• Hertha BSC kann auf neue 150 Millionen Euro hoffen: Lars Windhorst kündigt weitere große Investitionen an

Hertha BSC kann auf neue 150 Millionen Euro hoffen : Lars Windhorst kündigt weitere große Investitionen an

Investor Lars Windhorst stellt Hertha weiteres Geld in Aussicht. Und er spricht sich klar für ein neues Stadion in spätestens fünf Jahren aus.

Lars Windhorst hat weiter ganz große Ziele mit Hertha BSC.
Lars Windhorst hat weiter ganz große Ziele mit Hertha BSC.Foto: imago/Nordphoto

Investor Lars Windhorst hat angekündigt, noch mehr Geld in den Fußball-Bundesligisten Hertha BSC zu stecken. „Wir sind bereit, nochmals einhundert, einhundertfünfzig Millionen Euro Eigenkapital zu investieren, wenn der Bedarf bestehen sollte“, sagte der Unternehmer der „Süddeutschen Zeitung“. „Zu welchen Konditionen? Das muss man zu gegebener Zeit in Ruhe besprechen.“ Er betonte noch einmal, dass das Engagement bei Hertha „für Jahrzehnte“ und „nicht für Jahre“ angelegt sei.

Windhorst hatte im vergangenen Sommer mit seiner Investmentfirma Tennor für über 224 Millionen Euro 49,9 Prozent der Anteile an der Profiabteilung der Berliner übernommen. Dank des Geldes ist der Verein auch in der Coronavirus-Pandemie finanziell stabil aufgestellt.

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Auch zur Diskussion rund um ein mögliches neues Stadion für den Verein aus Westend äußerte sich Windhorst: „Ich sage ganz klar: Aus meiner Sicht ist es extrem wichtig, dass Hertha in den nächsten vier, fünf Jahren ein neues, reines Fußballstadion bekommt. Ich war selbst vor einem Jahr noch nicht so fest davon überzeugt, dass es ein absolutes Muss ist. Aber ich habe mich überzeugen lassen, durch die Verantwortlichen bei Hertha, und durch eigene Anschauung. Ich war in München beim ausverkauften Eröffnungsspiel der Bundesliga dabei, ich war in Berlin im ausverkauften Olympiastadion, und ich habe gesehen, was es für einen Unterschied macht. Für das Erleben, für den Entertainment-Faktor, für die Spieler letztlich auch.“

Zudem widersprach der 43-Jährige einem Bericht, nach dem der ehemalige Nationalspieler Kevin Kuranyi Kandidat für den Aufsichtsratsposten bei Hertha BSC gewesen sei. „Kuranyi ist nie eine Überlegung gewesen, ich habe mit ihm gar nicht gesprochen“, sagte er. „Sport Bild“ und „Bild“ hatten zuvor über die Personalie Kuranyi berichtet.

Windhorst hat den ehemaligen Nationaltorwart Jens Lehmann in das Kontrollgremium des Berliner Klubs geholt. Der 50-Jährige übernahm den Sitz, der durch den spektakulären Weggang des ehemaligen Bundestrainers Jürgen Klinsmann frei geworden war. Den zweiten Platz im Hertha-Aufsichtsrat besetzte Windhorst mit dem 49 Jahre alten Trainer-Berater Marc Kosicke. Das wurde am Sonntag bekannt.

Von der 50+1-Regel hält Windhorst nichts

Windhorst betonte in dem Interview auch, dass er Regulierungen im Profifußball wie einer Begrenzung von Gehältern skeptisch gegenüber stehe. „Ich bin da liberal eingestellt: Je weniger Regulierung, desto besser“, sagte er. „Die Naturgesetze der Wirtschaft werden auch jetzt automatisch greifen.“

Im Vorfeld der Saison-Fortsetzung in der Bundesliga am kommenden Wochenende nach der Coronavirus-Zwangspause hatte sich die Diskussion um üppige Gehälter von Top-Spielern und horrende Ablösesummen verstärkt. Windhorst teilt die Kritik nicht. „Ich bin ein starker, glühender Verfechter der Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft, das sich über Jahrzehnte hinweg in der ganzen Welt erfolgreich bewährt hat“, sagte er. „Ein Zeichen dieses Modells ist es, dass es in allen Wirtschaftsbereichen, und dazu gehört der Sport, nach Angebot und Nachfrage geht.“

Windhorst wiederholte seine Kritik an der 50+1-Regel in Deutschland, nach der der Verein die Mehrheit an seiner Profiabteilung behalten muss. Er halte es „grundsätzlich für problematisch, wenn es in Europa ein Land gibt, das von allen anderen abweicht. Und Deutschland stellt hier in der EU eine Ausnahme dar“, sagte er. Windhorst sieht durch die Regel einen Nachteil für die Bundesliga im Vergleich zu den anderen Top-Ligen in Europa. „Jeder sieht, dass das große Geld im Fußball in Europa verdient wird, und da frage ich mich schon, ob es da noch eine Wettbewerbsgleichheit gibt.“ (Tsp/dpa)

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