Gegner Vechta bleibt chancenlos : Alba Berlin tüftelt sich zum Sieg

Drittes Spiel, dritter Sieg: Alba Berlin geht weiter souverän durch das BBL-Finalturnier. Beim 102:72 gegen Vechta kann Trainer Reneses sogar experimentieren.

Abgelegt: Martin Hermannsson und Alba Berlin hatten mit Vechta keine Probleme.
Abgelegt: Martin Hermannsson und Alba Berlin hatten mit Vechta keine Probleme.Foto: Tilo Wiedensohler/dpa

Das mit dem Training und Aito Garcia Reneses ist ja so eine Sache. Der Chefcoach von Alba Berlin liebt es bekanntlich, als großer Tüftler auf dem Parkett zu stehen und seinen Profis das Spiel in all seinen Facetten zu lehren. Entsprechend verstimmt zeigt sich der 73-Jährige in schöner Regelmäßigkeit, wenn der aufgedunsene Spielplan ihm mal wieder die kostbare Zeit in der Trainingshalle raubt, weil sein Team innerhalb von fünf Tagen in Istanbul, Bayreuth und Moskau gefordert ist.

Auch vor dem Finalturnier der Basketball-Bundesliga in München war die Trainingszeit wieder sehr rar. Und das nach wochenlangem Stillstand. Man mag sich gar nicht ausmalen, wie viel Kopfzerbrechen das dem Alba-Trainer bereitet haben muss. Doch Reneses wäre nicht Reneses, wenn er nicht auch in dieser Lage eine Lösung parat hätte.

Alba Berlins Vorrundenspiele beim BBL-Finalturnier

  • Sonntag, 07. Juni: Frankfurt – Alba Berlin 72:81
  • Dienstag, 09. Juni: Alba Berlin – Bamberg 98:91
  • Samstag, 13. Juni: Vechta – Alba Berlin 72:102
  • Montag, 15. Juni: Alba Berlin – Ludwigsburg (20.30 Uhr)

„Wir müssen diese Gruppenspiele nutzen, um mit jedem Mal besser zu werden und dann so gut es geht in den Play-offs zu spielen“, sagte er am Samstagabend bei Magentasport vor dem Auftritt gegen Vechta. Der Berliner Einzug ins Viertelfinale stand ohnehin schon zuvor fest, und so hatte Reneses genug Gelegenheit zum Tüfteln in dieser Partie, die Alba am Ende quasi im Vorbeigehen mit 102:72 (26:13, 32:18, 21:19, 23:22) gewann.

In den letzten Berliner Trainingseinheiten – so war es unlängst aus dem Münchner Quarantäne-Quartier zu hören – hatte sich Reneses mit seinen Spielern zuletzt vor allem eines Vertiefungsgebiets angenommen: der Defensive. Und die dürfte den Chefcoach gerade in der ersten Halbzeit kaum enttäuscht haben. Die beinahe verschüchtert wirkenden Vechtaer trauten sich kaum unter den Berliner Korb und suchten ihr Heil in Würfen von der Dreierlinie.

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Die Highlights im Video: Alba Berlin gewinnt gegen Vechta
Die Highlights im Video: Alba Berlin gewinnt gegen Vechta

Die Berliner dominierten in der Zone, fingerten sich die Rebounds und hatten somit auch keine Mühe, das Tempo zu kontrollieren. Als Rokas Giedraitis Mitte des zweiten Viertels per Dreier zum 46:16 für Alba traf, war bereits klar, dass es für das dezimierte Team aus Vechta ein bitterer Abend werden würde.

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Reneses’ Tüftelei hatte dabei bereits vor dem Spiel begonnen, als er sich entschloss, seinem Dauerbrenner Luke Sikma eine Pause zu verschaffen, und dafür Tyler Cavanaugh zu seinem ersten Einsatz beim Turnier verhalf. Und Reneses tüftelte auch während der Partie weiter, indem er seinen beiden Nachwuchsspielern Malte Delow und Lorenz Brenneke früh und ausgiebig Einsatzzeit verschaffte und verschiedenste Formationen austestete.

Am Ende der völlig einseitigen Begegnung, in der Alba naturgemäß während der zweiten Hälfte ein wenig nachließ, hatten all seine zwölf Spieler zwischen zwölf und 24 Minuten auf dem Parkett gestanden, Peyton Siva traf dabei mit 16 Zählern am besten.

Sogar die 100-Punkte-Marke knackte Alba am Ende durch einen Dreier von Jonas Mattisseck noch. Der Aufbauspieler – so will es der Berliner Brauch – muss seine Kollegen nun mit einer Runde Donuts versorgen. Auch in Hotel-Quarantäne kein Problem, wie Brenneke noch versicherte: „Ich bin da recht zuversichtlich.“ Auch das haben die Berliner schließlich ausgetüftelt. (Tsp)

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