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Der FC Liverpool gewinnt den Ligapokal -Torwart Caoimhin Kelleher (re.) avancierte dabei zum Matchwinner.
© Greenwood/imago images

Torwart Caoimhin Kelleher wird zum Matchwinner: Liverpool gewinnt den Ligapokal gegen Chelsea nach Elfer-Krimi

Liverpool gewinnt erstmals unter Jürgen Klopp den Ligapokal. Im Finale gegen Chelsea und Thomas Tuchel siegen die Reds erst im Elfmeterschießen.

Jürgen Klopp tanzte nach dem Abpfiff strahlend vor der Tribüne, das Wembley-Stadion erstrahlte in rotem Licht. Erstmals unter dem deutschen Coach hat der FC Liverpool den englischen Ligapokal gewonnen. Die Reds setzten sich am Sonntagabend in der Verlängerung des Finales mit 11:10 im Elfmeterschießen gegen Thomas Tuchels FC Chelsea durch.

Die beiden Teams lieferten sich vor 85 512 Zuschauern im stimmungsvollen Londoner Wembley-Stadion eine rasante Partie und eines der unterhaltsamsten Ligapokal-Endspiele seit Jahren. „Man muss auch Glück haben“, sagte Klopp dem Sender Sky Sports. „Wir hatten Glück. Das Spiel hätte auch 5:5 ausgehen können.“

Ausgerechnet der für das Elfmeterschießen eingewechselte Chelsea-Torhüter Kepa vergab den entscheidenden Schuss, nachdem zuvor alle 21 Schützen vom Punkt getroffen hatten. Tuchel nahm die Verantwortung für die Final-Niederlage auf sich, nachdem sein Torwart-Schachzug diesmal nicht aufgegangen war.

„Wenn ihr jemandem die Schuld geben wollt, gebt sie mir. Ich treffe die Entscheidungen, und ich treffe sie nicht, um der Held zu sein“, sagte Tuchel nach der bitteren Niederlage. Dabei hätte Tuchel am Sonntagabend in der Verlängerung des Finales wie im gewonnenen UEFA-Supercup-Finale im August wieder ein kluger Schachzug gelingen können. Damals war Keeper Kepa Arrizabalaga auch extra eingewechselt worden und sicherte mit zwei gehaltenen Elfmetern gegen den FC Villarreal aus Spanien den Titel.

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Doch gegen Liverpool ging es schief. Dabei hätte Mendy vielleicht sogar zum Matchwinner können. Der 29-Jährige, der über 119 Minuten überragend spielte, gewann vor Kurzem mit dem Senegal den Afrika-Cup gegen Ägypten - wo er im Endspiel im Elfmeterschießen einen Versuch parierte.

Trainer Thomas Tuchel wechselte kurz vor Schluss seinen Ersatztorwart Kepa (Mi.) ein.
Trainer Thomas Tuchel wechselte kurz vor Schluss seinen Ersatztorwart Kepa (Mi.) ein.
© Shopland/imago images

Kelleher wurde zum Matchwinner

Während der regulären Spielzeit und in der 30-minütigen Verlängerung war kein Tor gefallen. Dabei hatten sich Chelsea mit dem deutschen Nationalspieler Kai Havertz in der Sturmspitze und die Klopp-Elf mit den Offensivstars Mohamed Salah, Sadio Mané und Luis Diaz zeitweise einen offenen Schlagabtausch mit hochkarätigen Chancen auf beiden Seiten geliefert.

Ein vermeintliches Tor des ehemaligen Schalkers Joel Matip für die Reds wurde nach Videobeweis wegen einer Abseitsstellung von Virgil van Dijk aberkannt. Bei den Blues zählten zwei Tore des starken Havertz und ein Treffer des eingewechselten Romelu Lukaku nicht.

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Der Ligapokal gilt in England als eher unbedeutend im Vergleich zum FA Cup. Trotzdem ließen beide Trainer fast in Bestbesetzung spielen. Klopp ließ im Tor der Reds allerdings statt Stammkeeper Alisson dessen Vertreter Caoimhin Kelleher ran, der im Spiel eine überragende Leistung zeigte, beim Elfmeterschießen aber keine so gute Figur machte - bis er selbst traf.

„Caoimhin Kelleher ist ein junger Kerl, der den ganzen Wettbewerb gespielt hat, was sollte ich tun?“, erklärte Klopp den Wechsel. „Er verdient es.“ Bei Chelsea verhinderte Torhüter Edouard Mendy mit spektakulären Paraden den Rückstand seines Teams, bevor er für den unglücklichen Kepa zwischen den Pfosten Platz machte.

Überschattet wurde die Partie vom Krieg in der Ukraine. Vor dem Anpfiff hatten Teams und Zuschauer in Wembley ihre Solidarität mit der Ukraine bekundet. Auf den Stadionbildschirmen stand in den Farben Blau und Gelb „Fußball steht zusammen“. Tausende Fans stimmten das Lied „You'll Never Walk Alone“, gleichzeitig die Vereinshymne Liverpools, an. Auf der Tribüne waren Ukraine-Flaggen zu sehen.

Thomas Tuchel (re.) glaubt, dass sich nach dem Abramowitsch-Rückzug nichts ändern wird bei Chelsea.
Thomas Tuchel (re.) glaubt, dass sich nach dem Abramowitsch-Rückzug nichts ändern wird bei Chelsea.
© Klein/REUTERS

Tuchel zu Abramowitsch-Rückzug: „Glaube nicht, dass sich was ändert“

Am Samstag hatte der russische Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch, dem eine Nähe zu Kreml-Chef Wladimir Putin vorgeworfen wird, die Kontrolle über den Club aus London abgegeben. Wegen des Kriegs in der Ukraine wurden in Großbritannien Forderungen laut, Sanktionen gegen den russischen Milliardär zu verhängen. Zum Verkauf steht der FC Chelsea dem Vernehmen nach aber bislang nicht.

Chelsea-Coach Thomas Tuchel erwartet durch den Teilrückzug von Inhaber Roman Abramowitsch vorerst keine unmittelbaren Auswirkungen auf den Club. „Ich glaube nicht, dass sich für mich im Tagesgeschäft irgendwas verändert“, sagte er nach dem verlorenen Ligapokal-Finale seines Teams gegen den FC Liverpool.

Er sei im engen Kontakt mit Sportdirektorin Marina Granowskaja und dem technischen Berater Petr Cech. „Ich kümmere mich um die erste Mannschaft, gebe meinen Input und gebe mein Bestes, um Fußballspiele zu gewinnen“, sagte Tuchel. „Das wird sich dadurch nicht ändern.“ (dpa)

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