German Masters im Snooker : Kyren Wilson gewinnt Finale voller Wendungen

Erst 4:1, dann 5:7 und am Ende 9:7: Kyren Wilson besiegt in einem spannenden Finale im Tempodrom Landsmann David Gilbert und holt damit das German Double.

Kyren Wilson spielt gern in Deutschland.
Kyren Wilson spielt gern in Deutschland.Foto: Imago

Snooker ist ein Spiel, in dem es zuweilen auf Millimeter ankommt. So wie am Sonntagabend im Finale des German Masters im Tempodrom. Im 14. Frame versuchte Kyren Wilson eine lange rote Kugel zu lochen, verpasste das Ziel allerdings deutlich. Zu seinem Glück legte sich der weiße Spielball aber so hinter Schwarz, dass sich Gegner David Gilbert plötzlich in der Defensive befand. Und einmal in die Enge getrieben, fand der 37-jährige Engländer nicht mehr aus dem Dilemma heraus. Nicht nur im 14. Frame, den er nach zwischenzeitlicher 47:4-Führung noch verlor, sondern auch im gesamten Match. Kyren Wilson siegte letztlich 9:7 und holte damit seinen dritten Titel bei einem Ranglistenturnier.

"Es war ein fantastisches Finale, in dem alles drin war. Es gab viele Wendungen und einige schöne Breaks. Ich denke, wir haben den deutschen Fans eine gute Show geliefert", sagte Wilson nach dem Sieg. 4:1 hatte der 27-jährige Engländer in der ersten Session schon geführt, mit einem 5:3-Vorsprung ging er in den Abend. Dort allerdings fand er zunächst überhaupt nicht zu seinem Spiel, wirkte mitunter fahrig und leistete sich viele leichte Fehler. Aus dem 5:3 wurde ein 5:7 und Gilbert durfte von seinem ersten Sieg überhaupt bei einem großen Turnier träumen.

Vielleicht träumte er davon in der Pause der Evening Session ein bisschen zu lang, denn als es im nicht ausverkauften, aber mit rund 1800 Zuschauern trotzdem noch gut gefüllten Tempodrom weiterging, schien Gilbert nervös zu werden. "Es war natürlich nicht leicht für David, die Führung nach Hause zu bringen. Schließlich hat er noch nie einen Ranglistenturnier gewonnen in seiner Karriere. Und das wusste ich", sagte Wilson später. Tatsächlich wurde der Favorit immer sicherer und als er den umkämpften 14. Frame für sich entschieden hatte und das Match damit auf 7:7 stellte, kehrte auch sein Selbstvertrauen zurück. Eine gute halbe Stunde später reckte er glücklich die Faust und wenig später dann den gläsernen Pokal in die Höhe.

In der Weltrangliste klettert Kyren Wilson nach dem Sieg in Berlin auf Platz acht

Wilson hat damit in dieser Saison die beiden deutschen Ranglistenturniere gewinnen können, nach dem Erfolg beim Paul-Hunter-Classic in Fürth im August ließ er nun den Titel beim wichtigsten deutschen Event folgen. "Es war schon ein Ziel von mir, hier auch zu gewinnen. In Deutschland sind die Arenen immer voll, die Atmosphäre ist einzigartig. Man fühlt sich beinahe wie zuhause", sagte er und taufte seinen deutschen Doppelsieg kurzerhand "German Slam".

Von den 90.000 Euro Siegprämie will er sich nun ein neues Auto zulegen, was nicht ganz so spektakulär klingt, wie das, was David Gilbert geplant hatte. Der wollte seine besten Freunde im Sommer nach Ibiza einladen, doch daraus wird nun nichts. Wilson konnte darüber nur schmunzeln und meinte: "Ich bin wohl nicht so extravagant wie David." Aber wer weiß, was passiert, wenn er im Mai womöglich auch den WM-Titel folgen lässt. So wie im Vorjahr Berlin-Sieger Mark Williams. "An die WM denke ich jetzt nicht, aber wenn du Turniere gewinnst, gibt dir das natürlich Selbstvertrauen. Und irgendwann möchte ich natürlich schon Weltmeister werden."

Titelverteidiger Williams bezwang Wilson im Viertelfinale übrigens mit 5:0. Dass er zu Höherem berufen ist, machte nicht nur dieser Erfolg deutlich. Wilson gilt seit längerem als einer der neuen Stars auf der Tour. Obwohl er sich in den Top Ten der Weltrangliste etabliert hat und inzwischen auf Platz acht steht, sieht er sich dennoch weiter als einen "Spieler der neuen Generation". Dass er seit drei, vier Jahren zur Weltspitze zählt, macht ihn "stolz". Gut möglich, dass der Titel beim German Masters noch lange nicht der letzte war.

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