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Menschen sind in der Innenstadt von Münster zu sehen.

© Imago/Rüdiger Wölk

„Wir sehen eine große Skepsis“: Sorgen der Deutschen um den Arbeitsplatz sind so hoch wie zuletzt 2009

Die Wirtschaftskrise mit vielen Stellenstreichungen sorgt für wachsende Unsicherheit in der Bevölkerung. Vor allem bei zwei Gruppen ist die Angst vor dem Verlust des eigenen Jobs groß.

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Gerade erst hatte die Chefin der Bundesagentur für Arbeit klare Worte gefunden: „Der Arbeitsmarkt ist seit Monaten wie ein Brett“, es komme kein Schwung rein, sagte Andrea Nahles. Die Jobchancen für Arbeitslose in Deutschland seien auf einem Tiefpunkt, erklärte die SPD-Politikerin. Und dies spiegelt sich auch in den Gefühlen der Menschen  wider.

Die Bürgerinnen und Bürger in der Bundesrepublik machen sich einer Umfrage zufolge zunehmend Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Im Jahr 2025 schätzen 16 Prozent der Bundesbürger ihren Job als „sehr unsicher“ oder „eher unsicher“ ein, zeigt eine Studie der Beratungsgesellschaft EY, aus der die „Welt“ zitiert. Das ist der höchste Wert seit 2009. Damals, unter dem Eindruck der globalen Finanzkrise, hatten 22 Prozent ihren Job als insgesamt unsicher gesehen.

Gegenüber dem Vorjahr ist der Anteil derer, die sich Sorgen machen, um drei Prozentpunkte gestiegen. Verglichen mit 2023 sind es fünf Prozentpunkte, geht aus der Studie hervor, für die im November gut 1000 Menschen repräsentativ befragt wurden. Auch die Agentur dpa berichtet über die Ergebnisse..

Wir sehen eine große Skepsis, sowohl in Bezug auf die eigene Finanzlage als auch hinsichtlich der Konjunktur und der generellen Entwicklung des Standorts.

Henrik Ahlers, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY

Dennoch schätzen den Berichten zufolge 84 Prozent der Befragten den eigenen Arbeitsplatz trotz der anhaltenden Wirtschaftsflaute als sicher ein, 45 Prozent sogar als sehr sicher.

Beim Thema Jobangst gibt es allerdings große Unterschiede. Die Generation der Babyboomer hat das größte Zutrauen: Lediglich zehn Prozent der Über-55-Jährigen fürchten um den eigenen Job. In der Altersgruppe von 36 bis 45 Jahren machen sich dagegen überdurchschnittliche 17 Prozent Sorgen, bei den Unter-35-Jährigen sind es 21 Prozent und damit mehr als jeder Fünfte. 

Eine große Rolle spielt zudem das Einkommen: Je weniger verdient wird, desto höher ist die Angst. Unter Geringverdienern mit weniger als 25.000 Euro Jahreseinkommen sorgen sich 36 Prozent um den eigenen Job. Bei denjenigen mit einem Salär von über 70.000 Euro liegt der Wert nur bei acht Prozent.

„Wir sehen zwar einen schleichenden Rückgang der Arbeitsplatzsicherheit, aber wir sind weit von einer allgemeinen Untergangsstimmung entfernt“, sagte Henrik Ahlers, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY. „Die Chancen stehen also nicht schlecht, dass die Zuversicht zurückkommt, sobald die Konjunktur wieder anspringt.“ Die Menschen ließen sich in der Mehrheit nicht verrückt machen. 

Größte Sorgen bei den Jüngeren und Geringverdienern

Einhergehen die Sorgen um den Job mit gedämpften Erwartungen an die eigene Finanzlage. Nur 17 Prozent erwarten, dass sie im neuen Jahr mehr Geld zur Verfügung haben werden. Umgekehrt fürchten 26 Prozent, dass sich ihre Finanzlage verschlechtert.

„Nach wie vor sehen wir in der Bevölkerung eine große Skepsis, sowohl in Bezug auf die eigene Finanzlage als auch hinsichtlich der Konjunktur und der generellen Entwicklung des Standorts Deutschland“, sagte EY-Chef Ahlers. „Viele Menschen bleiben angesichts geopolitischer Verwerfungen, einer schwachen Konjunktur und schlechter Nachrichten aus wichtigen Wirtschaftszweigen sehr vorsichtig und halten sich mit größeren Anschaffungen zurück.“

Fast jeder Zweite will der Umfrage zufolge 2026 weniger Geld ausgeben für sogenannte „größere Einzelanschaffungen“ wie zum Beispiel Autos, Küchen oder ein neues Sofa. Auch im Bereich Unterhaltungselektronik mit Smartphones, Tablets und TV-Geräten und bei Restaurantbesuchen wird der Rotstift angesetzt, dazu beim Kauf von Kleidung und bei Freizeitaktivitäten.

Und auch den Baumärkten drohen Umsatzverluste: Wesentlich mehr Haushalte wollen sparen, wenn es um das Thema Renovieren, Umbauen, Dekorieren geht, als dass sie mehr Geld ausgeben. Lediglich für Lebensmittel planen die Befragten höhere Budgets ein.

Ministerpräsident Schweitzer fordert mehr Einsatz von Reiche

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer rief in diesem Zusammenhang Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche auf, sich stärker auf die Erholung der Wirtschaft zu konzentrieren. „Die Bundesregierung muss die wirtschaftliche Erholung 2026 ganz oben auf ihre Agenda setzen. Ich wundere mich aber über die zuständige Ministerin Katherina Reiche. Sie hätte eigentlich viel zu tun“, sagte der Sozialdemokrat den Zeitungen der Funke-Mediengruppe über die CDU-Politikerin.

„Von der Wirtschaftsministerin höre ich aber ständig ihre private Meinung zum Thema Rente, sie zeigt jedoch wenig Einsatz für deutsche Schlüsselbranchen wie Chemie, Pharma, Biotechnologie, Automobilwirtschaft und Stahl, die entscheidend sind für unseren Wohlstand“, sagte Schweitzer. Zugleich riet der wahlkämpfende SPD-Mann der Bundesregierung: „Schwarz-Rot darf nicht zu einer Streitkoalition werden.“

In Rheinland-Pfalz wird am 22. März ein neuer Landtag gewählt. Schweitzer hatte sein Amt von Malu Dreyer übernommen und stellt sich erstmals als Ministerpräsident einer Wahl.

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