Hertha BSC und der große Einlauf : Berlin Zander!

Lieber "nur nach Hause", als auf der Suche nach einem neuem Image zu stolpern. Was Hertha BSC aus dem Liedgate lernen kann. Ein Kommentar.

Auf ewig im Olympiastadion. Frank Zander.
Auf ewig im Olympiastadion. Frank Zander.Foto: Soeren Stache/dpa

Die Idee war gut. Weg mit dem ollen Herrengedeck aus der Weddinger Siebzigerjahre-Eckkneipe und dafür rein mit dem hippen Sound der flotten Neuköllner Straße. Seeed statt Zander. Eine neue, Berlin offene Hertha. Die neuen Zuschauer können ins Olympiastadion strömen. Die alte Dame machte sich flott, raus mit dem Westberliner Mief.

So oder so ähnlich mögen sie sich das gedacht haben bei Hertha, als sie Frank Zander und sein "Nur nach Hause" in Rente schicken wollten und dafür Seeed und "Dickes B" beim ersten Bundesligaheimspielen als Einlaufsong durch das Stadion schallen ließen. Doch da machte das Fanvolk nicht mit, es wurde protestiert. Und nun hat sich der Klub dem Druck der Kurve gebeugt. Jetzt gibt es noch mehr Zander auf die Ohren und zum schauen. Jedes Mal zum Einlaufen und jedes Mal - so weit das geht - performt der Westberliner Barde live.
Berlin Zander. Mehr Westberlin geht nicht, nicht wenige sehen Hertha nun womöglich im Ringen um ein flotteres modernes Image gescheitert. Doch das ist ungerecht gegenüber allen Anhängern, nicht nur denen in der Ostkurve. Ein Fußballklub ist eben kein Supermarkt, da lässt sich nicht das Angebot einfach so austauschen. Die Fans wurden vom Klub viel zu schlecht und zu spät von der Idee mit der Hymne informiert. Da wurde mit der emotionalen Sicherheit des Anhangs gespielt und das in einer immer mehr durchgestylten Liga: dieser Zander-Song ist eben Hertha, eben oller Wedding und nicht hippes Neuberlin. 

Hertha muss doch gar nicht in ganz Berlin groß ankommen!

Hertha soll froh sein, dass es ein Markenzeichen wie diese Zander-Hymne gibt. Der Klub muss doch gar nicht in ganz Berlin groß ankommen, wie jetzt gerade in einer etwas unglücklichen Plakataktion zu Saisonbeginn suggeriert. Auf den Postern steht: "Man kann in Berlin alles sein - auch Herthaner" - oder auch nicht! Das ist doch die Stärke der Weltstadt Berlin. In London haben sie schließlich auch nicht nur den einem Fußballklub. Wenn der FC Arsenal spielt, dann interessiert das im Stadtteil Tottenham keinen. 
Lieber als Berlin Zander polarisieren und die Nummer eins im Berliner Westen sein als auf der Suche nach einem Image. Hertha kann aus dieser Aktion viel über sich lernen.

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