• Wie der Tagesspiegel über Albas Korac-Cup-Sieg berichtete: Das Basketball-Wunder in der Deutschlandhalle

Wie der Tagesspiegel über Albas Korac-Cup-Sieg berichtete : Das Basketball-Wunder in der Deutschlandhalle

1995 feierte Alba den bisher größten Triumph in der Vereinsgeschichte. Eine Erinnerung mit Auszügen aus dem Tagesspiegel.

Da ist das Ding: Stephan Baeck, Henrik Rödl und Trainer Svetislav Pesic (v.l.n.r.) feiern den Gewinn des Korac-Cups.
Da ist das Ding: Stephan Baeck, Henrik Rödl und Trainer Svetislav Pesic (v.l.n.r.) feiern 1995 den Gewinn des Korac-Cups.Foto: Imago

Lang ist’s her. Am 15. März 1995 gewann Alba Berlin den letzten internationalen Titel, damals noch im Korac-Cup – und vor 8500 Zuschauern in der Deutschlandhalle. So hat der Tagesspiegel damals darüber berichtet.

Donnerstag, 3. März 1995

Viele Alba-Fans sind verärgert. Schlange standen sie gestern morgen vor den Verkaufsstellen, um eine Karte für das Korac-Cup-Finalspiel am 15. März in der Deutschlandhalle zu ergattern – viele gingen aber leer aus. Und die Kartenverkäufer wundern sich: „Seit drei Tagen werden aus dem Kontingent im Computer Karten abgebucht, obwohl sie offiziell noch nicht freigeschaltet sind“, beklagt sich Oliver Korn von der Vorverkaufsstelle am Wintergarten. Innerhalb einer Stunde nach Kassenöffnung waren dort, genau wie an viele anderen Kassen, die Tickets ausverkauft. Ein kleines Trostpflaster: Alba-Fans können ihr Team am 8. März beim ersten Spiel in Mailand auf einer Großleinwand in der Sömmeringsporthalle live sehen. Die Karten kosten 10 Mark, Beginn ist um 20.30 Uhr.

Freitag, 10. März 1995

Bogdan Tanjevic, der Trainer von Stefanel Mailand, zog leicht resigniert die Schulter hoch: „Wir haben es einfach nicht geschafft, Obradovic zu stoppen.“ Nicht nur Tanjevic sah Albas Sascha Obradovic am Mittwochabend in Mailand als Matchwinner an, auch wenn das erste Korac-Cup-Finalspiel zwischen Alba Berlin und Stefanel „nur“ 87:87 ausging. „Fast im Alleingang“, so Henrik Rödl, habe der Serbe das Berliner Team immer wieder ins Spiel zurückgebracht.

Dienstag, 14. März 1995

Es liegt was in der Luft, hat Svetislav Pesic festgestellt. „Das wird ein Basketball-Festival“, sagt der Trainer von Alba Berlin und glaubt felsenfest daran, daß dieses Festival mit einem Happy End für seine Mannschaft enden wird. „Ich bin überzeugt davon, daß wir dieses Spiel gewinnen werden.“ Doch bevor sich am morgigen Mittwoch um 20.15 Uhr im zweiten Korac-Cup-Finalspiel Alba und Stefanel Mailand gegenüberstehen, hat für heute erst noch Janet Jackson das Sagen – oder besser: Singen – in der Deutschlandhalle. Gleich nach dem Pop-Konzert wird wieder umgebaut und alles für den Showdown um den Cup angerichtet.

Donnerstag, 16. März 1995

Ein munteres Hin und Her war den Zuschauern bis zum Wechsel geboten worden. Mal mußten die Mailänder, bei denen Gentile bis zur Pause auch schon 17 Punkte erzielt hatte, einer Alba-Führung hinterherlaufen, mal hatten die Berliner einen Vorsprung von Stefanel aufzuholen. Die Berliner wankten, aber sie behielten den Kopf oben. Zwei Minuten und 20 Sekunden vor dem Ende lag Alba mit 79:74 vorne. Die Nerven: Gunther Behnke vergab wieder einen Freiwurf. Alibegovic traf zum 82:74, es folgte ein Dreier der Mailänder – 82:77. Noch eine Minute. Fucka vergibt zwei Freiwürfe. Hat Behnke bessere Nerven? Auch er scheitert einmal, der zweite Wurf sitzt – 83:77. Den Schlußpunkt zum 85:79 setzt dann unter dem ohrenbetäubenden Jubel der Fans Teoman Alibegovic.

Und was sich dann in der Deutschlandhalle abspielte, davon werden alle, die live dabei waren, wohl noch in vielen Jahren sprechen. „We are the Champions“ dröhnte aus den Lautsprechern. Mannschaft und Trainer liefen Ehrenrunden um Ehrenrunden. Und mittendrin war der überglückliche Svetislav Pesic, der Baumeister des Basketball-„Wunders“ von Berlin. Auf den Schultern trugen die Spieler ihren Meister und warfen ihn in die Luft; den Mann, der im August 1993 in Berlin angetreten war, um eine Mannschaft zu formen, von der man jetzt in ganz Europa spricht.

Nach dem überraschenden Gewinn des EM-Titels der Nationalmannschaft 1993 setzte Alba nun den zweiten Meilenstein in der Geschichte des deutschen Basketballs.

Freitag, 17. März 1995

„Wir haben einen großen Sieg errungen und der Welt gezeigt, daß wir eine stolze Mannschaft haben“, sagte Pesic, der den Spielern erst einmal zwei Tage trainingsfrei gab. Rasten und Ruhen gibt es für das Management hingegen nicht. Das Eisen muß geschmiedet werden, solange es heiß ist, heißt es doch so schön. „Nachdem sportlich alles getan wurde, sind wir jetzt gefordert“, meinte Manager Marco Baldi. „Morgen wird nicht lange geschlafen.“ Also versucht man unter den vielen neugewonnen Freunden gleich weitere Geldgeber zu finden, die für die ehrgeizigen Vorhaben Albas in der Zukunft (Euroleague) dringend benötigt werden. Und obendrein ist die Mannschaft nach diesem großen Sieg mit Sicherheit nicht billiger geworden. So hat eben auch der Erfolg seinen Preis. (Tsp)

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