Fußball-WM : 100 Tage noch - Russland fühlt sich bereit

Die Fifa lobt den Stand der Vorbereitungen für die Weltmeisterschaft im Sommer – nur das Wetter spielt noch nicht überall mit.

Sven Goldmann
Die Arena in Kasan fasst 45 015 Zuschauer. Im vergangenen Jahr fanden hier schon vier Spiele des Confed Cups statt.
Die Arena in Kasan fasst 45 015 Zuschauer. Im vergangenen Jahr fanden hier schon vier Spiele des Confed Cups statt.Foto: AFP

Hundert Tage noch. Der Countdown klettert symbolträchtig hinab von drei auf zwei Ziffern, und weil Wladimir Putin gern Bescheid weiß, hat er sich schon mal vor Ort davon überzeugt, ob auch alles gut läuft vor der Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Sommer. Also schaute der russische Staatspräsident am Donnerstag vorbei im Luschniki-Stadion, dem größten und schönsten und wichtigsten WM-Standort, Schauplatz von Eröffnungs- und Endspiel.

„Gemeinsam sind wir eine Mannschaft!“, rief Putin den 100.000 Zuschauern zu, unter ihnen allerlei frisch dekorierte Medaillengewinner von den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang, aber das war es auch schon an Bezugnahme zur Welt der Leibesübungen. Putin stimmte die Nationalhymne an und sein Volk ein auf die in zwei Wochen stattfindenden Präsidentschaftswahlen. Anders als bei der Wiedereröffnung des Stadions im vergangenen Herbst gab es keine Probleme bei An- und Abfahrt mit der Metro und auch auf den Tribünen kam es beim Stresstest zu keinerlei Zwischenfällen. Russland fühlt sich bereit für das größte Sportereignis in seiner Geschichte seit den Olympischen Spielen 1980 in Moskau.

Der Fußball spielte bei Putins Auftritt nur eine Nebenrolle. Die Premjer Liga hat am vergangenen Wochenende nach drei Monaten wieder ihren Spielbetrieb aufgenommen, aber das Luschniki-Stadion ist den Russen zu schade für die Niederungen des Alltags. Der neu angepflanzte Rasen wird geschont für das Testspiel am 23. März gegen Brasilien. Das Luschniki ist das einzige der zwölf WM-Stadien, in dem vor dem für Mitte April erwarteten Frühlingsbeginn gespielt werden darf. Nichts soll dem Zufall überlassen werden oder den Launen des Winters, der Russland bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt zurzeit fest im Griff hat.

Zu kalt für das Pokalspiel

Vor einer Woche verweigerte die Belegschaft von Spartak Moskau ihr Mitwirken beim Pokalspiel in Samara. Bei minus 15 Grad war es ihnen an der Wolga zu kalt. Und der FC Schalke 04 war seit langem als Stargast für die Eröffnung der Arena Baltika in Kaliningrad gebucht. Schalkes Sponsor Gazprom hatte das Gastspiel des Bundesliga-Zweiten beim Siebten der zweiten russischen Liga vermittelt. In der vergangenen Woche aber schaltete sich das russische Sportministerium ein und legte so freundlich wie bestimmt eine Absage wegen der Temperaturen nahe.

Die Arena Baltika im ehemaligen Königsberg ist das westlichste der WM-Stadien. Für die vier Vorrundenspiele bietet es 35.000 Zuschauern Platz und soll dann auf ein Fassungsvermögen von 25.000 Zuschauern zurückgebaut werden, auf dass der Nachhaltigkeit Genüge getan wird und der FK Baltika sich nicht allzu verloren vorkommt. Einstweilen muss es das alte, vor 125 Jahren eröffnete Stadion tun. Der Schaden beim Klub hält sich in Grenzen. Zum Start ins neue Zweitliga-Jahr begrüßte der FK Baltika zum Spiel gegen die zweite Mannschaft von Zenit St. Petersburg exakt 4173 zahlende Gäste.

Hohe Investitionen

Anders als vor vier Jahren bei der WM in Brasilien, als kaum ein Stadion rechtzeitig fertig war, ist die Fifa offensichtlich vollauf zufrieden mit dem, was sich in Russland tut. Im Dezember noch hatte der Weltverband bei der Auslosung Tempo beim Stadionbau angemahnt. Vor zwei Wochen nun debattierte Fifa-Präsident Gianni Infantino mit Wladimir Putin die Lage. Regierungssprecher Dmitri Peschkow verkündete jedenfalls unwidersprochen, dass „Russland einen hohen Vorbereitungsstand erreicht hat“. Cheforganisator Alexej Sorokin verwies beim Countdown am Montag auf die hohen Investitionen der Regierung und versprach, in wenigen Wochen werde alles bereit sei: „Wir arbeiten hart daran, dass sich alle Gäste wohl fühlen und Russland in 100 Tagen für sie ein Zuhause wird.“

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