• Ex-Profi Christopher Quiring: Bei der VSG Altglienicke geht Mentalität vor Qualität

Ex-Profi Christopher Quiring : Bei der VSG Altglienicke geht Mentalität vor Qualität

Der ehemalige Unioner Christopher Quiring will mit Altglienicke ins Berliner Pokalfinale. Dafür muss er mal wieder die Erwartungen an ihn erfüllen.

Christopher Stolz
Begnadet. Christopher Quiring hat für die Regionalliga hohe Anlagen.
Begnadet. Christopher Quiring hat für die Regionalliga hohe Anlagen.Foto: Imago

Wenn die VSG Altglienicke ein Heimspiel bestreitet, hängen am Bier- und Bratwurststand allerlei Werbeartikel. Auch am Dienstag, wenn die VSG im Berliner Pokalhalbfinale Tennis Borussia an der Köpenicker Wendenschloßstraße empfängt (19 Uhr), wird es wieder Tusche-Bücher und entsprechende Tassen geben. An Tusche, der laut Personalausweis Torsten Mattuschka heißt und die Altglienicker als Co-Trainer betreut, kommt für gewöhnlich niemand vorbei.

Doch auch auf den Trikots, die über Buch und Tasse hängen, steht nicht irgendein Name, sondern der eines ehemaligen Mitspielers Mattuschkas beim 1. FC Union. Er gehört zur Kategorie jener Fußballer, bei dessen Vorstellung die Stimme des Stadionsprechers stets heller und lauter wird: die Rede ist von Christopher Quiring – und es ist selbstverständlich kein Zufall, dass der Klub ausgerechnet mit seinem Namen für die aktuellen Trikots wirbt.

Quiring ist Zweitliga-Spieler im besten Fußballalter

Als der Regionalligist Quiring vor der Saison verpflichtete, war die Überraschung groß. Ein Jahr zuvor war der 28-Jährige noch als Hoffnungsträger bei Hansa Rostock vorgestellt worden, er galt als guter Zweitliga-Spieler im besten Fußballalter. In Rostock kam Quiring aber überhaupt nicht zurecht. Dass es ihn dann im Sommer 2018 nach Altglienicke zog, lag vor allem an: Torsten Mattuschka. Der ist nicht nur einer seiner Trainer, sondern auch sein Berater.

Mit der Verpflichtung stiegen auch die Erwartungen an Quiring. „Ich sehe das nicht als Druck“, sagt er, „die Umstellung auf die Regionalliga ist schon schwierig. Aber ich habe mich ja bewusst dazu entschieden.“ Und es ging auch gut los für Quiring in Altglienicke. Mit vier Toren und zwei Vorlagen sorgte er in den ersten Monaten dafür, dass die VSG sich keine akuten Sorgen um den Klassenerhalt machen musste. In diesem Kalenderjahr läuft es für Quiring und seinen Verein allerdings weniger gut.

Einst eisern. Christopher Quiring spielte 12 Jahre lang für den FC Union.
Einst eisern. Christopher Quiring spielte 12 Jahre lang für den FC Union.Foto: Mehlis/dpa

Am Sonntag rutschte die VSG auf den Relegationsplatz ab, Quiring stand gegen Viktoria 89 Mitte März erstmals im Jahr 2019 in der Startformation. Grund dafür ist eine folgenschwere Zahnbehandlung im Winter. „Die ist richtig schiefgelaufen“, sagt Quiring, „das hat mich sehr beeinträchtigt.“

Ist er gesund, hat Quiring in der Offensive alle Freiheiten. Er taucht mal links, mal rechts auf, scheut auch nicht den direkten Weg in die Tiefe. Dadurch ist er unberechenbar – allerdings auch für seine Mitspieler. „Ich bin angewiesen auf Pässe in die Tiefe, wie von Torsten Mattuschka damals bei Union. Daran hapert es bei uns momentan“, sagt Quiring.

Quiring hat gute Erfahrungen mit Tennis Borussia

An Qualität mangelt es dem Team nicht. Neben Quiring gibt es noch weitere ehemalige Union-Profis im Kader, wie Chinedu Ede etwa. Doch auch ihm fällt die Umstellung schwer. „Regionalliga-Fußball ist anderer Fußball, da geht Mentalität vor Qualität“, sagt Mattuschka. „Da musst du ein bisschen mehr nach hinten machen. Daran musst du dich erst mal gewöhnen.“

Auch Quiring weiß, dass die Gegner bei Spielen gegen Ex-Profis wie ihn besonders motiviert sind. So wird es auch im Pokal am Dienstag sein. Dann dürfte er im Halbfinale gegen TeBe beginnen. Wie in den Pokalrunden zuvor, die Altglienicke mit Quiring souverän meisterte. Im Achtelfinale gegen den Berliner AK war er der Matchwinner mit zwei Toren. Damals konnte er seine Qualität über 90 Minuten auf den Platz bringen.

Mit Tennis Borussia hat Quiring bisher außerdem nur gute Erfahrungen gemacht. Im September 2010 gewann er mit der Oberliga-Mannschaft des 1. FC Union sein bisher einziges Pflichtspiel gegen TeBe 2:0. Der 19-Jährige lief in einem Team mit Michael Parensen, einem weiteren Ur-Unioner, im Sturm auf. Über 90 Minuten. Es wird mal wieder Zeit dafür.

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