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Warnstreik von Verdi : BVG erwartet "mittleres Verkehrschaos" in Berlin

Bis 12 Uhr fährt am Freitag kein Bus, keine U-Bahn, keine Tram: Die Verkehrsbetriebe verurteilen das. Gewerkschafter wollen den Arbeitskampf sogar ausweiten.

U-Bahn in Berlin
U-Bahn in BerlinFoto: dpa/Daniel Naupold

Die BVG-Chefin ist sauer, stinksauer. "Ein Streik ist sicher nicht das richtige Mittel am Anfang von Tarifverhandlungen", sagte Sigrid Nikutta am Mittwoch dem Tagesspiegel. Deutlicher wird BVG-Sprecherin Petra Nelken: "Völlig unangemessen" sei der Streik zu diesem Zeitpunkt: "wir befürchten ein mittleres Chaos".

Die S-Bahn werde kaum in der Lage sein, den Verkehr aufzufangen, hieß es. Vor allem werden auch die Beschäftigten der S-Bahn Probleme haben, zu ihrem Arbeitsplatz zu kommen, befürchtet die BVG.

Was die BVG besonders empört: Verdi hat den Warnstreik von langer Hand geplant - unabhängig von den Verhandlungen. Diese begannen am 28. Januar und wurden am 11. Februar fortgesetzt. Im Polizeipräsidium hieß es, dass die große Demo vor der BVG-Zentrale in Mitte bereits am 5. Februar angemeldet worden ist. Laut Polizei erwartet der Verdi Fachbereich Verkehr vor der Zentrale in der Holzmarkstraße 4000 Teilnehmer, angemeldet ist die Demo von 9 bis 12 Uhr.

Die Stimmung ist aufgeheizt. Unter den BVG-Beschäftigten wird sogar schon der Ruf laut, den Streik aufs Wochenende auszuweiten. Die gewerkschaftliche Basisgruppe "verdi-aktiv" propagiert das beispielsweise. Mitarbeiter würden von der BVG-Leitung zum Streikbruch gedrängt, heißt es in einem Aufruf der Gruppe.

Wie berichtet, hatte Jeremy Arndt, der für die Gewerkschaft Verdi die Verhandlungen führt, bereits vor dem ersten Gespräch im Januar offen mitgeteilt: "Wir schließen ausdrücklich Arbeitskampfmaßnahmen nicht aus." Auch in einer Mail der Gewerkschaft an die Beschäftigten wird bereits am Sonntag - dem Tag vor der 2. Verhandlungsrunde - per Mail zur Kundgebung mobilisiert.

Darin heißt es bereits: "Informationen zum Warnstreik bekommt ihr noch rechtzeitig von uns." Das Schreiben, das dem Tagesspiegel vorliegt, endet so: "Nur gemeinsam sind wir stark. Es geht um uns Fahrer und Fahrerinnen."

U-Bahnsteig im U-Bahnhof Kochstraße. Display zeigt Hinweis auf den Streik bei der BVG.
Einschränkungen bei Bus und Bahn. Bei der BVG könnte es im Februar wieder Warnstreiks geben. (Symbolbild)Foto: Matthias Balk/dpa

Verdi fordert für alle Mitarbeiter eine einheitliche Arbeitszeit von 36,5 Stunden bei vollem Gehalt. Bisher gilt diese nur für Beschäftigte, die vor September 2005 eingestellt wurden. Alle anderen Mitarbeiter haben eine 39-Stunden-Woche.

In einer Mitteilung nach der zweiten Runde am Montag behauptete Verdi: "Die Arbeitgeber haben kein Angebot vorgelegt, vor allem bei der gewerkschaftlichen Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohnausgleich gibt es kein erkennbares Entgegenkommen."

Dem widersprach die BVG. Die Arbeitgeberseite habe sehr wohl ein erstes Angebot mit 26 Einzelmaßnahmen vorgelegt und vorgeschlagen, zur Abarbeitung Arbeitsgruppen zu bilden. Dies habe Verdi abgelehnt. Ebenso sei auf die Forderung zur Arbeitszeitverkürzung eingegangen worden und Bereitschaft zu einer schrittweisen Reduzierung ab 2021 signalisiert worden, hieß es. Auch dies habe Verdi abgelehnt.

Die BVG-Spitze kann übrigens gleich am Freitag über den Streik sprechen - zufällig ist für diesen Tag die turnusmäßige Aufsichtsratssitzung angesetzt.

Also wird gestreikt am Freitag, und zwar von Betriebsbeginn gegen 4 Uhr bis mittags um 12 Uhr. Auch danach wird es noch eine Weile dauern, bis der Betrieb wieder nach Fahrplan läuft.

Lesen Sie mehr zum Streik im Tagesspiegel

- Diese Busse fahren, weil sie von Privatunternehmen betrieben werden.

- Die S-Bahn will mehr Züge einsetzen am Freitag.

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