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Hat Pläne. Fußball-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg.
© Benoit Tessier/Reuters

Der Vertrag kann warten: Voss-Tecklenburg denkt in größeren Bahnen

Die Fußball-Bundestrainerin arbeitet mit dem Verband an einem Leitfaden. Dabei stehen Gespräche über ihre eigene Zukunft erst noch aus.

Von David Joram

Beim DFB arbeiten sie gerade nach dem Top-down-Prinzip, von oben nach unten also. Vier Nationalspielerinnen kümmern sich um die Juniorinnen, denen sie online ihre Lieblingsfinten oder andere Kniffe präsentieren.

Das liegt natürlich auch daran, dass die Spielerinnen, namentlich Kapitänin Alexandra Popp (VfL Wolfsburg), Dzsenifer Marozsán (Olympique Lyon), Giulia Gwinn (FC Bayern) und Sara Däbritz (Paris Saint-Germain), gerade viel Zeit für derlei „Talks“ haben, wie es die Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg nennt. Wegen der Coronavirus-Pandemie ruht das Tagesgeschäft, die Folgen für den deutschen Frauenfußball sind vielfältig.

Viele Fragen, kaum Antworten

Viele Fragen würden sich derzeit stellen, sagte Voss-Tecklenburg in einer Videoschalte mit Pressevertretern: Wann stehen wieder Freundschaftsspiele an? Wann startet die Quali für die WM 2023? Wann nimmt die Bundesliga wieder den Betrieb auf? Antworten gibt es bislang keine.

Klar ist erstmal nur, dass der europäische Fußballverband Uefa die Europameisterschaft der Frauen von 2021 auf 2022 verlegt hat. Vom 6. bis 31. Juli soll in England der neue Kontinentalmeister gekürt werden.

Der ursprüngliche Termin war nicht zu halten, fand die Uefa, weil die Männer coronabedingt bereits das Jahr 2021 beanspruchen. Der Vorstoß von DFB-Kapitänin Popp, beide Turniere gemeinsam auszutragen, begeisterte die Gremien offenbar nicht.

„Ich stelle mir das ganz cool vor. Das wäre eine Welle, auf der wir mit dem Frauenfußball mitschwimmen und einen Riesenmehrwert mitnehmen könnten“, hatte Popp gesagt – und damit eine gänzlich andere Meinung als Voss-Tecklenburg vertreten.

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„Ich bin völlig fein damit, dass es so entschieden wurde“, sagte die Bundestrainerin am Freitag, die betonte, dass die Fußballerinnen angesichts mangelnder Konkurrenzangebote nun ein „Alleinstellungsmerkmal“ in diesem Zeitraum hätten.

Dass Voss-Tecklenburg das Team bei der EM betreuen wird, gilt zwar als wahrscheinlich, ist vertraglich aber noch nicht geklärt. „Der Vertrag läuft ja noch 14 Monate, da haben wir jetzt noch nicht unbedingt Druck. Für uns steht eine sportliche Planung im Vordergrund“, sagte die Trainerin.

An einer Verlängerung dürfte beiden Parteien gelegen sein. Der DFB hielt auch nach dem enttäuschenden WM-Aus 2019 im Viertelfinale gegen Schweden (1:2) zu Voss-Tecklenburg, die eine gründliche interne Aufarbeitung versprach.

Die 52-Jährige denkt dabei in größeren Bahnen. Mit dem Verband will sie einen Leitfaden für den Nachwuchsbereich des DFB erstellen. Es geht strukturelle Themen und viel Detailarbeit, damit das System unabhängiger von einzelnen Personen werde, so Voss-Tecklenburg. Wie das alles vermittelt werden soll, verriet die Bundestrainerin auch: von oben nach unten nämlich.

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