Nur einer kann aufsteigen : So wollen TeBe und Lichtenberg 47 in die Regionalliga

Die überragenden Teams liefern sich ein tolles Spitzenspiel. Der Kampf um den Meistertitel dürfte noch lange andauern.

Ecke für Lichtenberg 47 im Spitzenspiel bei Tennis Borussia.
Ecke für Lichtenberg 47 im Spitzenspiel bei Tennis Borussia.Foto: Sebastian Schlichting

Neben dem Eingang zum Kabinengang stehen die Torschützen zusammen, Tennis Borussias Karim Benyamina und Maik Haubitz von Lichtenberg 47. Gegenstand der Diskussion ist das Ausgleichstor von Haubitz. Klares Abseits, sagt Benyamina, der zuvor ausgewechselt worden war und gute Sicht auf die Szene hatte. Ein TeBe-Spieler habe hinten dringestanden, entgegnet Haubitz. Die Meinungen könnten konträrer nicht sein, die Verabschiedung ist trotzdem herzlich. Und passt damit zu diesem sonnigen Herbstsamstag im Mommsenstadion: 1:1 (1:0) im Spitzenspiel der Fußball-Oberliga Nordost, 1053 zahlende Zuschauer und ein vor allem nach der Pause hervorragendes Spiel.

Bei aller Freude über die Rahmenbedingungen zählen aber immer noch die Punkte, und da hatten die Gastgeber nach Lesart der meisten Protagonisten zwei zu wenig. „Für uns fühlt sich das wie eine Niederlage an“, sagt Trainer Dennis Kutrieb. Sein Team hatte durch Benyaminas Tor lange geführt und genügend Möglichkeiten zum 2:0 gehabt. Stattdessen erzielte Haubitz in der 88. Minute den verdienten Ausgleich. In der Tabelle ist nichts passiert, was für die Gäste die erfreulichere Nachricht ist. Sie bleiben drei Punkte vor TeBe. Das Duell der stärksten Teams der Liga – Lichtenberg ist nach 13 Runden ungeschlagen, TeBe hat einmal verloren – geht weiter.

Der Meister steigt auf, beide beschäftigen sich damit, allerdings mit völlig unterschiedlichen Herangehensweisen. „Wir haben feste sportliche und wirtschaftliche Ziele. Wir wollen in die Regionalliga“, betont Jens Redlich, Vorstandsvorsitzender bei TeBe. Vierte Liga, das soll es für den Ex-Bundesligisten schon sein. Lichtenberg würde in der Regionalliga Neuland betreten. „Einmal auf diesem Niveau spielen, das wäre ein Traum und eine tolle Belohnung für die Arbeit der letzten Jahre“, sagt der Sportliche Leiter Benjamin Plötz, „aber bei uns würde es bei Feierabend-Fußball bleiben.“

Auf Lichtenberg wartet eine Herkulesaufgabe

Plötz steht vor dem Pressekonferenz- Raum im Mommsenstadion, macht eine ausladende Armbewegung: „Solche Bedingungen haben wir nicht.“ Weder finanziell, noch bei der Infrastruktur. Renovierungsarbeiten in den Kabinen und den Containern, die im Lichtenberger Hans-Zoschke-Stadion als Geschäftsstelle dienen, hat Plötz selbst erledigt. Er freut sich, dass mehr als 100 Fans zum Spiel bei TeBe mitgekommen sind. „Eine Herkulesaufgabe“ wäre die Regionalliga laut Plötz – sportlich, wirtschaftlich und organisatorisch. Eine, auf die sie sich freuen. Nach mehreren Jahren in der Spitzengruppe der Oberliga wäre der Verein bereit, die Stimmung ist bestens.

Weniger entspannt geht es bei Tennis Borussia zu. „TeBe si – Vorstand no“, stand auf einem Plakat, das in der zweiten Halbzeit vor dem Fanblock hing. Dieser war gut gefüllt, aber es herrschte Ruhe. Grund ist das Verhältnis zwischen Redlich und Teilen der Fans, das seit Monaten auf dem Nullpunkt ist. „Wir sind gesprächsbereit. Doch daran ist die andere Seite nicht interessiert“, sagt Redlich. Gemeint ist die Abteilung „Aktive Fans“.
Der Vorstandschef, gleichzeitig Hauptsponsor, sagt von sich, dass er „sehr klare Konturen zeichnet und immer klare Worte findet“. Er vergreife sich häufig im Ton, sagen seine Kritiker. Nach ihrer Ansicht ist sein Führungsstil intransparent und autokratisch. Im Sommer hatten zwei Fanbeauftragte Konsequenzen gezogen und waren zurückgetreten. Manche der aktiven Fans gehen nicht mehr ins Stadion, der Rest schweigt meist. So werde die Mannschaft bestraft, monierten andere Anhänger auch gegen Lichtenberg. Nicht nur der späte Ausgleich war also aus TeBe-Sicht unerfreulich an diesem sonnigen Herbstsamstag.

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