Bitcoin : Diebe klauen in Island 600 Hochleistungsrechner

Um die Kryptowährung Bitcoin zu erzeugen stehlen sie Rechner, missbrauchen Supercomputer der Atomforschung und attackieren normale Nutzer.

Oliver Voss
Kalt erwischt. In Island, wie hier in der Stadt Keflavik, gibt es viele Bitcoin-Schürfer. Das Klima ist günstig, Strom billig.
Kalt erwischt. In Island, wie hier in der Stadt Keflavik, gibt es viele Bitcoin-Schürfer. Das Klima ist günstig, Strom billig.Foto: picture alliance / Egill Bjarnas

Nach Angaben der Polizeibehörden in Island ist es die größte Diebstahlserie in der Geschichte des Landes. Etwa 600 Spezialcomputer im Wert von etwa zwei Millionen Dollar wurden bei einer Einbruchserie im Dezember und Januar gestohlen. Die Behörden machten den Fall erst jetzt publik, nachdem elf Verdächtige festgenommen wurden. Mit den gestohlenen Rechnern wurden Bitcoin erzeugt. „Mining“ heißt das Schürfen von Digitalwährungen. Dabei werden komplexe Rechenoperationen durchgeführt, um Transaktionen zu bestätigen. Als Belohnung erhalten die „Miner“ dafür neue Bitcoins. Die Währung ist dabei so programmiert, dass die Schwierigkeit der zu lösenden Rechenaufgaben immer weiter ansteigt. Vor einigen Jahren war es noch möglich, diese an heimischen Rechnern auszuführen. Doch inzwischen erfolgt das Schürfen meist in eigens dafür aufgebauten Rechenzentren, die dabei enorme Mengen Strom verbrauchen.

In den vergangenen Jahren sind viele solcher Rechenzentren in Island entstanden. Ein Grund dafür ist die vergleichsweise günstige Stromerzeugung, die auf der Insel fast ausschließlich aus erneuerbaren Energien wie Erdwärme oder Wasserkraft erfolgt.Die in Island beheimateten Bitcoin-Produzenten dürften in diesem Jahr sogar schon mehr Strom verbrauchen als alle isländischen Privathaushalte zusammen, erklärte kürzlich das isländische Energieunternehmen HS Orkas. Es veranschlagt den jährlichen Stromverbrauch der Bitcoin-Miner auf 840 Gigawattstunden – verglichen mit veranschlagten 700 Gigawattstunden, die pro Jahr durch die isländischen Haushalte verbraucht würden.

Bitcoin ist noch immer zehn Mal teurer als vor einem Jahr

Dem Boom kann auch der Kurssturz von Bitcoin & Co. in den vergangenen Monaten nichts anhaben. Der Preis der wichtigsten Kryptowährung stieg 2017 auf ein Rekordhoch von etwa 20 000 Dollar. Anschließend rutschte er binnen Wochen unter 6000 Dollar ab und pendelt aktuell um die 10 000er Marke – immer noch zehn Mal soviel, wie vor einem Jahr.

Bei anderen Währungen wie Ethereum ist es ähnlich. Daher boomt auch das Geschäft mit Hardware, insbesondere Grafikkarten, die auch für das Mining genutzt werden können. Besonders leistungsstarke Grafikkarten sind in den vergangenen Monaten teils kaum erhältlich oder werden zum zwei- und dreifachen des üblichen Preises gehandelt – zum Ärger von vielen Computerspielefans. Der größte Hersteller Nvidia hält daher seit einiger Zeit seine Händler an, pro Käufer nur noch zwei Grafikkarten abzugeben. So wird auf verschiedenen Wegen versucht, Zugriff auf Rechenleistung zu bekommen. Anfang Februar wurden mehrere Ingenieure eines russischen Kernforschungszentrums festgenommen, weil sie mit den dortigen Supercomputern Bitcoin generieren wollten. Die Mitarbeiter des Kernforschungszentrums in der Stadt Sarow seien „rechtzeitig gestoppt worden“, sagte eine Sprecherin der Forschungseinrichtung der Nachrichtenagentur Interfax. In dem Kernforschungszentrum wird insbesondere an der Entwicklung von Atomwaffen gearbeitet, der Zugang ist streng limitiert. Im Jahr 2011 wurde dort ein Supercomputer installiert, nach Angaben des russischen Fernsehens damals einer der zwölf leistungsstärksten Rechner weltweit.

Hacker nutzen die Rechner ihrer Opfer, um Bitcoin zu schürfen

Doch die Erzeugung von Kryptowährungen geht auch ohne solche Supercomputer, wenn man nur genug Rechenleistung zusammenschaltet. Dafür versuchen Hacker immer öfter Schadsoftware auf normalen Computer zu installieren, die dann im Hintergrund missbraucht werden, um gemeinschaftlich in einem Netzwerk Digitalwährungen zu schürfen. Laut einer Analyse des IT-Sicherheitsanbieters Kaspersky Lab wurden 2017 insgesamt 2,7 Millionen Anwender von solchen schädlichen Miner-Programmen angegriffen. Das entspricht gegenüber dem Vorjahr einem Anstieg um fast 50 Prozent. Teilweise wurde der entsprechende Code auch auf Webseiten installiert, bekanntestes Opfer war Ende des vergangenen Jahres der US-TV-Sender Showtime aber auch die Webseiten von Universitäten waren betroffen. In diesen Fällen wurde die Kryptowährung Monero erzeugt. Generell spezialisieren sich Kriminelle dabei oft auch auf weniger bekannte Währungen. Doch die sind auch lukrativ: So haben die Spezialisten von Kaspersky gerade eine Attacke mit Schadsoftware aufgedeckt, mit der die Kryptowährung Electroneum erzeugt wurde. Laut den Sicherheitsspezialisten konnten damit in der zweiten Hälfte des Jahres 2017 nahezu sieben Millionen US-Dollar erwirtschaftet werden.

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