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Trainer Cédric Énard beschreibt Georg Klein als einen echten Kämpfer.
© Imago/ Matthias Koch

„Wir haben endlich wieder angefangen, füreinander zu kämpfen“: Wie die BR Volleys ihren Teamgeist wiedergefunden haben

Die Volleys glauben vor dem vierten Duell mit Friedrichshafen wieder an die Meisterschaft. Grund dafür ist auch eine flammende Rede von Georg Klein.

Als Georg Klein im November zum Training der BR Volleys dazustieß, konnte er noch nicht ahnen, dass er am Ende der Saison zum entscheidenden Faktor werden würde. Zu diesem Zeitpunkt hatte er seine Volleyballkarriere bereits beendet, wollte sich auf das Polizeistudium konzentrieren und sollte nur kurzzeitig die Mannschaft entlasten, solange Anton Brehme verletzt war.

Aber am Ende kam alles ganz anders und nun, in der Finalserie gegen den VfB Friedrichshafen, trug Klein sogar entscheidend zum ersten Sieg der Berliner nach zwei Niederlagen bei. Auch seiner sportlichen – und vor allem mentalen – Unterstützung hat der Verein es zu verdanken, dass er die Chance auf die Titelverteidigung doch noch wahren konnte.

Denn vor dem dritten Spiel gegen Friedrichshafen am vergangenen Samstag hielt er in der Umkleide eine flammende Ansprache. „Ich hätte beinahe geweint“, erzählt Teamkollege Benjamin Patch. „Nicht unser Trainer hat eine Rede gehalten, sondern er. Und er hat gesagt, dass dieses Spiel für Jeff ist.“ Mittelblocker Jeffrey Jendryk war ausgefallen, nachdem er sich im Spiel zuvor eine Verletzung der Bänder zugezogen hatte, und konnte sein Team lediglich von der Bank aus anfeuern.

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„Georg meinte, dass wir ein weiteres Spiel erzwingen müssen, damit Jeff noch einmal die Chance erhält, zu spielen. Und er hat gesagt, dass dieses Spiel für ihn selbst ist. Weil ihm die Meisterschaft 2020 weggenommen wurde.“ Damals musste die Saison aufgrund der Corona-Pandemie vorzeitig abgebrochen werden, ohne dass ein Meister ermittelt wurde.

„Insofern haben wir dieses Spiel für einander gewonnen. Wir haben endlich wieder angefangen, füreinander zu kämpfen. Das ist es, was sich verändert hat“, resümiert Patch.

In den ersten Spielen fehlte die Leidenschaft

Tatsächlich fanden die Volleys im dritten Spiel ein ganzes Stück zu ihrer ursprünglichen Leichtigkeit zurück, die Spielfreude war ihnen deutlich anzusehen. Patch selbst hatte in Gedanken bereits Abschied von der Saison genommen und sich darauf eingestellt, dass dies sein vorerst letztes Spiel sein würde.

In den ersten beiden Finals habe dem Team die Leidenschaft gefehlt, sagt er, ebenso wie ein klares Ziel vor Augen. „Auf dem Rückweg von Friedrichshafen haben wir dann gesagt: Es reicht. Wir gewinnen das Ding jetzt oder lassen es ganz sein. Jeder hat sich 24 Stunden Zeit genommen, um seine persönliche Motivation zu finden, denn uns alle spornen unterschiedliche Sachen an.“

Georg Klein hilft seinem Team nicht nur mental, sondern auch sportlich.
Georg Klein hilft seinem Team nicht nur mental, sondern auch sportlich.
© Imago

Offensichtlich mit Erfolg: Nachdem die Volleys in sich gegangen waren und Kleins Rede gelauscht hatten, setzten sie sich erstmals in der Finalserie gegen Friedrichshafen durch.

Ein richtiger Kämpfer

Auch Trainer Cédric Énard fand lobende Worte für sein Team. „Ich bin so stolz auf die Jungs. Wenn man zweimal verliert und nicht die gewohnte Leistung zeigen konnte, ist es schwer, doch noch zu gewinnen.“ Angesprochen auf Klein geriet der Franzose sogar etwas ins Schwärmen: „Ich liebe diesen Kerl. Er gibt sein Bestes. Er ist zwar nicht in der besten Form, aber er ist ein richtiger Kämpfer. Deshalb sind mir die Statistiken bei ihm egal, weil ich weiß, dass er genau den Kampfgeist hat, den wir jetzt brauchen. Das ist so hilfreich.“

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Trotzdem weiß er um die Herausforderung, vor der sein Team im vierten Duell am Mittwoch (20 Uhr/Spontent) in Neu–Ulm steht. „Friedrichshafen weiß, dass sie es daheim schaffen müssen.“ Anderenfalls müssten sie noch einmal nach Berlin fahren, wo wieder mit über 5500 Zuschauenden zu rechnen ist.

Beim dritten Spiel wurden sogar erstmals seit der Pandemie wieder die oberen Ränge geöffnet. „Das war wie in meiner ersten Saison in Berlin. Wirklich unglaublich.“

Wenn es weiterhin so laufen soll wie 2018, dann müssten die Volleys sich den Meistertitel sichern. Ob Jeffrey Jendryk bereits in Friedrichshafen einsatzfähig ist, war am Tag vor dem Spiel noch unklar. Insofern müssen die Volleys die Serie wohl ohnehin noch etwas hinauszögern.

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