Erster Profiteur von Klinsmanns Abgang : Warum Zsolt Petry bei Hertha zurück ist

Jürgen Klinsmann hielt nicht viel Zsolt Petry - vielleicht auch aus persönlichen Gründen. Jetzt hat Hertha den Torwarttrainer wieder zu den Profis geholt.

Torwarttrainer Zsolt Petry trainiert wieder die Profis.
Torwarttrainer Zsolt Petry trainiert wieder die Profis.Foto: dpa

Michael Preetz hupte kurz und freundlich, als er den Weg der Spieler kreuzte, die gerade den Trainingsplatz von Hertha BSC verließen. Dann fuhr der Manager wortlos vom Vereinsgelände. Abgesehen von einem Drei-Sätze-Statement in einer Erklärung des Vereins ist von Preetz, dem Geschäftsführer Sport und Kommunikation des Berliner Fußball-Bundesligisten, seit dem Rücktritt von Jürgen Klinsmann als Trainer weiterhin nichts zu vernehmen gewesen.

Dafür wurde die erste Entscheidung der kurzen Ära Klinsmann inzwischen rückgängig gemacht. Während Klinsmanns bisherige Assistenten Alexander Nouri und Markus Feldhoff auch am Mittwoch wieder das Training leiteten, kehrte Zsolt Petry ins Trainerteam für die Profi-Mannschaft zurück. Der Torwarttrainer, das erste Opfer der Klinsmannschen Revolution, hat seinen alten Posten wieder eingenommen.

Er hat Klinsmanns Sohn kritisiert

Max Steinborn, der zuletzt für Herthas Torhüter zuständig war, wird künftig in gleicher Funktion für die U 23 tätig sein. „Es ist sehr schön, wieder hier zu sein“, sagte Petry nach der Einheit. Der Ungar, dessen Vertrag unmittelbar vor Klinsmanns Ankunft in Berlin entfristet worden war, hatte zuletzt in Herthas U 17 ausgeholfen.

Auch er war von Rücktritt des Cheftrainers überrascht worden, die ihm nun allerdings eine neue alte Perspektive eröffnet hat. „Ich habe damit überhaupt nicht gerechnet“, sagte Petry. „Ich habe gedacht: Vielleicht gibt es im Sommer eine Möglichkeit zurückzukommen.“ Außerdem, so berichtete er, habe er mit dem Gedanken gespielt, die Dinge, die zwischen ihm und Klinsmann gestanden hätten, auszuräumen. „Aber zu einem Gespräch ist es nicht mehr gekommen, weil er andere Pläne hatte.“

Petry war 2015 von Klinsmanns Vor-Vorgänger Pal Dardai zu Hertha geholt worden. Vor allem bei Stammtorhüter Rune Jarstein genoss und genießt er große Wertschätzung. Dass Klinsmann nicht auf den 53-Jährigen steht, könnte durchaus persönliche Gründe gehabt haben. Vor zwei Jahren hatte Petry Klinsmanns Sohn Jonathan ungewohnt harsch kritisiert. Klinsmann junior steht inzwischen beim FC St. Gallen unter Vertrag.

Petry spricht als einer der wenigen

„Er hat sich für andere Kollegen entschieden“, sagte Petry über die Ausbootung durch Klinsmann. „Das passiert mal in einer Trainerkarriere, dass du abserviert wirst. Das muss man akzeptieren und respektieren.“ Eine ähnliche Gelassenheit empfiehlt Herthas Torwarttrainer auch den Spielern in der aktuell nicht einfachen Situation, in der nicht klar ist, wie und mit wem es weitergehen wird. „Profis dürfen sich nicht davon abhängig machen, wer vor ihnen steht. Sie sind gut beraten, an ihre eigene Arbeit denken“, sagte er. „So kam es auch rüber. Es gab keine Katerstimmung, aber auch keine Euphorie.“

Petry war einer der wenigen bei Hertha, die sich an Tag zwei nach Klinsmanns Rücktritt öffentlich äußerten. Rune Jarstein brummte nur ein kurzes „Nee“, als er den Trainingsplatz verließ; selbst dem vereinseigenen TV-Kanal stand er für ein Interview nicht zur Verfügung.Der Klub kämpft nach wie vor mit der Sprachlosigkeit.

Weil unklar ist, welche Pläne Manager Preetz hat: Darf Nouri bis auf Weiteres im Amt bleiben? Oder sucht der Klub explizit einen Interimstrainer bis zum Saisonende, ehe dann im Sommer ein großer Name verpflichtet wird? Vielleicht gibt es am Donnerstag erste Antworten auf all die Fragen. Für halb zwölf ist eine Pressekonferenz anberaumt: mit Preetz, Präsident Werner Gegenbauer – und Investor Lars Windhorst.

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