Herthas nächster Gegner : Eintracht Frankfurt: Das magische Dreieck, Teil II

Mit Haller, Rebic und Jovic verfügt Frankfurt über eine außergewöhnliche Offensivqualität. Die drei erinnern an ein Sturm-Trio aus vergangenen Zeiten.

Einer trifft immer. Ante Rebic, Sébastien Haller und Luka Jovic (v. l.) waren keine großen Nummern, als sie vom früheren Stürmer Fredi Bobic nach Frankfurt geholt wurden.
Einer trifft immer. Ante Rebic, Sébastien Haller und Luka Jovic (v. l.) waren keine großen Nummern, als sie vom früheren Stürmer...Foto: Dedert/dpa

Er war Teil des Magischen Dreiecks, das den VfB Stuttgart zwischen 1995 und 1997 erleuchtete: Fredi Bobic, der im Verbund mit seinem brasilianischen Stürmerkollegen Giovane Elber und dem bulgarischen Spielmacher Krassimir Balakow vor rund 20 Jahren Tor auf Tor schoss. Das Trio kam, ehe Elber zum FC Bayern München wechselte, auf insgesamt 89 Pflichtspieltreffer und verbreitete seinerzeit einen ähnlich betörenden Zauber wie heutzutage die Frankfurter Troika aus Luka Jovic (zehn Bundesliga-Tore/vier Torvorlagen), Sébastien Haller (neun/acht) und Ante Rebic (fünf/zwei). Kein Wunder, dass der Markenbegriff Magisches Dreieck aufs Neue die Runde macht. Zumal Bobic, seit dem Sommer 2016 Sportvorstand der Eintracht, diese drei zielstrebigen Stars nach Frankfurt geholt hat.

Wobei die Bezeichnung Stars nicht ganz zutrifft. Als der dynamische Flügelstürmer Rebic 2016 vom AC Florenz kam, war er der Prototyp des Fußball- Leiharbeiters, der noch nirgendwo richtig Tritt gefasst hatte: weder beim AC Florenz, der die Transferrechte hielt, noch bei Rasenballsport Leipzig, wo er in der Zweitligaspielzeit 2014/15 auf gerade mal zehn Einsätze und kein einziges Tor gekommen war, noch bei Hellas Verona. Der 1,90 Meter lange Franzose Haller unterschrieb bei den Frankfurtern 2017 einen Vertrag bis 2021. Acht Millionen Euro mussten die Hessen damals für ihn bezahlen – für den Klub eine durchaus stattliche Summe. In den zwei Jahren zuvor war Haller trotz 41 Treffern in 82 Spielen für den niederländischen Ehrendivisionär FC Utrecht von den großen europäischen Klubs ignoriert worden. Und der 20 Jahre alte Serbe Jovic hatte, als ihn die Eintracht 2017 für zwei Jahre auslieh, ein frustrierendes Jahr beim portugiesischen Rekordmeister Benfica Lissabon hinter sich. Nur einmal hatte er für gerade mal neun Minuten in der ersten Mannschaft mitspielen dürfen.

Jovic besitzt alles, was ein Stürmer braucht

„Er war schon fast in der Versenkung verschwunden“, sagt Bobic über Jovic, „solche Fälle haben wir in Frankfurt gern.“ Der Serbe führt gemeinsam mit dem Dortmunder Paco Alcácer die Torschützenliste an und hatte seine Sternstunde beim 7:1-Triumph über Fortuna Düsseldorf, als er fünf der sieben Treffer mit allergrößter Selbstverständlichkeit schoss. Frankfurts Trainer Adi Hütter attestiert ihm das „Potenzial zur Weltklasse“. Deshalb ist es kein Wunder, dass die Eintracht Jovic vereinbarungsgemäß 2019 fest verpflichten wird – für einen einstelligen Millionenbetrag, wie es heißt.

Jovic besitzt alles, was ein Stürmer braucht: Durchsetzungsfähigkeit, die Antizipation für die entscheidenden Momente, eine exzellente Schusstechnik und die Reaktionsschnelligkeit, umstandslos zuzuschlagen. Der 24 Jahre alte Haller ist ein Pendler zwischen vorderem Mittelfeld und Sturmspitze, er ist spiel- und kopfballstark, ein exzellenter Ballbehaupter, kaltschnäuzig im Abschluss und mit dem Blick für den womöglich noch besser dastehenden Nebenmann gesegnet. Der Dynamiker Rebic stürmt gern aus der zweiten Reihe auf das gegnerische Tor zu und wirkt mit seiner physischen Wucht auf dem Weg in die Spitze manchmal unaufhaltsam.

Bobic hat die drei Protagonisten der Frankfurter Offensivpower mit dem magischen Blick für anderswo übersehene Schmuckstücke gesucht und gefunden. „Ich achte immer darauf, dass wir gute Stürmer im Kader haben“, sagt der frühere Stürmer Bobic. Das von ihm geschmiedete neue Magische Dreieck der Bundesliga – kein anderer Klub kann auf die Dienste von drei derart hochqualifizierten Offensivspielern bauen – weckt längst Begehrlichkeiten bei der Konkurrenz. Bobic hält das für „ganz normal“ und sagt: „Man kann auch bei Eintracht Frankfurt ganz glücklich sein. Und wer weiß denn, wo unser Weg hinführt?“

Erst einmal zu Hertha, wo die Eintracht am Samstagabend (18.30 Uhr) im Duell mit den Berlinern nach der 1:2-Heimniederlage am vergangenen Sonntag gegen den VfL Wolfsburg eine neue Siegesserie starten will. Auf das Olympiastadion freut sich vor allem Ante Rebic, der dort im Pokalfinale am 19. Mai mit seinen beiden Treffern beim 3:1-Sieg über Meister Bayern München zum Frankfurter Fußballhelden aufstieg. Ihn hat die Eintracht, inzwischen bis 2022 fest an sich gebunden – für den mit dem AC Florenz vereinbarten Schnäppchenpreis von zwei Millionen Euro. Der Mann ist viel mehr wert. Das wissen sie inzwischen nicht nur in der Toskana.

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