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Heimsieg gegen den Mitteldeutschen BC : Alba zittert sich ins Pokal-Halbfinale

Alba Berlin tut sich lange schwer und macht den Sieg gegen den Mitteldeutschen BC erst spät klar. Im Pokalhalbfinale geht es nun nach Bamberg.

Bogdan Radosavljevic (li.) wirft auf den Korb.
Bogdan Radosavljevic (li.) wirft auf den Korb.Foto: imago images/Jan Huebner

Peyton Siva wedelte mit den Armen, schrie in Richtung Publikum und Center Landry Nnoko schlug dem Point Guard kräftig auf die Brust. Die Berliner Aufholjagd war Mitte des dritten Viertels in vollem Gange und an den Emotionen nach dem erfolgreichen Zusammenspiel der zwei Alba-Profis war bereits deutlich abzulesen, dass aus einem auf dem Papier einfachen Heimspiel längst ein echter Pokal-Krimi geworden war. Durch eine Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit gewann Alba Berlin das Viertelfinale am Sonntag gegen den Tabellenletzten der Basketball-Bundesliga knapp mit 82:77 (17:24, 10:15, 29:19, 26:19), musste aber bis in die letzte Minute zittern. „Ich bin sehr glücklich, dass wir Charakter gezeigt und uns zurückgekämpft haben“, sagte der isländische Spielmacher Martin Hermannsson. „Ich hätte wahrscheinlich drei Wochen nicht schlafen können, wenn wir ausgeschieden wären.“ Im Halbfinale haben die Berliner am 12. Januar ein Auswärtsspiel in Bamberg.

Das Spiel hatte gar nicht schlecht begonnen für die Mannschaft von Trainer Aito Garcia Reneses. Gleich den ersten Angriff der Gäste unterband Center Landry Nnoko mit einem rabiaten Block und wenig später setzte Alba mit einem 7:0-Lauf die erste Duftmarke. Viele der 8344 Zuschauer in der Arena am Ostbahnhof werden spätestens jetzt von einer einseitigen Angelegenheit ausgegangen sein, doch die Berliner Führung hielt nicht lange. Da die Gastgeber mit sehr schlechten Quoten warfen und sich der MBC im ersten Viertel mehr als doppelt so viele Rebounds schnappte, beendeten die Gäste das erste Viertel mit einer 24:17-Führung.

Zum Leidwesen der Berliner Spieler und Fans wurde es im zweiten Abschnitt nicht besser. Ganz im Gegenteil. Alba erspielte sich gute Wurfchancen, es fehlte jedoch jegliche Präzision. Ob Martin Hermannsson, Luke Sikma oder Marcus Eriksson, immer wieder klatschte der Ball gegen den Ring. Sechs, sieben, acht – erst der neunte Dreier fand den Weg in den Korb und wurde von den Zuschauern frenetisch gefeiert.

Der MBC hatte Albas Reaktion nicht viel entgegenzusetzen

Manchmal kann das Ende solch einer Misserfolgsserie befreiend wirken, doch nicht am Sonntag. Alba traf weiter kaum einen Wurf und das wirkte sich auch auf das Selbstbewusstsein aus. Immer wieder trafen die Berliner falsche Entscheidungen, spielten hektisch, vergaben offene Würfe und verloren den Ball in der vollgepackten Zone. Am Ende eines aus Berliner Sicht erschreckenden zweiten Viertels hatte Alba gerade mal zehn Punkte erzielt und dabei nur zwei der 15 Würfe aus dem Feld getroffen. Zur Halbzeit lag der große Favorit mit 27:39 zurück. „Das war wahrscheinlich das schlechteste Viertel, seit ich hier bin“, sagte Hermannsson.

Die Pause kam für die Berliner zur richtigen Zeit. Trainer Reneses hat in seiner langen Karriere schon alles gesehen und hatte nun endlich Zeit, mit etwas Ruhe auf sein Team einzuwirken – und das zahlte sich aus. Alba startete offensiv deutlich besser in die zweite Halbzeit. Innerhalb von nur vier Minuten erzielten die Berliner 14 Punkte und damit mehr als im gesamten zweiten Viertel. Der Rückstand schmolz nun mit jedem Ballbesitz und die fast teilnahmslose Ratlosigkeit auf den Rängen wandelte sich in laute Anfeuerung.

Der MBC war in Not und hatte der wütenden Berliner Reaktion nicht viel entgegenzusetzen. Jonas Mattisseck brachte von der Bank viel Energie, Alba erzwang zahlreiche Fouls und ging nach nur sechs Minuten des dritten Viertels durch zwei Freiwürfe von Siva in Führung. Da bei den Gästen nun aber Kaza Kajami-Keane aufdrehte, blieb es erst mal eng. Mit 56:58 aus Berliner Sicht ging es in den Schlussabschnitt.

Dieser war wieder deutlich ausgeglichener als das einseitige dritte Viertel. Kajami-Keane traf seine Würfe weiter eiskalt und kam letztlich auf 28 Punkte, Alba antwortete durch Dreier von Eriksson (18 Punkte). Es war ein echter Pokalkrimi, den vorher wohl kaum jemand für möglich gehalten hatte – mit dem besseren Ende für die Berliner, die dann doch noch ins Pokal-Halbfinale einzogen.

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