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Kai Wegner hatte am Samstag einen entspannten Abend im Estrel.

© Imago/Jürgen Heinrich

Gala der Sportler des Jahres: Große Bühne für Berlins Olympia-Träume

Die Ehrung von Berlins Sportlerinnen und Sportler des Jahres bietet Glanz, Gänsehaut und politische Signale. Während Spitzenathleten für Applaus sorgen, hofft der Regierende auf Rückenwind für Olympia.

Jörg Leopold
Ein Kommentar von Jörg Leopold

Stand:

Als der Regierende Bürgermeister vom „Traum Olympia“ spricht, wird es am Samstagabend im Estrel Hotel besonders laut. Bei der Gala zur Ehrung von Berlins Sportlerinnen und Sportlern des Jahres hat Kai Wegner mit seinen olympischen Ambitionen endlich einmal alle auf seiner Seite. Die Idee, die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 nach Berlin zu holen, finden die besten Athletinnen und Athleten der Stadt naturgemäß gut.

Auch sonst wird an diesem Abend reichlich geklatscht. Für Minerva Hase und Nikita Volodin, die zwar als Eiskunstlaufpaar antreten und dennoch die Einzelkategorien bei Frauen und Männern gewinnen. Für Aileen Poese, die im Trainer-Manager-Ranking vorn liegt und zugleich mit dem Team des 1. FC Union zur besten Frauenmannschaft gewählt wird.

Und natürlich für die Füchse-Handballer, die nach ihrer ersten deutschen Meisterschaft die Männer-Teamwertung für sich entscheiden. Selbst Macher Bob Hanning, zu Saisonbeginn wegen seiner Personalentscheidungen umstritten, hat sich dafür ausnahmsweise in einen Anzug geworfen.

Der emotionalste Moment des Abends ist die Erinnerung an den verstorbenen Tobias Eder, der vor einem Jahr noch selbst auf der Bühne stand und kämpferisch klang. Anfang dieses Jahres erlag er mit nur 26 Jahren seinem Krebsleiden. Seine Kollegen der Eisbären Berlin holten den Meistertitel anschließend nicht nur für ihn, sondern – wie Geschäftsführer Thomas Bothstede betont – „mit“ ihm.

Rührend ist auch der Auftritt von Ulli Wegner, der gemeinsam mit Eisschnellläuferin Claudia Pechstein für sein sportliches Lebenswerk geehrt wird. Die Boxtrainer-Legende bleibt sich mit gewohnt heiserer Stimme treu und sagt auf die Frage nach dem Ende seiner Laufbahn: „Mir gefällt es hier auf der Bühne ganz gut – vielleicht überlege ich es mir noch mal und komme nächstes Jahr wieder.“

Auch Kai Wegner würde im kommenden Jahr gewiss gern als Regierender Bürgermeister auf die Sportlergala zurückkehren und verkünden, dass Berlin sich im nationalen Olympia-Entscheid durchgesetzt hat. Ob es dazu kommt, ist allerdings fraglich – zumal er selbst erst einmal wiedergewählt werden muss.

Die Unterstützung der Berliner Spitzensportler hat er immerhin sicher, zumindest wenn es um die Olympiabewerbung geht. Nun müssen gemeinsam nur noch die weniger olympiabegeisterten Berlinerinnen und Berliner, der DOSB und das IOC überzeugt werden. Und das ist ein Wettkampf, der erst einmal gewonnen werden muss.

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