Neues Buch über Ernährung : Ein Lob der Kichererbse

Was die Wissenschaft über Essen herausgefunden hat – der „Ernährungskompass“ weist die Richtung.

Hülsenfrüchte satt. Der Autor des „Ernährungskompasses“ lobt sie als wertvolle Kohlenhydrate-Quelle.
Hülsenfrüchte satt. Der Autor des „Ernährungskompasses“ lobt sie als wertvolle Kohlenhydrate-Quelle.Foto: Imago/Science Photo Library

Auf den Wochenmärkten, im Bioladen und im Supermarkt gibt es alles, und davon reichlich: frisches Obst und Gemüse, einheimisch und exotisch, Fleisch vom Bio-Metzger und vom Discounter, Milchprodukte in verwirrenden Varianten, knuspriges Baguette und ballaststoffreiche Vollkornbrote. Zur Vielfalt gesellt sich jedoch die Verwirrung: Soll man nun Rohkost oder gedünstetes Gemüse bevorzugen, vegetarisch leben oder aber mittels fleischlastiger „Steinzeitdiät“ gesund bleiben?

Ausgerechnet ein Mann, der sich um all das nach eigenem Bekunden lange Zeit kein bisschen scherte, hat nun ein Buch zum Thema Ernährung geschrieben. Der Wissenschaftsjournalist und frühere Tagesspiegel-Mitarbeiter Bas Kast nimmt zudem den Mund recht voll: Er verspricht im Untertitel zu seinem „Ernährungskompass“, der gerade im Bertelsmann-Verlag erschienen ist, nicht weniger als „Das Fazit aller wissenschaftlichen Studien zum Thema Ernährung“.

Zusätzlich stützt der Autor sich auf einen ganz besonderen Fallbericht: Er selbst hatte sich nämlich vor einigen Jahren vorgenommen, seine Ernährung radikal umzustellen, als er beim Joggen mit Schmerzen in der Brust zusammenbrach. Als studierter Psychologe und Biologe wollte er sich dabei von wissenschaftlichen Erkenntnissen leiten lassen.

Von gesundem Essen versprechen wir uns ein langes Leben

Eine ganze Reihe dieser Daten gilt heute naturgemäß dem Kampf gegen Übergewicht und Fettleibigkeit. So ist das Fazit einer Metaanalyse von 38 Einzelstudien, die 2012 im „European Journal of Clinical Nutrition“ erschien: Abnehmwillige haben mehr Erfolg bei ihrem Vorhaben, wenn sie sich eiweißreich ernähren. Zumindest für die begrenzte Zeit, die solche Studien üblicherweise im Blick haben. „Was die Sättigung betrifft, ist eine Kalorie ganz offensichtlich nicht immer eine Kalorie. Sobald die Kalorie in Proteinen eingenommen wird, sind wir schneller satt“, erläutert Kast.

Von „gesundem“ Essen versprechen wir uns nicht nur körperliche Fitness, sondern auch ein langes Leben. Spätestens hier wird es kompliziert, denn einiges spricht dafür, dass dem eine sehr proteinreiche Form der Ernährung entgegensteht: Sie erhöht unter anderem das Risiko, Krebs zu entwickeln – besonders, wenn Fleisch einen großen Platz auf dem Speiseplan einnimmt. Dazu kommen ethische Bedenken gegenüber der Massentierhaltung. Bas Kast teilt sie. Für sich hat er eine Lösung: „Ich mag das Wort ,Sonntagsbraten‘. Wie auch immer, Fleisch gibt es bei mir zu feierlichen Anlässen.“

Seine Werktags-Kost enthält dafür viel pflanzliches Eiweiß. Sein Loblied auf Nüsse, Erdnussbutter, Haferflocken, Bulgur, Bohnen, Linsen, Leinsamen oder Sonnenblumenkerne kann Kast fachlich untermauern: Eine Studie der Harvard-Universität weist nach, dass Menschen, die Eiweiß vorwiegend in pflanzlicher Form zu sich nehmen, mit einem längeren Leben rechnen können

Ein paar Tassen Kaffee sind gut fürs Herz und für die Leber

Dabei könnte eine Rolle spielen, dass das pflanzliche Eiweiß in einem anderen „Paket“ geliefert wird als Fleisch. Das „Paket“ scheint es auch zu sein, das die tierischen Eiweißquellen Joghurt und Fisch so empfehlenswert macht: Joghurt und Kefir enthalten Laktobazillen, die den Milchzucker zum Teil in Milchsäure verwandeln, Fisch Omega-3-Fettsäuren, beide hemmen Entzündungsprozesse.

Eines der Probleme von Studien zur Ernährung besteht darin, dass die meisten von ihnen Zusammenhänge zwischen bestimmten Nahrungsmitteln und Krankheiten herstellen. Dass diese Lebensmittel wirklich die Ursache für Gesundheit oder Krankheit sind, ist damit noch nicht bewiesen. Ernährungsmythen entstehen oft, weil dieser Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität missachtet wird.

Bas Kast sagt das ehrlich und macht es am Beispiel des Kaffees klar: Der hatte einen schlechten Ruf, weil Kaffee-Liebhaber oft früher starben. Dabei sind, wie sich herausstellte, ein paar Tassen Kaffee gut fürs Herz und für die Leber. Ein möglicher Grund für die Unstimmigkeit: Die älteren Studien, die das belebende Heißgetränk so ungünstig beurteilten, hatten den Störfaktor Rauchen nicht „herausgerechnet“. Raucher trinken, statistisch gesehen, mehr Kaffee als Nichtraucher, zugleich ist ihre Lebenserwartung niedriger.

Als besonders wertvolle Quelle von Kohlenhydraten preist der Autor neben Obst und Gemüse die Hülsenfrüchte. Charmanterweise enthält der Anmerkungsteil seines Buches nicht nur die Quellenangaben zu den Studien, sondern auch Tipps aus der häuslichen Küche. Zum Lob der Kichererbse passt zum Beispiel sein persönliches Rezept für Hummus.

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