• Wasserball-Finalserie Waspo gegen Wasserfreunde: „Für Spandau sind Titel normal“

Wasserball-Finalserie Waspo gegen Wasserfreunde : „Für Spandau sind Titel normal“

Hannovers Wasserballer Julian Real über die perfekte Wassertemperatur und das Meisterschaftsfinale gegen die Wasserfreunde aus Spandau.

Für Julian Real geht es nun in die Finalserie mit Hannover.
Für Julian Real geht es nun in die Finalserie mit Hannover.Foto: imago images / Camera 4

Julian Real, 30, ist Hannovers Abwehrchef und geht mit Waspo an diesem Mittwoch in die Finalserie gegen Spandau. Zuvor hat Sebastian Schlichting mit ihm gesprochen.

Herr Real, Sie haben zuletzt mit Waspo Hannover beide Halbfinals gegen den Ortsrivalen White Sharks unter freiem Himmel im Volksbad Limmer gespielt, die Endergebnisse lauteten 23:5 und 21:7.
Sportlich bringen uns diese hohen Siege nicht voran. Da konnten wir im dritten Gang spielen. Aber es hat richtig Spaß gemacht – endlich wieder mit Zuschauern und dazu noch draußen. Es war warm, die Sonne hat geschienen und das Freibadfeeling finde ich ohnehin toll.

Sie klingen begeistert.
Große Turniere finden oft draußen statt. Schade, dass in der Liga so selten im Freibad gespielt wird. Wasserball gehört nach draußen.

[Jetzt noch mehr wissen: Mit Tagesspiegel Plus können Sie viele weitere spannende Geschichten, Service- und Hintergrundberichte lesen. 30 Tage kostenlos ausprobieren: Hier erfahren Sie mehr und hier kommen Sie direkt zu allen Artikeln.]

Wie sehen perfekte Wasserball-Bedingungen im Freibad für Sie aus?
25 Grad Wasser- und Außentemperatur sind super.

So warm wird es am Mittwochabend nicht sein, wenn um 18 Uhr in Hannover die Finalserie gegen die Wasserfreunde Spandau 04 beginnt.
Aber es soll laut Prognose recht schön werden.

Anders als Waspo trägt Spandau die Final-Heimspiele in der Halle aus. Wo liegen die größten Unterschiede?
Du bekommst draußen viel mehr Sauerstoff beim Atmen und der Körper muss im kälteren Wasser mehr arbeiten.

Für welche Mannschaft ist die Umstellung größer?
Die ist für beide groß. Wir haben das in Berlin gesehen...

… als es vorige Woche um Setzplatz eins für die Play-offs ging. Spandau hat 12:10 gewonnen …
Wir haben den ganzen Sommer draußen trainiert und sind einen Tag vorher mal in die Halle gegangen. Ich denke aber, es ist einfacher aus dem Freibad in die Halle zu kommen als andersherum. Insgesamt ist Spandau durch den Sieg letzte Woche Favorit. Aber wir werden diesmal stärker sein. Ich gehe davon aus, dass wir unser Heimspiel gewinnen.

Mit Waspo und dem ASC Duisburg waren Sie Meister und Pokalsieger, haben dabei die Wasserfreunde geschlagen. Wie lautet das Rezept?
Die Spandauer lauern auf Konter und sind immer für schnelle Tore gut. Wenn wir sie zu einem ruhigeren Spiel zwingen, haben wir eine Chance.

Das Finale heißt zum vierten Mal in Folge Spandau gegen Waspo. In der Champions League bleiben große Erfolge aber aus. Würde eine Bundesliga mit mehr starken Mannschaften helfen?
In anderen Ligen ist das Gefälle ebenfalls groß. Wir haben in Deutschland zwei personell sehr gut besetzte Mannschaften, die professionell aufgestellt sind.

Warum gelingt dann auf europäischer Ebene so wenig?
Das ist die Frage. Von den Voraussetzungen her müssten wir mehr erreichen. Ganz oben in Europa tauchen aber meist dieselben Namen auf. Es ist schwer, in diesen Kreis vorzudringen.

