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Trainer Pellegrino Matarazzo bedankte sich nach dem Spiel bei Atakan Karazor.
© IMAGO/Pressefoto Baumann

Vorwurf der sexuellen Nötigung: Nicht zu viel der Ehre für Atakan Karazor

Der VfB Stuttgart feiert in Atakan Karazor einen Spieler, der dem Vorwurf der sexuellen Nötigung ausgesetzt ist. Das mutet merkwürdig an. Ein Kommentar.

Ein Kommentar von Martin Einsiedler

Ist Atakan Karazor nun Täter oder Opfer? Das ist die Frage und die Wahrheit kennen wohl nur der Spieler des VfB Stuttgart, ein Freund von ihm und eine 18 Jahre alte Spanierin, die den beiden zunächst Vergewaltigung vorwarf. Inzwischen ist von sexueller Nötigung die Rede. Es steht Aussage gegen Aussage. Karazor verbrachte bereits sechs Wochen auf Ibiza in Untersuchungshaft, ist aber inzwischen nach Zahlung einer Kaution auf freiem Fuß.

Karazor ist sogar so frei, dass er am vergangenen Wochenende wieder Fußball spielen durfte. Als der Mittelfeldspieler beim Remis gegen Leipzig in der 90. Minute eingewechselt wurde, jubelten die meisten Fans in der Stuttgarter Arena auf. Auch ein paar Buhrufe waren zu hören. Und als das Spiel vorbei war, lief VfB-Sportdirektor Sven Mislintat auf den 25-Jährigen zu und umarmte ihn innig.

Spieler wie sportlich Verantwortliche äußerten sich in diesen Tagen ausschließlich lobend über den Spieler, der es trotz U-Haft geschafft hatte, topfit zum Bundesligastart zu erscheinen und dessen Stimme, wie VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo betonte, so wichtig für das Team sei.

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Sven Mislintat hat recht, wenn er auf die Unschuldsvermutung verweist. Und richtig ist auch, wie er jüngst in einem Podcast beklagte, dass in unserer Zeit sehr schnell – besonders in den sozialen Medien – vorschnell ein oder vielmehr tausende hässliche Urteile über die jungen Fußballer gefällt werden.

Dennoch mutet der Umgang des Klubs mit dem Spieler merkwürdig an. Die Vorwürfe gegen Atakan Karazor stehen nun einmal weiterhin im Raum, er ist nur unter Auflagen frei. Es ist daher eines, auf die gültige Rechtslage zu verweisen und seinen Angestellten zu schützen. Es ist aber etwas anderes, einen Bundesligaspieler mit Vorbildwirkung, gegen den ein Verfahren wegen sexueller Nötigung läuft, abzufeiern. Solange Karazor nicht von den Vorwürfen befreit ist, sollte der VfB für ihn ein bisschen weniger Verehrung zeigen. So scheint Karazor rehabilitiert, bevor Klarheit über Schuld oder Unschuld besteht.

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