Berlin ist Hauptstadt des Autoklaus : Das hilft gegen Autodiebe

Autofahrer haben durchaus Möglichkeiten, sich zu schützen. Wenn der Wagen weg ist, kann die Versicherung einspringen.

Laurin Meyer
Vor allem Land Rover, Porsche und Audi sind bei Autodieben beliebte Marken.
Vor allem Land Rover, Porsche und Audi sind bei Autodieben beliebte Marken.Foto: Axel Heimken/dpa

Steht das Auto plötzlich nicht mehr am abgestellten Platz, gibt es dafür oft eine einfache Erklärung. Etwa, dass der Partner es eigenmächtig umgeparkt hat. Oder es wurde aus dem Halteverbot abgeschleppt. Taucht es aber nirgendwo mehr auf, droht das Schlimmste: Autodiebe könnten es geklaut haben.

Die trieben im vergangenen Jahr vor allem in Berlin ihr Unwesen. Auf 1000 Autos kamen in der Hauptstadt durchschnittlich 3,6 Diebstähle – deutlich mehr als in allen anderen Bundesländern. Die Zahlen dazu hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft erhoben. Auf den Rängen zwei und drei folgen Hamburg (1,9) und Brandenburg (1,4).

Schlechte Aufklärungsquoten

In der Hauptstadt wurden insgesamt über 3300 Fahrzeuge entwendet. Die Chancen, sein Auto wiederzubekommen, stehen schlecht. Im vergangenen Jahr wurde laut Kriminalstatistik nur etwas mehr als jeder zehnte Diebstahl von Kraftwagen aufgeklärt. Die Möglichkeiten für Diebe seien vielfältig, heißt es von der Berliner Polizei, da die Fahrzeuge häufig leicht zugänglich auf öffentlichen Straßen stehen. Hinzu komme die besondere Lage der Hauptstadt mit ausgezeichneter Autobahnanbindung ans osteuropäische Ausland. Mit den gestohlenen Autos gehe es dann entweder per Kurier über die Grenze, oder sie werden hierzulande auf LKW verladen. Über die Grenzen Europas gelangt das Diebesgut in Schiffscontainern und auf Autozügen – nach Russland, in die Ukraine oder nach Afrika.

Besonders Gefahr, bestohlen zu werden, liefen übrigens die Besitzer von Land Rover, gefolgt von Porsche- und Audi-Fahrern. Für die Modelle von Seat, Hyundai und Opel interessierten sich Diebe hingegen am wenigsten. Die Statistik hält auch eine gute Nachricht bereit: Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl der Diebstähle zurück – bundesweit um vier, in Berlin um 4,1 Prozent.

Schutz muss nicht viel Kosten

„Autodiebstahl ist kein Schicksal“, sagt Kriminaloberrat Harald Schmidt, Leiter der polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Schon vor dem Parken sollten Fahrer selbst an die Sicherheit denken – etwa daran, keinen Zweitschlüssel im Fahrzeug zu lassen. Ohne teuren Aufwand könnten sich Autobesitzer zusätzlich schützen, zum Beispiel mit Parkkrallen und Felgenschlössern oder einer Alarmanlage. „Besonders wirkungsvoll ist eine Kombination aus mechanischen und elektrischen Sicherungen“, sagt Schmidt. Hatte der Dieb trotzdem Erfolg, kann ein ausgemustertes Smartphone im Fahrzeug helfen, ihm auf die Schliche zu kommen. Über die GPS-Funktion lässt es sich am heimischen Computer orten. Wichtig dabei: Das Smartphone muss an die Stromversorgung des Autos angeschlossen sein. Ohne Akku kann es seinen Standort nicht senden.

Und wenn der Langfinger schon über alle Berge ist? Dann wird der Diebstahl zum Versicherungsfall. Eine Teilkaskoversicherung hilft aus der Klemme. Ausnahmen gebe es keine, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. In der Regel ersetzt die Teilkasko-Versicherung den Wiederbeschaffungswert des Autos, allerdings nicht sofort. Taucht das Fahrzeug nämlich innerhalb eines Monats wieder auf, muss der Besitzer es zurücknehmen. Erst nach dieser Frist erstattet die Versicherung den Schaden. Allerdings berechnet der Anbieter die vereinbarte Selbstbeteiligung bei der Kostenerstattung ein. Eine Vollkasko-Versicherung beinhaltet übrigens den Teilkasko-Schutz, und damit auch die Absicherung bei einem Diebstahl.

Wer fahrlässig handelt, hat es schwieriger

Außerdem muss nicht gleich das ganze Auto weg sein, damit die Teilkasko einspringt. Werden etwa nur Felgen geklaut, erstattet die Versicherung den Schaden auch. Die Bedingung dafür: Es muss sich um festverbaute Teile handeln. Für das Smartphone im Auto kommt die Teilkasko also nicht auf. Querstellen kann sich die Versicherung außerdem, wenn der Autobesitzer selbst nicht aufgepasst hat. „Wurde der Leistungsfall grob fahrlässig herbeigeführt, kann der Anbieter einen Abzug bei der Leistung vornehmen“, sagt Boss. Das kann der Fall sein, wenn der Bestohlene das Fahrzeug unverschlossen abgestellt hat oder nicht mehr alle Autoschlüssel vorweisen kann.

Sich extra aus Angst vor dem Auto-Klau eine Teilkasko-Versicherung zuzulegen, lohne sich laut Boss aber nicht. „Der Leistungskatalog ist über den Diebstahl hinaus schon recht umfangreich.“ So haftet die Teilkasko etwa auch bei Wildunfällen oder einem Autobrand. Versicherte sollten daher immer entscheiden, ob sie das Gesamtpaket brauchen, sagt Boss. Das hänge vor allem vom Wert des Fahrzeugs ab.

Schnelligkeit ist gefragt

Im Falle eines Diebstahls heißt es: schnell handeln. Die Versicherer verlangen nämlich eine rasche und schriftliche Schadensmeldung sowie eine Anzeige bei der Polizei. Der Online-Ratgeber Finanztipp hat eine Checkliste zusammengestellt. Zuallererst sollten Bestohlene zur nächsten Polizeidienststelle, um den Diebstahl anzuzeigen. Erst danach sollten sie sich bei ihrer Versicherung melden. Das geht am schnellsten über die Schadens-Hotline des Anbieters.

Im Anschluss sollten Betroffene zur Kfz-Zulassungsstelle, um das versicherte Auto abzumelden. Dazu braucht die Behörde den Fahrzeugbrief, den Fahrzeugschein und die polizeiliche Bescheinigung des Diebstahls. Über die Abmeldung sollte dann wieder die Versicherung informiert werden. Laut Finanztipp werden für die Zeit bis zur Wiederanmeldung nämlich keine Versicherungsbeiträge fällig.

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