Marko Macan ist neu bei Hannover, Marino Cagalj und Ivan Zovic bei den Wasserfreunden, alle drei sind Kroaten. Bringen Spieler dieses Formats die Bundesliga nach vorn?
Das Niveau der Spitzenteams steigt, aber nicht das der Liga. Da werden die Unterschiede noch größer. Und es ist traurig, dass es keine deutschen Talente gibt, die Spandau und Waspo holen können.

Sie sind Kapitän der Nationalmannschaft, haben mehr als 200 Länderspiele absolviert, Spandau 04 ist die absolute Nummer eins im deutschen Wasserball. Stand nie ein Wechsel im Raum?
Das war kein Thema. Aber ich habe auch nicht aktiv gesagt, dass ich nach Berlin möchte.

Dann würden aber noch mehr Titel in Ihrer Vita stehen.
Spandau ist Rekordmeister, Titel sind dort normal. Ich kämpfe lieber gegen den Favoriten, um die Sensation zu schaffen. Und die Titel, die ich bis jetzt geholt habe, wurden auch schön gefeiert.

Beispielsweise mit einem Einkaufswagen.
(Lacht) Sie spielen auf 2018 an. Unser Präsident Bernd Seidensticker liebt den Stadtteil Linden-Limmer. Wir haben dort unsere drei Pokale in einen Einkaufswagen gepackt und sind die Straße runter, ganz spontan. Das war großartig. Wenn wir wieder Meister werden, kann ich mir aber auch eine Party im Vereinsheim vorstellen.

Bernd Seidensticker und Spandaus Präsident Hagen Stamm mögen sich bekanntermaßen nicht besonders. Wie sieht es bei den Spielern aus?
Da besteht großer Respekt. Die eine Stunde Wasserball und den Rest können wir trennen. Und die Nationalspieler haben ja noch ein gemeinsames Ziel im Hinterkopf.

Die Olympischen Spiele, die wegen der Coronavirus-Pandemie ins nächste Jahr verschoben worden sind. Die Qualifikation ist für kommenden Februar geplant.
Bis dahin sind es noch knapp sechs Monate, das ist im Sport eine kurze Zeit. Da tut jedes Spiel auf hohem Niveau gut. In anderen Ländern ist schon viel früher begonnen worden – als bei uns noch keiner wusste, wie es weitergeht.

[Mehr guten Sport aus lokaler Sicht finden Sie – wie auch Politik und Kultur – in unseren Leute-Newslettern aus den zwölf Berliner Bezirken. Hier kostenlos zu bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Hat es auch einen positiven Effekt für die Sportart Wasserball, dass die zunächst abgebrochene Saison noch stattfindet?
Den Effekt gibt es. Er wäre allerdings noch weitaus größer, wenn wir bei Olympia dabei sind. Aber wer weiß, was bis Februar passiert und wie es im nächsten Sommer aussieht. Ich glaube nicht, dass Zuschauer zu den Olympischen Spielen nach Tokio reisen dürfen, wenn es bis dahin keinen Impfstoff gegen das Coronavirus gibt.

Derzeit wird öfter ins Spiel gebracht, Olympia ohne Publikum auszutragen. Wäre das besser als nichts?
Ich kann mir das größte Sportevent der Welt nur sehr schwer ohne Zuschauer vorstellen. Das wäre eine Trauerstimmung.

Die nächsten Spiele stünden 2024 an. Wollen Sie bis dahin weitermachen?
Ich bin dann 34. Nein, das mache ich nicht. Freunde von mir außerhalb des Wasserballs haben jedes Wochenende Zeit für ihre Familie. Wir sind dagegen ständig unterwegs. Ich sehne mich nach einer gewissen Jobnormalität, denn auch meine Familie bleibt auf der Strecke. Ich war diesmal durch die Corona-Pause anders als sonst den ganzen Sommer zu Hause. Das habe ich sehr genossen.

Beim Thema Job leiten Sie schon alles für die Zukunft in die Wege. Sie arbeiten in Teilzeit im Finanzcontrolling und stehen kurz vor dem Ende des BWL-Studiums. Haben Sie Ihre Masterarbeit bereits begonnen?
Nach dem Finale geht es los. Jetzt hätte ich dafür keine Ruhe: Wir spielen Mittwoch, Donnerstag ist Erholung, Samstagfrüh geht es nach Berlin, dort spielen wir zweimal und fahren Sonntag wieder zurück.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!

0Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben