. „Die Landschaft und das Wasser haben eine unglaublich beruhigende Wirkung. Manchmal angle ich nicht einmal selbst, sondern setze mich ans Wasser und schaue meinen Freunden dabei zu. Das entspannt mich total“, sagte Fischer.
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Diese Ruhe hat er auch beim Fußball ausgestrahlt. Wenn überall Hektik herrschte, begann Fischer seine Aussage mit einem langgezogenen „Ja“, das wegen seines Akzents wie „Joaaa“ klang. Fischers Art kam an bei Union. Bei seinen Spielern, den Verantwortlichen und bei den Fans. Bodenständigkeit, Ruhe, Pragmatismus – anders als in Basel, wo er trotz des sportlichen Erfolgs für seinen „Angshasen-Fußball“ kritisiert wurde, werden diese Werte in Köpenick geschätzt. „Ich habe nie ganz verstanden, warum diese Attribute einen negativen Touch haben“, sagte Fischer der Schweizer Nachrichtenagentur sda damals rückblickend über seine Zeit in Basel.

© Andreas Gora/dpa
Von „Angsthasen-Fußball“ war in Berlin nie die Rede. Dass harte Arbeit und eine stabile Defensive die Grundpfeiler von Fischers Konzept sind, stand allerdings außer Frage. Bei Union, den „Schlosserjungs aus Oberschöneweide“, wie es in der Vereinshymne von Nina Hagen heißt, wurde Fußball schon immer mehr gearbeitet als gezaubert. Fischer verkörperte diesen Ansatz bereits in seiner Spielerkarriere als Verteidiger und hat sich diese Einstellung bis heute bewahrt. Nicht selten war er morgens der Erste am Stadion und am Abend der Letzte, der nach Hause fuhr.
Mit dieser Arbeitseinstellung und seinem großen Erfahrungsschatz soll er Mainz nun vor dem Abstieg retten. „Wir wollen einen Schritt nach vorn machen, was Basics angeht, was Prinzipien angeht“, sagte Fischer am Donnerstag und nannte damit zwei Schlagworte, die auch in seiner Berliner Zeit in keiner Pressekonferenz fehlen durften.
Ein guter Start ins neue Jahr würde dem Tabellenletzten enorm helfen, auch wenn es für den Schweizer Trainer gegen seine Vergangenheit geht,. „Ich würde die drei Punkte gerne mit nach Hause nehmen“, sagte Urs Fischer. Dass nach Hause mittlerweile nach Mainz bedeutet, daran muss man sich in Berlin-Köpenick erst mal gewöhnen.
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