Kreuzfahrt : Mit der Norwegian "Breakaway"zu den Bahamas

Musicals, Jungle-Shows, Late-Night-Party: Wer auf der „Breakaway“ Ruhe haben möchte, muss in der Kabine bleiben. Ein Trip von New York nach Nassau.

Langeweile ist keine Option. Auf der „Breakaway“ gibt es Unterhaltung am laufenden Band.
Langeweile ist keine Option. Auf der „Breakaway“ gibt es Unterhaltung am laufenden Band.Foto: Michel Verdure/NCL

Alle strömen auf Deck 16. Dort beginnt jetzt die „Sail Away Party“, Cocktails gratis bis zum Abwinken. Auf dem „High Energy Dance Floor“ dröhnen funkige Rhythmen aus den Boxen, viel zu laut, um sich noch zu unterhalten. Die „Breakaway“ verlässt den New Yorker Hafen, das Auslaufen soll gebührend gefeiert werden. „Bringen Sie Ihre Kameras mit“, hatte Cruise Direktor Alvin empfohlen. Ein guter Rat. Dabei geht es nicht darum, die tanzenden Passagiere zu knipsen. Vielmehr ist Manhattan die Attraktion. Denn jetzt, am frühen Nachmittag, strahlt die Sonne auf die glitzernde Skyline. Lady Liberty kommt immer näher. Wie zierlich sie wirkt. Wir indes befinden uns auf einem Koloss. 324 Meter lang ist die „Breakaway“ und 40 Meter breit und himmelhoch.

Ein Schiff mit 18 Decks und einem Motto: „Don’t miss a moment!“ Irgendeine Show, eine Dancing Class, ein Blackjack-Wettbewerb findet immer statt. Wer auf diesem Schiff zur Ruhe kommen will, muss in seiner Kabine bleiben. Aber für menschenscheue Sensibelchen wurde dieser Ein-Wochen-Trip ja nicht aufgelegt. Es geht darum, Spaß zu haben. Mit möglichst vielen Leuten. Knapp 4000 Passagiere könnten mitfahren, aber einige Kabinen sind leer geblieben auf dieser Novemberfahrt. Nachsaison. Vorwiegend Amerikaner sind an Bord. Sie wollen noch ein paar Tage karibische Wärme tanken. Schließlich führt die Reise in die Karibik. Nassau auf den Bahamas ist das Ziel. Manche Passagiere nutzen die Gelegenheit, sich Winterspeck anzufuttern. „Je mehr Sie essen, umso billiger wird die Kreuzfahrt“, scherzt ein Angestellter. Pro Woche werden an Bord 65 000 Eier, 25 000 Hühnchen und ungezählte Hamburger verzehrt.

27 Restaurants gibt es, dazu 22 Bars. Mit den All-inklusive-Angeboten ist man gut bedient. Spezialitätenrestaurants wie das Teppanyaki (Japanisch), das Ocean Blue (Fisch) oder das La Cucina (Italienisch) kosten extra. Der Aufpreis bleibt im Rahmen, die Speisen sind köstlich und raffiniert zubereitet. Allerdings werden die Gäste der edel möblierten und aufwändig designten Lokale gebeten, auf Shorts und T-Shirts zu verzichten. In den Büfettrestaurants und Bars gibt es hingegen keine Kleiderordnung. „Feel Free“ – ist die Devise. Auch essen darf man, wann man gerade möchte. Und wenn es nachts um vier ist. Der O’Sheehan’s Grill ist rund um die Uhr geöffnet, auch Eiscreme ist ständig verfügbar. Die riesige Auswahl im Garden Café Buffet ist verwirrend. Auch hier, auf Deck 15, gibt’s natürlich Fensterplätze. Niemand rangelt sich darum. Wozu auch? Das Meer ist Nebensache auf diesem Riesenschiff.

Apollo 11 im Rocketgarden von Cape Canaveral

Wer sonst viel Geld für gute Shows ausgibt, wird prima bedient. „Burn the Floor“ zum Beispiel, das Ballroom Musical, war viele Jahre am Broadway ein Renner. Da steckt so viel drin: Tango, Samba, Mambo, Jive, Paso Doble, Wiener Walzer, eine atemberaubende Melange, genial getanzt. Die Sänger könnten allesamt auf den Metropolenbühnen dieser Welt bestehen.

