• Weiter Probleme beim Bundesligastart: Der Videobeweis braucht dringend eine Reform

Weiter Probleme beim Bundesligastart : Der Videobeweis braucht dringend eine Reform

Bei der WM funktionierte er bestens, in der Bundesliga verschlimmbessert der Videobeweis sogar die Entscheidungen des Schiedsrichters. Ein Kommentar.

Auch Schiedsrichter Bastian Dankert flüsterten die Videoassistenten bei Bayern gegen Hoffenheim oft ins Ohr.
Auch Schiedsrichter Bastian Dankert flüsterten die Videoassistenten bei Bayern gegen Hoffenheim oft ins Ohr.Foto: dpa

Der Fußball ist der Political Correctness gänzlich unverdächtig. Aber ein derartiges Defizit diesbezüglich überrascht dann doch. „Wir haben es bei der Weltmeisterschaft gesehen: Da hatten wir einen leitenden Schiedsrichter aus Simbabwe, einen Vierten Offiziellen aus Saudi-Arabien, und im Videoraum saß einer aus Uruguay“, sagte Hoffenheims Manager Alexander Rosen am Wochenende. „Es gab keine Testphase – und der Videobeweis wurde zu etwas gemacht, was er sein soll, nämlich eine wunderbare, sinnvolle und gerechte Einrichtung. Und dann kommen wir Deutschen und haben das, was wir heute erlebt haben.“ Subtext: Die Laien aus den Fußballentwicklungsländern bekommen es besser hin als die Experten aus dem Land des viermaligen Weltmeisters.

Nun hätte Rosen den Sachverhalt sicher eleganter formulieren können. Aber in der Sache hat der Mann – da bleibt nach dem ersten Bundesligaspieltag kein Zweifel – sicher recht. Unzählige Male wurde der Videobeweis herangezogen und selten nur brachte er weiterführende Erkenntnisse. Im Gegenteil: Mitunter verschlimmbesserte er die Entscheidungen des Schiedsrichters. Beim Spiel zwischen Wolfsburg und Schalke zeigte Referee Patrick Ittrich nach einer Tätlichkeit von Wout Weghorst zunächst richtigerweise Rot. Nach Ansicht der Videobilder entschied er aber fälschlicherweise auf Gelb um.

Überhaupt: Wie ferngesteuert agieren die Schiedsrichter, seitdem ihnen die Videoassistenten aus Köln viel zu oft ins Ohr flüstern, dass diese oder jene Spielsituation einer genaueren Betrachtung bedarf. Damit einhergehend endet inzwischen kaum ein Spiel mehr vor der 96. Minute. Der Videobeweis macht’s möglich. Bei der WM in Russland funktionierte er auch deswegen vergleichsweise reibungslos, weil er viel seltener herangezogen wurde. Weniger ist in diesem Falle also mehr. Diese Lektion sollten wir Deutschen jetzt mal lernen.

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