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Union kämpft sich nach 0:2 zurück: Verdientes Unentschieden gegen Mainz mit Ex-Trainer Urs Fischer
Auf dem Köpenicker Acker sieht Schlusslicht Mainz 05 schon wie der Sieger aus. Doch zwei späte Treffer retten dem 1. FC Union Berlin einen Punkt.
Stand:
Was für ein Fußballspiel darf man erwarten, wenn eine Mannschaft, in der noch viel Urs-Fischer-DNA steckt, auf das aktuelle Team von Urs Fischer trifft? Die Voraussetzungen bei der Rückkehr des Schweizer Trainers nach Berlin-Köpenick am Samstagnachmittag ließen nicht unbedingt auf einen spielerischen Leckerbissen schließen.
Der 1. FC Union tut sich mit Gegnern aus der Abstiegszone traditionell schwer, der FSV Mainz 05 reiste als Tabellenletzter an – und der Rasen im Stadion An der Alten Försterei befand sich nach dem Wetter der vergangenen Tage in einem grausigen Zustand.
Das Spiel hielt über weite Strecken, was es versprochen – oder angedroht – hatte. Das Niveau war niedrig, die Fehlerquote hoch. Die Schlussphase entschädigte dafür zumindest mit einer gewissen Dramatik. Nach zwei Toren durch Nadiem Amiri und Benedict Hollerbach sah Mainz nach 70 Minuten schon wie der Sieger aus.
Woo-yeong Jeong verkürzte und eine Co-Produktion von Danilho Doekhi sowie Marin Ljubicic rettete Union vor 22.012 Zuschauenden ein 2:2 (1:0). Der Innenverteidiger setzte einen Kopfball an die Unterkante der Latte, der gerade eingewechselte Stürmer drückte den Ball sicherheitshalber über die Linie.
Für das Schlusslicht ist es nach dem Spielverlauf eine vergebene Chance, um den unmittelbaren Anschluss ans rettende Ufer herzustellen. Union verhinderte nach zwei Siegen vor Weihnachten gerade noch den Fehlstart ins neue Jahr. „Wenn du 0:2 hinten liegst und noch zwei Tore machst, bist du froh über den Punkt“, sagte Doekhi. „Das war eine gute Reaktion der Mannschaft.“
Burcu gab sein Startelfdebüt bei Union
Fischer hatte seine Mannschaft nach der kurzen Winterpause auf drei Positionen verändert, mit Hollerbach stand ein früherer Unioner in der Startelf. Auch Baumgart nahm einige Wechsel vor. Auf der offensiven Außenbahn kam Livan Burcu anstelle von Ilyas Ansah zu seinem Startelfdebüt.
Beinahe hätte sich diese Maßnahme schon in der sechsten Minute als goldrichtig herausgestellt. Rani Khedira setzte sich im gegnerischen Strafraum robust durch und legte von der Grundlinie zurück an den Fünfmeterraum. Burcu rauschte heran, schoss aber knapp links am Tor vorbei.

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Union startete engagiert, lief die Mainzer früh an und war besonders über Derrick Köhn auf der linken Seite aktiv. Die Gäste brauchten etwas, um sich an die Bedingungen und die Intensität der Berliner zu gewöhnen, erarbeiteten sich dann auch erste Chancen. Philip Tietz, Hollerbach und Amiri stellten Unions Torwart Frederik Rönnow mit ihren zentralen Abschlüssen aber nicht vor Probleme.
An filigranes Flachpassspiel war auf dem Köpenicker Acker nicht zu denken und so war der lange Ball Trumpf. Zweikampf reihte sich an Zweikampf, Union schlug Flanke um Flanke. Der Unterhaltungswert war mäßig und nach einer knappen halben Stunde war von dem anfänglichen Schwung nicht mehr viel übrig.
Ein unachtsamer Moment brachte Union jedoch ins Hintertreffen. Jae Sung Lee hatte im Mittelfeld Zeit und sah den Tiefenlauf von Amiri, bevor dessen Gegenspieler Aljoscha Kemlein diesen in seinem Rücken bemerkte. Der Pass ging halbhoch durch das gesamte Zentrum, die Absicherung in letzter Linie war nicht existent und so traf Amiri unhaltbar ins linke Eck.
So einfach lassen sich die Berliner selten ausspielen und dementsprechend mürrisch schaute Baumgart drein. Das Gegentor erweckte Union allerdings aus der Lethargie der vorherigen Minuten. Burcu suchte zweimal den Abschluss und Oliver Burke hatte eine gute Chance nach einer Ecke, war aber selbst zu überrascht über den Freiraum, den ihm die Mainzer am Fünfmeterraum ließen.
So ging es mit 0:1 in die Pause und die Gäste waren damit derart zufrieden, dass sie sich schon früh aufreizend viel Zeit ließen. Union erhöhte den Druck, tat sich aber schwer, aus dem Spiel Lücken in der gegnerischen Defensive zu finden.
Wenn du 0:2 hinten liegst und noch zwei Tore machst, bist du froh über den Punkt.
Danilho Doehki, der entscheidenden Anteil am Treffer um 2:2 hatte.
Burke hatte nach einem langen Ball eine Chance aus spitzem Winkel, konnte Daniel Batz aber nicht überwinden. Baumgart setzte mit den Einwechslungen von Ansah und András Schäfer neue Impulse, doch mitten in den einsetzenden Schneefall versetzte ein alter Bekannter den Hoffnungen auf die Wende einen Dämpfer. Mainz spielte sich über links in den Strafraum und Hollerbach vollendete im Zentrum.
Kurz darauf traf der Mainzer Stürmer auch noch das Aluminium. Doch statt der Entscheidung fiel der Anschlusstreffer. Der gerade erst eingewechselte Woo-yeong Jeong traf in der 77. Minute sehenswert per Flugkopfball.
Mainz wackelte nun und Torwart Batz leistete sich einen schwerwiegenden Fehler. Schäfer überlupfte ihn aus 25 Metern und die Berliner Fans hatten den Torschrei schon auf den Lippen. Doch der Ball klatschte gegen die Latte und Andrej Ilic konnte den Abpraller aus kurzer Distanz nicht verwerten.
Union warf alles nach vorne – und belohnte sich. Nach einem Freistoß von Köhn setzte sich Innenverteidiger Doekhi unnachahmlich gegen zwei Gegenspieler durch. Der Kopfball prallte gegen die Unterkante der Latte, Ljubicic staubte ab. Die DFL schrieb das Tor Ljubicic zu. „Ich habe noch nicht gesehen, ob der Ball hinter der Linie war. Aber egal, wer das Tor geschossen hat, es ist wichtiger, dass er drin ist“, sagte Doekhi.
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