Das Schiff erreicht sein erstes Ziel: Cape Canaveral. Die Ausflugsangebote werden nur zögernd genutzt. Für den Trip zum Kennedy Space Center etwa genügen drei Busse. Wahrscheinlich kennen die meisten Amerikaner die Geschichte(n) ihrer Astronauten. „Vergangene Woche war die deutsche Aida hier“, erzählt Guide Chris. „Es gab so viele Anmeldungen für den Ausflug, dass nicht mal zehn Busse ausgereicht haben.“ Zwischen 1968 und 2011 starteten alle bemannten Weltraumflüge der USA von Cape Canaveral. Die klobigen Monturen der Astronauten sind zu betrachten, die Schaltzentrale für die Starts ist nachgebildet, dahinter zeigt ein Film das Abheben von Apollo 11. Die unterschiedlichen Modelle der Raumschiffe stehen im „Rocket Garden“. Die Souvenirshops sind gigantisch. Besucher kaufen sich den Spruch „Failure is not an option“, gedruckt auf Tüten, T-Shirts oder Magneten.

Auf dem Rückweg im Bus erzählt Chris von harmlosen Alligatoren und gefährlichen Krokodilen. Viele Tiere tummeln sich in dieser Ecke Floridas. Chris zeigt auf einen arg lädierten Baum. „Der Hurrikan vom letzten Jahre hat ihn gespalten.“ Immer hätte sich ein Adlernest darauf befunden, nun hängt es quasi auf Halbmast. „Aber die Adler sind wiedergekommen und schaffen es, auf dem kümmerlichen Rest des Nestes zu brüten.“ Ein Wunder.

Fertigmachen zur Jungle Show im Spiegelzelt

Auf der „Breakaway“ gibt’s stattdessen Attraktionen am laufenden Band. Gerade haben wir die Kurse an der Kletterwand verpasst, auch der Limbowettbewerb ist schon durch. Für uns gilt: Schnell fertig machen zur „Jungle Show“ im Spiegelzelt. Vorneweg ein Dinner, dann Akrobaten in Schlangenkostümen bestaunen und Tänzerinnen im Maikäferdress. Danach schnell zum Salsakurs oder noch zur Stand-up-Comedy? Um halb zwölf in der Nacht startet die Late Night Party in der Bliss Lounge, um Mitternacht wäre die „paradiesische Lottoziehung“ im Casino dran.

Der nächste Tag auf Deck 18. Ein riesiger Regenbogen spannt sich übers Meer, es ist warm. Kein Platz mehr im Schwimmbecken; in den Whirlpools sitzen die Menschen Haut an Haut. Etliche Passagiere räkeln sich auf Liegen. Sonnencremes werden aufgetragen, Drinks in Plastikbechern geholt. Gläser könnten zerbrechen – und so gibt es keine im Self-Service-Bereich. Das wird auch so sein, wenn die „Breakaway“ in diesem Sommer auf der Ostsee kreuzt. Bei den Speisen in den Büfettrestaurants werden dann andere Schwerpunkte gesetzt. „Amerikaner wollen Burger, Europäer lieben Kalorienarmes“, weiß Manager Shailendra Sawant, zuständig für Essen und Getränke an Bord. Überhaupt kauften sie je nach Fahrgebiet ein. „Wenn wir von Boston starten, nehmen wir sehr viel mehr Bier mit“, sagt Sawant. „Die Passagiere dort trinken unglaublich viel weg.“

Alle freuen sich auf Great Stirrup Cay, die Privatinsel der Reederei Norwegian Cruiseline. Wird aber nichts draus. Zu hoher Seegang, meldet die Brücke. Dabei sind die Wellen überschaubar. „Die wollen uns einfach nicht an Land bringen“, mault eine enttäuschte New Yorkerin. Eine Mitreisende aus Chicago tröstet: „Auf der Insel ist es ja doch nur voll, wenn 4000 Menschen dort drauf strömen.“

Der zusätzliche Tag auf See ist kurzweilig. Kostbare Juwelen sind im Sale, 30 Prozent günstiger als gestern. Die Einführung in die Akupunktur konkurriert mit dem Vortrag: „Wie werde ich schlank?“ Hinterher genügsam zu den frischen Salaten am Büfett – hier herrscht kein Andrang.

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