Jockey "Frankie" Dettori : Aus der Drogensucht an die Spitze des Rennsports

Dem Jockey Frankie Dettori gelingt beim wichtigsten Rennen in Paris ein famoses Comeback.

Ulrich Nickesen
Ganz oben. Dettori feiert auf Enable seinen sechsten Sieg in Paris.
Ganz oben. Dettori feiert auf Enable seinen sechsten Sieg in Paris.Foto: Lopez/AFP

Was Lanfranco „Frankie“ Dettori am Sonntag an Können und Fertigkeiten aufbot, versetzte die gesamte Galoppsport-Szene in Staunen. Beim berühmtesten Galopprennen der Welt, dem Prix de l’Arc de Triomphe in Paris, trieb der italienische Jockey die vierjährige Stute Enable zu einem atemberaubenden Schlussspurt. Der große Konkurrent Sea of Class kam herangerauscht, doch Dettori und Enable passierten noch zwanzig Zentimeter davor den Zielpfosten. Es war ein unglaublicher Ritt, dem der 47-Jährige seinen sechsten Sieg auf der Rennbahn ParisLongchamp verdankt – so viele, wie kein anderer Jockey.

In gewisser Weise schloss sich am Sonntag für Dettori ein Kreis, denn genau vor 30 Jahren war er zu seinem ersten Ritt im Arc angetreten. Damals konnte noch keiner ahnen, dass er der Superstar des Galoppsports werden würde.

Begonnen hatte alles mit einer sehr weitsichtigen Entscheidung seines Vaters. Gianfranco Dettori war in Italien lange Zeit die Nummer eins unter den Jockeys, er wusste aber, dass der internationale Durchbruch für seinen Sohn nur in England oder Frankreich möglich war. Frankie Dettori ging also nach England – und schaffte es dort ungewöhnlich schnell unter die besten zehn Jockeys. Dabei war es zuvor quasi unmöglich gewesen, auf der Insel zu den Top Ten zu gehören. Jockeys reiten meistens bis zum 50. Lebensjahr und lassen so schnell niemanden in ihre Führungsriege eindringen. Dettori aber gelang es. Dazu verhalfen ihm nicht nur seine sportlichen Stärken, sondern letztendlich auch die Verpflichtung durch den mächtigsten Mann im internationalen Vollblutsport: Scheich Mohammed aus Dubai.

Seit er bei Scheich Mohammed engagiert war, eilte er von Erfolg zu Erfolg. Ob in Europa, Asien, USA oder Australien: Der neue Wunderjockey gewann so gut wie alle renommierten und hochdotierten Rennen. Auch in Deutschland war er in Gruppe-I-Rennen regelmäßig und meist erfolgreich zu Gast.

Es folgten 20 Jahre auf der Überholspur. Doch Dettori nahm Drogen – und dafür bekam er schließlich die Quittung, als Scheich Mohammed ihn 2013 feuerte. Damals war Dettori buchstäblich am Ende. Vor allem dämmerte ihm die fundamentale Einsicht eines jeden großen Jockeys: Nur gute Pferde können einen außergewöhnlichen Jockey hervorbringen; aber auch der beste Jockey der Welt kann den Pferden nicht das Fliegen beibringen.

Was folgte, war die ernüchternde Erkenntnis über die Härte des Lebens im Rennsport, die 90 Prozent seiner Kollegen jeden Tag erfahren: Wer nicht im Rampenlicht steht, hat zwar ab und zu einen Glückstreffer, muss aber in der Regel mit der zweiten und dritten Klasse der Rennpferde vorliebnehmen. Lange hätte Dettori dieses Leben nicht mitgemacht, aber zu seinem Glück bot ihm der Trainer John Gosden in England eine neue Zukunftsperspektive. Gerade noch rechtzeitig, denn es führte zu dem am Sonntag gekrönten Comeback.

Während viele Comebacks eher erbärmlich verlaufen, trat Dettori den Gegenbeweis an. Mit seinen 47 Jahren stellt er derzeit immer noch alles in den Schatten und mindestens drei Jahre will er noch weitermachen. Zum Glück für den Rennsport.

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