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Galopprennen in Riad : Wie Champions League und Regionalliga

Saudi-Arabien kauft sich im Galopprennsport ein. Beim Saudi Cup gab es 20 Millionen Dollar Preisgeld. Mit dem hiesigen Galoppsport hat das wenig zu tun.

Ulrich Nickesen
Das hat sich gelohnt. Roberto Perez hat das Zwölf-Millionen-Rennen von Riyadh gewonnen.
Das hat sich gelohnt. Roberto Perez hat das Zwölf-Millionen-Rennen von Riyadh gewonnen.Foto: Reuters

Eine Champagner-Bar gab es auf der King Abdulaziz Racetrack in Riad nicht. Dafür aber am vergangenen Wochenende ein neues Spektakel im hochbezahlten Sport. Beim Saudi-Cup laufen die Galopper eben unter anderen Gesetzen, 20 Millionen Dollar (knapp 18 Millionen Euro) für ein Pferderennen sind ein beachtlicher Eintrittspreis in den globalen Rennsport, das Portal „Deutscher Galopp“ sah sich gar bemüßigt, vom „Wüsten-Wahnsinn“ zu titeln. Denn in Saudi-Arabien wurde das bisher höchstdotierte Galopprennen, der mit zwölf Millionen Dollar dotierte Dubai World Cup, klar überboten.

Allein der Sieger in Riad bekam zehn Millionen Dollar. Und die rennsportliche Elite nahm das satte Angebot natürlich an, allen voran die auf Sandbahnen spezialisierten US-amerikanischen Rennställe, für die der Abstecher nach Saudi-Arabien für das in vier Wochen anstehende Spektakel in Dubai ohnehin einen idealen Zwischenstopp darstellte.

Zwischen der saudi-arabischen Metropole Riad und Berlin liegen 4169, 95 Kilometer Luftlinie und natürlich Welten. Politisch, gesellschaftlich und sportlich. Sicher, Galoppsport gibt es vor den Toren Berlins auch und das seit einigen Jahren in Hoppegarten sogar wieder auf ordentlichem Niveau.

Aber mit dem, was in Saudi-Arabien passiert, hat es wenig zu tun. In Hoppegarten loben sie pro Saison für alle Renntage – 2020 werden es zwölf sein – 1,5 Millionen Euro aus. Zwölf Jahre Hoppegarten macht also einen Renntag in Riad. „Natürlich ist das dort abgehoben“, sagt Michael Wrulich, Geschäftsführer der Rennbahn Hoppegarten. „Aber trotzdem hat das auch gute Seiten. Mich haben in den letzten Tagen so viele Menschen auf den Galoppsport angesprochen wie selten zuvor. Das passiert nicht, wenn in Baden-Baden oder Berlin galoppiert wird.“

Aber natürlich, im Vergleich zu Saudi-Arabien verhalte sich das mit Berlin wie „die Champions League zur Regionalliga“, sagt Wrulich. Sportlich allerdings nicht nur. Im ebenfalls hochdotierten Rahmenprogramm von Riad gelang dem seit Jahren in Deutschland reitenden Niederländer Adrie de Vries gleich im ersten Millionen-Rennen eine Überraschung, als er auf dem Außenseiter Port Lions der Konkurrenz enteilte. De Vries, der die Wintermonate im Mittleren Osten verbringt und dort sehr geschätzt wird, schrieb auch aus einem anderen Grund Geschichte: Er war der erste Jockey, der ein Rennen auf einer Grasbahn in Saudi-Arabien gewann.

Eine in Deutschland reitende Schweizerin wurde Zweite im Nebenrennen

Für die Frauen lief es dabei gut. Vier weibliche Jockeys traten gegen männlichen Jockeys an, darunter mit Lanfranco Dettori oder Mike Smith die derzeit weltbesten Männer. In diesem Wettbewerb belegte die Schweizerin Sybille Vogt, seit Jahren in Iffezheim tätig, hinter der US-Legende Smith einen beachtlichen zweiten Rang; auch auf den Plätzen drei und vier landeten weibliche Jockeys.

Im Hauptrennen, das über 1800 Meter ging, siegte dann der vierjährige Hengst Maximum Security in beeindruckender Manier unter Jockey Luis Saez aus Panama. „Das war wirklich ein historischer Moment. Dieses Rennen zu gewinnen, das zum ersten Mal ausgetragen wurde“, sagte Saez, der seit über einem Jahrzehnt in den USA reitet.

Vor allem aber war der Sieg eine Genugtuung für dessen Disqualifikation im letztjährigen Kentucky-Derby, die höchst umstritten war. Ein Derby kann ein Rennpferd nur einmal im Leben gewinnen und Trainer Jason Servis sagte hinterher: „Ich denke, heute hat jeder gesehen, welches letztes Jahr in Kentucky das beste Pferd war.“

Das neue rennsportliche Millionenspektakel war womöglich ein zukunftsweisendes Event. Innerhalb kürzester Zeit wurde ein Festival des internationalen Galopprennsports organisiert, welches nicht nur wegen der unvergleichlich hohen Gewinnmöglichkeiten seine internationale Resonanz bestimmt nicht verfehlt hat.

Die Erfolgsgeschichte in Dubai wäre ohne die Vision des dort herrschenden Regenten Scheich Mohammed und das viele Geld des 70-Jährigen dabei nicht vorstellbar gewesen. Und sicher ist es ein weiterer Versuch, sich der Welt zu öffnen und zu präsentieren. Obwohl es trotzdem etwas anderes ist, das Megarennen von Saudi-Arabien.

Renntage etwa in Deutschland sind Volksfeste und nicht nur für Galoppexperten da. Rennsport ohne Wetten, Champagner und Unterhaltungsprogramm für die Kinder hätte zum Beispiel in Hoppegarten keine Chance, dann könnten sie gleich dicht machen. Trotzdem gewinnt Geschäftsführer Michael Wrulich dem Spektakel von Riad viel Gutes ab. „Der Zeitpunkt hat doch gestimmt, so kurz vor der Grasbahnsaison war das auch Werbung für uns“, glaubt der Geschäftsführer der Berlin-Brandenburger Rennbahn.

Denn in zwei Wochen startet die Saison für die Galopper in Deutschland mit dem Renntag in Köln, Ostern ist dann schon Hoppegarten dran. Wetten und Hüpfburgen garantiert.

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