Nike Oregon Project gestoppt : Wie geht es weiter für Konstanze Klosterhalfen?

Das Ende des Nike Oregon Projects trifft Konstanze Klosterhalfen schwer. Zumal die Olympischen Spiele in Tokio nicht mehr fern sind.

Mit wehender Mähne. Konstanze Klosterhalfen schwärmte vom Nike Oregon Projekt. Nun wurde es eingestellt.
Mit wehender Mähne. Konstanze Klosterhalfen schwärmte vom Nike Oregon Projekt. Nun wurde es eingestellt.Foto: Martin Rickett/PA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Vor rund zwei Monaten kam Konstanze Klosterhalfen im Bauch des Berliner Olympiastadions um die Ecke gebogen. Sie grinste und sah aus, als hätte sie ein paar Tage im Urlaub verbracht. Dabei hatte sie kurz zuvor in Berlin einen zwanzig Jahre alten deutschen Rekord über 5000 Meter um 16 Sekunden unterboten. Klosterhalfen - Spitzname: Koko - schien über die blaue Tartanbahn mit ihren langen Haaren zu fliegen, die Zweitplatzierte Alina Reh war die einzige, die von ihr nicht überrundet wurde.

Bei einer solch frappierenden Überlegenheit stellen sich Fragen. Im Falle von Klosterhalfen betrafen die insbesondere ihre neue sportliche Heimat: das Nike Oregon Project in den USA. Wahre Wunderdinge wurden darüber berichtet, von Möglichkeiten, die es in keinem anderen Trainingszentrum der Welt gäbe. Doch wo im Sport vom Wunder gesprochen wird, ist das Doping meist nicht fern. Das wusste an jenem Augusttag im Olympiastadion auch Konstanze Klosterhalfen. Deswegen sagte sie: „Kommen Sie in Oregon vorbei und schauen Sie es sich an.“

Zwei Monate später hat sich das erledigt. Das Nike Oregon Project ist seit Freitag Geschichte. „Wir haben beschlossen, das Oregon-Project zu beenden, damit sich die Athleten auf ihre Trainings- und Wettkampfbedürfnisse konzentrieren können“, teilte Nike mit. Der US-Sportartikelriese reagierte damit auf die vierjährige Sperre des NOP-Cheftrainers Alberto Salazar, dem im Zeitraum von 2010 bis 2014 gravierende Verstöße gegen die Anti-Doping-Regeln nachgewiesen werden konnten.

„Es ist ein erster wichtiger Schritt, vor allem die aktuellen Athleten und deren Leistungen zu schützen, denn deren und meine sportliche Leistung ist seit der letzten Woche leider aufgrund der Umstände in den Hintergrund geraten“, erklärte Klosterhalfen am Freitag in einer Stellungnahme. Sie könne den Schritt komplett nachvollziehen.

Auch für den Deutschen Leichtathletik-Verband war die Causa heikel

Aber was wird nun aus der Läuferin, die noch bei den jüngst in Katar ausgetragenen Leichtathletik-Weltmeisterschaften die Bronzemedaille über 5000 Meter gewann? Das Management der 22-Jährigen reagierte am Freitag nicht auf eine Tagesspiegel-Anfrage. Klosterhalfen hatte bis zuletzt beteuert, nichts von irgendwelchen Doping-Praktiken erfahren zu haben. Auch könne sie nur das Beste über das Oregon Project berichten. Die junge Frau war schwer begeistert und begeisternd waren ihre Zeiten, denen aber immer der Zweifel anhaftete. Dabei ist Klosterhalfen nie positiv auf Doping getestet worden ist. Nun ist für sie in Oregon alles vorbei.

Aber nicht nur für sie, sondern für ein knappes Dutzend an Weltklasseläufern wie etwa Sifan Hassan. Die für die Niederlande startende Äthiopierin gewann in Katar zwei Goldmedaillen. Nike machte am Freitag keine Angaben, ob und inwiefern das Unternehmen künftig seine NOP-Athleten und -Trainer unterstützt und wo diese ihren Sitz haben werden.

Die Einstellung des Nike Oregon Projects kommt für die Sportler zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Schließlich finden im nächsten Jahr die Olympischen Spiele in Tokio statt, der sportliche Höhepunkt für die Leichtathleten.

„Wir werden wie bereits bei der WM in Doha von mir angekündigt, intensive Gespräche mit Konstanze Klosterhalfen und ihrem Management suchen, um die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele optimal abzusichern“, sagte Idriss Gonschinska. Der Generaldirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) betonte dabei, dass Klosterhalfen selbstverantwortlich entscheide, wie es weitergehe. „Wichtig ist es aus meiner Sicht, die beste und nicht die schnellste Lösung zu finden.“

Aus den Reaktionen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) zu dem Fall war Erleichterung herauszuhören. „Für mich ist der Beschluss, das Oregon Project nach der Salazar-Sperre zu beenden, eine folgerichtige Entscheidung im Sinne der Athleten und des Sports“, sagte etwa DLV-Präsident Jürgen Kessing. Dabei ist die Causa für den DLV heikel. Nike ist der Generalausrüster des Verbandes, der Vertrag läuft bis 2028.

Noch vor wenigen Monaten war das Stimmungsbild beim DLV ein anderes. Als eine Art Ritterschlag wurde es gewertet, dass eine deutsche Läuferin zum erlauchten Kreis der Spitzenathleten des Trainingszentrums in Oregon zählte. Und für die ehrgeizige Klosterhalfen war mit der Berufung ins Oregon Project ein Traum in Erfüllung gegangen. Doch von Woche zu Woche verkehrte sich der vermeintliche Traum hin zu einem Albtraum.

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