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Bei Union war Trainer Urs Fischer (l.) noch kein Fan von Benedict Hollerbach (r.). Das hat sich in Mainz geändert.

© IMAGO/Contrast

Zweite Chance für den Aussortierten: Hollerbach und Fischer kehren an die Alte Försterei zurück

Beim 1. FC Union verzichtete Trainer Urs Fischer einst auf die Champions-League-Nominierung von Benedict Hollerbach. Nun kehren beide als Mainzer nach Berlin zurück – und scheinen zueinandergefunden zu haben.

Stand:

Einen Mangel an Ambition konnte man Benedict Hollerbach wahrlich nie vorwerfen. Auch nicht, als er im vergangenen Sommer vom 1. FC Union Berlin zum FSV Mainz 05 wechselte und sich dabei ein klares Ziel setzte. „Man sollte immer das Höchstmögliche anstreben: also die Champions League“, sagte der Stürmer in einer Medienrunde damals.

Es kam, nun ja, anders. Ein halbes Jahr später ist Mainz mit acht Punkten das Tabellenschlusslicht der Bundesliga. Hollerbach, der die ersten zwei Monate der Saison auch noch mit einer Muskelverletzung verpasst hat, hat seine hohen Erwartungen inzwischen etwas anpassen müssen. Und das nicht zum ersten Mal in seiner Karriere.

Womit wir beim Ligaauftakt 2026 wären, und einem Spiel wie ein Echo aus einer vergangenen Zeit. Am Samstag (15.30 Uhr, Sky) kehrt Hollerbach erstmals seit seinem Wechsel mit Mainz zurück ins Stadion an der Alten Försterei. Und das unter Urs Fischer: dem Trainer, der seinen Champions-League-Träumen einst schon bei Union einen Dämpfer verpasst hat.

Auch damals, als er 2023 vom Drittligisten Wehen Wiesbaden zum Champions-League-Teilnehmer Union wechselte, wollte der junge Stürmer hoch hinaus. Doch als der damalige Union-Trainer Fischer seinen Kader für die Gruppenspiele gegen Real Madrid, Neapel und Braga nominierte, wurde Hollerbach nicht berücksichtigt.

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Einsätze bekam Benedict Hollerbach unter Urs Fischer.

Mit seinem Frust ging der Stürmer damals sehr offen um. „Ich war sehr enttäuscht über die Nichtnominierung für die Champions League. Darauf hatte ich mich gefreut, es ist ein Kindheitstraum, im Bernabéu zu spielen, aber die Kadersituation gibt es aktuell nicht her“, sagte er damals. „In den Gesprächen war kommuniziert worden, dass der Kader offensiv nicht so groß sein wird, wie er jetzt ist.“

Im ersten Halbjahr unter Fischer kam Hollerbach auf lediglich sieben Einsätze, davon nur zwei in der Startelf. Erst nach der Trennung vom Schweizer Trainer im November 2023 blühte er bei Union auf. Gleich im zweiten Spiel nach Fischers Abgang traf er beim erlösenden Sieg gegen Borussia Mönchengladbach. Unter dem neuen Trainer Nenad Bjelica wurde er dann zum Schlüsselspieler im Kampf um den Klassenerhalt – und spielte dabei fast so, als ob er etwas zu beweisen hätte.

Hollerbach passt besser zum Abstiegskampf als zur Champions League

Man könnte meinen, dass all das nicht die beste Grundlage für eine erneute Zusammenarbeit wäre. Doch in Mainz sind Fischer und Hollerbach wieder bei null gestartet. Schon bei seiner Ankunft betonte der Trainer, dass es kein böses Blut gebe: „Die Begrüßung fiel sehr herzlich aus, da ist nichts liegen geblieben“, sagte er bei seiner Vorstellung im Dezember. Während der gemeinsamen Zeit bei Union sei Hollerbach „noch nicht so weit gewesen“.

Ich muss sagen, er hat noch einmal eine Entwicklung gemacht.

Urs Fischer, Trainer von Mainz 05, über Benedict Hollerbach

Nun ist aber alles anders und in Mainz stand Hollerbach in den ersten vier Spielen unter Fischer dreimal in der Startelf. Nach seinem Debüt an der Seitenlinie gegen Lech Posen im Dezember schwärmte der Trainer von seinem Stürmer. „Ich muss sagen, er hat noch einmal eine Entwicklung gemacht. Es ist wichtig, dass du Entlastung in deinem Spiel hast, und das hat er heute sehr gut gemacht.”

Damit schließt sich gewissermaßen auch ein Kreis. Denn theoretisch war Hollerbach immer ein Spieler, dessen Stärken gut zum Trainer Urs Fischer passten. Einer, der viel rennt, viel ackert und viel für Entlastung sorgt. Oder, um eine Lieblingsformulierung des Schweizers zu benutzen: einer, der „eklig“ spielt.

Vielleicht ist es auch gar nicht so überraschend, dass das erst jetzt bei Mainz und nicht früher bei Union so richtig funktioniert. Denn wenn man brutal ehrlich ist, sind Hollerbachs Tugenden deutlich besser für die Schlammschlacht des Abstiegskampfs geschnitten als für den Glanz der Champions League. Insofern kann man sich bei Mainz jetzt erst recht über seinen Sommer-Neuzugang freuen. Auch, wenn dieser selbst immer noch vom Bernabeu träumen mag.

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