Testspiel des 1. FC Union : Urs Fischer spielt gegen seine Vergangenheit

Am Samstag treffen die Berliner im letzten Test vor dem Ligaauftakt gegen Köln auf den FC Basel. Zugang Carlos Mané könnte dabei debütieren.

Das waren noch Zeiten. 2016 gewann Urs Fischer mit dem FC Basel die Meisterschaft.
Das waren noch Zeiten. 2016 gewann Urs Fischer mit dem FC Basel die Meisterschaft.Foto: Georgios Kefalas/dpa

Urs Fischer wird sicherlich viele Hände schütteln müssen. Wenn der 1. FC Union am Samstag (14 Uhr) den FC Basel zum letzten Test vor dem Topspiel der Zweiten Liga gegen den 1. FC Köln im Stadion An der Alten Försterei empfängt, ist es für den Coach der Berliner ein Aufeinandertreffen mit seiner Vergangenheit. Von 2015 bis 2017 trainierte Fischer den Schweizer Spitzenklub, einige seiner damaligen Spieler werden auch in Berlin dabei sein. Mit dem Schweizer FCB holte er in beiden Spielzeiten die Meisterschaft, im zweiten Jahr sogar das Double. Dennoch entschied sich der Verein im Januar 2017 für eine Trennung zum Saisonende. Der neue Vorstand wollte neue Impulse setzen, Fischer war trotz seiner Erfolge nicht mehr gefragt. Einen Titel hat der einstige Serienmeister seitdem nicht mehr gewonnen.

Die Trennung habe ihn schon gewurmt, hat Fischer der „Neuen Zürcher Zeitung“ mal erzählt, ein schlechtes Wort über seinen ehemaligen Verein hat man von ihm aber nicht gehört. Dafür ist Fischer nicht der Typ. In den Tagen vor dem Testspiel war der Trainer nicht zu sprechen. Dafür sei keine Zeit, teilte Union mit. Große Sentimentalitäten wären aber auch sonst nicht zu erwarten gewesen. Fischer betrachtet die Dinge meist nüchtern, rational, pragmatisch. Sich selbst stellt er eigentlich nie in den Vordergrund.

In Basel wurde Fischer von einigen Medien heftig kritisiert

Spricht man mit Fischer über seine Baseler Zeit, wird aber schnell klar, dass er sich in einigen Situationen ungerecht behandelt gefühlt hat. Besonders sein Verhältnis zu manchen Medien war schwierig. Trotz seiner Erfolge wurde sein Fußball teils heftig kritisiert. Defensiv, ja sogar langweilig sei er gewesen. Von „Angsthasen-Fußball“ war die Rede und Fischer wurde als beleidigte Leberwust dargestellt. Etwas allergisch reagiert er auf die damalige Kritik immer noch. „Von 72 Spieltagen waren wir 71 an der Spitze. Wir haben einen absoluten Punkte- und einen absoluten Torrekord aufgestellt. Da soll mir mal jemand nur ansatzweise etwas von Angsthasen-Fußball erklären“, sagte Fischer dem Tagesspiegel im Herbst in einem Interview.

Besonders viel Kritik hat Fischer in Berlin bisher nicht einstecken müssen. Seine Art kommt an in Köpenick und sein erstes halbes Jahr als Union-Trainer verlief fast perfekt. Trotz des mittelgroßen Umbruchs im Sommer blieb seine Mannschaft in der gesamten Hinrunde ungeschlagen und kassierte erst im letzten Spiel des Jahres die erste Liganiederlage. Als Vierter hat Union immer noch ordentliche Chancen auf den erstmaligen Aufstieg in die Bundesliga.

Viel wichtiger als das Wiedersehen mit seinen alten Weggefährten wird für Fischer am Samstag deshalb auch der sportliche Aspekt sein. Nach drei Testspielen gegen eher schwächere Gegner im Trainingslager in Spanien ist Basel der erste und letzte echte Gradmesser vor dem Heimspiel gegen den Tabellenzweiten aus Köln - und eine gute Gelegenheit, Neuzugang Carlos Mané unter Wettkampfbedingungen zu testen.

Union hat Mané von Sporting Lissabon bis zum Saisonende ausgeliehen. Eine Kaufoption zu diesem Zeitpunkt wurde ebenfalls vereinbart. Der Spieler kennt die Liga bereits bestens. 2017 schoss er den VfB Stuttgart mit sechs Toren und neun Assists zurück in die Bundesliga. „Carlos bringt eine unheimlich hohe Geschwindigkeit mit“, sagte Oliver Ruhnert, Berlins Geschäftsführer Profifußball, zu der Verpflichtung. „Seit der ersten Kontaktaufnahme von Union war mir klar, dass ich gerne den Schritt nach Berlin gehen möchte“, sagt Mané, der nun gegen Fischers Ex-Klub sein Debüt feiern könnte.

Die Baseler stehen unter Marcel Koller in der Schweizer Liga auf Platz zwei, haben allerdings schon 19 Punkte Rückstand auf Tabellenführer Young Boys Bern. Was das bedeutet, ist klar: Beim FCB müssen sie wohl mindestens ein weiteres Jahr auf den ersten Titel nach Urs Fischer warten.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!

0 Kommentare

Neuester Kommentar