• Trainer Aito Garcia Reneses bleibt: Warum Albas Vertragsverlängerung mit einem 73-Jährigen zukunftsweisend ist

Trainer Aito Garcia Reneses bleibt : Warum Albas Vertragsverlängerung mit einem 73-Jährigen zukunftsweisend ist

Die Zukunft von Alba Berlin hat Reneses längst eingefädelt. Nun hat der Klub Zeit, einen Nachfolger aufzubauen – ein Kandidat steht schon bereit. Ein Kommentar.

Leonard Brandbeck
Erfolg im Team: Neben Chefcoach Aito Garcia Reneses (Mitte) bleiben auch Carlos Frade, Israel Gonzalez, Sebastian Trzcionka und Pepe Silva (v.l.n.r.) bei Alba.
Erfolg im Team: Neben Chefcoach Aito Garcia Reneses (Mitte) bleiben auch Carlos Frade, Israel Gonzalez, Sebastian Trzcionka und...Foto: BBL-Foto/Imago

Wer bereits seit mehr als 73 Jahren auf diesem Planeten verweilt, zählt in der Regel eher nicht zum Personenkreis derjenigen, die für die Zukunft großer Projekte stehen. Wer bereits seit mehr als 73 Jahren auf diesem Planeten verweilt, könnte nach getaner Arbeit nun eigentlich entspannt dabei zusehen, wie sich jüngere Generationen ans Werk machen. Wer bereits seit mehr als 73 Jahren auf diesem Planeten verweilt, hat sich üblicherweise einen hübschen Lebensabend verdient.

Mit Aito Garcia Reneses, einem dieser betagten Erdenbürger, die schon seit mehr als 73 Jahren auf diesem Planeten verweilen, ist es jedoch so eine Sache. Der Trainer, über dessen Wirken in Basketballkreisen ohne Zusätze wie „Legende“ oder „Grande“ kaum wer zu sprechen vermag, hat seinen Vertrag bei Alba Berlin tatsächlich noch einmal um ein weiteres Jahr verlängert und wird nun in seine vierte Saison beim Basketball-Bundesligisten gehen, so hat es der Verein am Freitag mitgeteilt.

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Von außen betrachtet mag es vielleicht ein wenig verwirrend wirken, dass ein Mann mit leicht gebücktem Gang, silbergrauem Schopf und unübersehbaren Altersspuren im Gesicht die sportlichen Geschicke eines Profiteams verantwortet, das qua Klubphilosophie für Jugend, Frische und Esprit stehen soll. Und ebenso irritierend könnte es vielleicht erscheinen, dass sich ein Klub nun schon im zweiten Jahr in Folge auf einen Trainer einlässt, der keine langfristigen Zusagen für sein Engagement geben kann.

Aber Aito Garcia Reneses ist eben kein gewöhnlicher Trainer. Kein Trainer, der einfach irgendwann den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören verpasst hat. Kein Trainer, dessen Ruf sich bloß noch aus den Erfolgen grauer Vorzeit speist. Und schon gar kein Trainer, dessen fachliche Kompetenzen sich irgendwie als staubiges Relikt aus dem vergangenen Jahrtausend in die Gegenwart gerettet haben.

Aito Garcia Reneses gibt Alba Berlin mehr als nur Siege

„Er kann so lange bei uns bleiben, wie er will“, hat Albas Geschäftsführer Marco Baldi nach dem Gewinn des Meistertitels im Juni nicht zum ersten Mal betont. In sieben von acht möglichen Finals hat Reneses den Klub während seiner Zeit in Berlin gecoacht und ihm mit dem Doublegewinn in der vergangenen Saison auch die ersehnten Titel geschenkt.

Vor allem aber hat Reneses im Klub längst etwas Wertvolleres hinterlassen als bloße Siege: Seine Philosophie vom schnellen und flüssigen Teambasketball, in den die Nachwuchsspieler so selbstverständlich hineinwachsen. Diese Philosophie wird bei Alba auch dann noch Bestand haben, wenn Reneses sich irgendwann doch einmal verabschieden sollte. Die Zukunft von Alba Berlin hat Reneses längst in die Wege geleitet.

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Dass er sie nun noch ein weiteres Jahr selbst begleitet, hat für Alba vor allem einen Vorteil: Der Klub kann nun sachte seinen Nachfolger aufbauen. Denn mit der Vertragsverlängerung ihres Chefcoachs verkündeten die Berliner zugleich, dass der bisherige Assistenztrainer Israel Gonzalez zum „Associate Headcoach“ aufsteigt und damit künftig mehr oder weniger eine Doppelspitze mit Reneses bildet.

Sportdirektor Himar Ojeda hat bereits erklärt, dass Reneses in der kommenden Saison vielleicht die eine oder andere Auswärtsreise aussetzen wird, um sich angesichts des vollgepackten Spielplans zu schonen. Dann würde Gonzalez die Verantwortung an der Seitenlinie übernehmen, so wie er es bereits in früheren gemeinsamen Zeiten in Spanien getan hat, als er seinen Chef bei gesundheitlichen Problemen vertrat.

Gut möglich also, dass Gonzalez sich nun schon einmal für höhere Aufgaben empfehlen darf. Der neue Vertrag des 45-jährigen Alba-Trainers läuft gleich über zwei Jahre.

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